Examensarbeit, 2001
110 Seiten, Note: 2,0
1. Einleitung
2. Kriterien und Begriffsverwendung zum Phänomen des Schulabsentismus
3. Zur Schulpflicht
3.1 Rechtliche Grundlagen in Deutschland
3.2 Die Schulpflicht im Freistaat Sachsen
4. Formen und mögliche Ursachen des Schulabsentismus
4.1 Das Schulschwänzen
4.1.1 Zur Beschreibung des Schulschwänzens
4.2 Die Schulverweigerung
4.2.1 Zur Beschreibung der Schulverweigerung
4.2.2 Verschiedene Verhaltensmuster und Folgen der Schulverweigerung
4.3 Die Schulphobie
4.3.1 Zur Beschreibung der Schulphobie
4.4 Das Zurückhalten
4.4.1 Zur Beschreibung des Zurückhaltens
5. Aspekte der Verhaltensstörung
5.1 Zum Terminus Verhaltensstörung
5.2 Verhaltensstörung und Schulschwänzen
5.3 Verhaltensstörung und Schulverweigerung
6. Perspektiven pädagogischen Handelns in Bezug auf Schulabsentismus
6.1 Wie ist die Verständnisgrundlage bei PädagogInnen für Schulabsentismus?
6.2 Prävention und Intervention aus psychologischer, schul- und sonderpädagogischer Perspektive
6.2.1 Schulisches Handeln als Prävention
6.2.2 Intervention – schulbezogene Konzepte gegenüber Schwänzen und Schulverweigerung
6.2.3 Welche individuumsbezogenen Zugänge gibt es?
6.3 Schulische Handlungskonzepte und –strategien bei Absentismus
6.4 Unterrichtliche Handlungskonzepte und Strategien bei Schulverweigerung
6.5 Familienbezogene Handlungskonzepte
7. Perspektiven sozialpädagogischen Handelns in Bezug auf Schulabsentismus
7.1 Wie ist die Verständnisgrundlage bei SozialpädagogInnen für Schulabsentismus?
7.2 Sozialpädagogische Handlungsstrategien im Umgang mit Schulschwänzern
7.3 Sozialpädagogisches Fallverstehen
7.4 Theoretische Leitlinien für die sozilapädagogische Arbeit mit Schulverweigerern
7.4.1 Sozialpädagogisches Handlungsverständnis gegenüber Schulverweigerung
7.4.2 Theoretische Überlegungen zur Wirksamkeit
7.4.3 Sozialpädagogisches Handeln als 'bastelpädagogisches Arbeitsbündnis'
8. Alternativen für die Arbeit mit Schulverweigerern und Totalaussteigern
8.1 Aspekte zur Begründung dieser Sondervorhaben
8.2 Pädagogische und strukturelle Konstruktionsprinzipien von Schulverweigererprojekten
9. Vorstellung des Schulalternativprojekts „Youth Start“
9.1 Einleitung
9.2 Ausgangssituation
9.3 Entwicklung des Projekts
9.4 Zielstellung
9.5 Zielgruppe
9.6 Aufgaben/Inhalte des Projektes
9.7 Arbeitsweise
9.8 Personelle und räumliche Ausstattung
9.9 Fragestellungen
9.9.1 Zugang der Jugendlichen zum Projekt
9.9.2 Die Annahme des Projektes durch die schulmüden Jugendlichen
9.9.3 Vermittlung an weiterführende Maßnahmen
10. Interpretation und Diskussion der Ergebnisse
11. Konsequenzen, Empfehlungen, Veränderungsvorschläge
12. Zusammenfassung
Die vorliegende Arbeit untersucht das Phänomen des Schulabsentismus aus sonderpädagogischer und sozialpädagogischer Sicht. Das primäre Ziel besteht darin, Ursachen für Schulverweigerung und Schulschwänzen zu analysieren, pädagogische Interventionsmöglichkeiten aufzuzeigen und das Schulalternativprojekt „Youth Start“ als erfolgreiches Praxisbeispiel für die Arbeit mit bildungsbenachteiligten Jugendlichen vorzustellen.
4.1.1 Zur Beschreibung des Schulschwänzens
"Von Schulschwänzen gesprochen wird, wenn Kinder und Jugendliche zeitweilig oder anhaltend – in der Regel – ohne Wissen der Eltern die Schule nicht besuchen und während der Unterrichtszeit einer für sie angenehmeren Beschäftigung zumeist im außerhäuslichen Bereich nachgehen." (Hildeschmidt, 1979, S.26)
Von THALMANN wurde 1974 das Schulschwänzen in verschiedene Schweregrade eingeteilt. 1. Der Schüler schwänzt gewohnheitsmäßig über über längere Zeiträume hinweg oder mindestens einen Tag in der Woche. 2. Der Schüler schwänzt weniger als einen Tag in der Woche, jedoch mehr als drei Tage im letzten Halbjahr. 3. Der Schüler schwänzte 1-3 Tage im letzten Halbjahr und lässt oft eine Stunde weg. 4. Der Schüler schwänzte insgesamt nur sehr wenige Stunden. 5. Der Schüler schwänzte keine Stunde. (vgl. Hildeschmidt, 1979, S. 27f)
Hierbei sollte jedoch bemerkt werden, dass in vielen Schulen ein sogenanntes verdecktes Schwänzen vorherrscht, d.h. der Schüler trägt sich ein bzw. wird als anwesend registriert und verschwindet dann, vom Lehrer wird er aber nicht mehr ausgetragen. Auch finden sich oft kleine Gruppen zusammen und bleiben gemeinsam dem Unterricht fern, in der Literatur von LEMPP (1971, S. 66) als Gruppenschwänzen benannt. Teilweise nimmt es schon Züge vom Zurückgehaltenwerden an, wenn der Schüler unter einen gewissen Gruppendruck gesetzt wird. (vgl. Hildeschmidt, 1979, S. 28) Nach PREUß (1978, S. 174) wird das Schulschwänzen durch mehrere Erscheinungsformen charakterisiert. Es kann als eine Fehlanpassung verstanden werden, man kann sogar von einer Verhaltensstörung sprechen. Bei PREUß finden wir Gründe für dieses Verhalten: "Die Wirksamkeit der Indikatoren, die die Entstehung des Schulschwänzens begünstigen, ist eng damit verknüpft, wie der Schüler subjektiv seine Ausgangslage erlebt; dabei können nachfolgende Aspekte von Bedeutsamkeit sein: individueller Begründungszusammenhang für das Schwänzen, Alter, Geschlecht, Intelligenz, Schulleistung, Betziehungen zu Mitschülern und Lehrern und als sozio-kulturelle Determinante die Familiensituation." (Preuß, 1978, S. 167)
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die zunehmende Relevanz des Themas Schulverweigerung und begründet die Motivation der Autorin, sich mit alternativen pädagogischen Ansätzen auseinanderzusetzen.
2. Kriterien und Begriffsverwendung zum Phänomen des Schulabsentismus: Dieses Kapitel verdeutlicht die Schwierigkeit, einen einheitlichen Begriff für das Fernbleiben von der Schule zu finden, da in der Literatur eine Vielzahl von uneinheitlichen Definitionen existiert.
3. Zur Schulpflicht: Hier werden die rechtlichen Rahmenbedingungen der Schulpflicht auf Bundesebene sowie spezifisch im Freistaat Sachsen dargelegt.
4. Formen und mögliche Ursachen des Schulabsentismus: Das Kapitel strukturiert das Fernbleiben von der Schule in die Kategorien Schulschwänzen, Schulverweigerung, Schulphobie und Zurückhalten.
5. Aspekte der Verhaltensstörung: Es wird untersucht, inwiefern Schulschwänzen und Schulverweigerung als Symptome oder Teilsymptome einer Verhaltensstörung interpretiert werden können.
6. Perspektiven pädagogischen Handelns in Bezug auf Schulabsentismus: Das Kapitel diskutiert Strategien zur Prävention und Intervention aus schulischer und psychologischer Perspektive.
7. Perspektiven sozialpädagogischen Handelns in Bezug auf Schulabsentismus: Hier stehen die sozialpädagogischen Ansätze, das Fallverstehen und theoretische Leitlinien für die Arbeit mit Schulverweigerern im Zentrum.
8. Alternativen für die Arbeit mit Schulverweigerern und Totalaussteigern: Es werden alternative Projekte und deren konstruktive Prinzipien vorgestellt, die sich an der Lebenswelt der Jugendlichen orientieren.
9. Vorstellung des Schulalternativprojekts „Youth Start“: Dieses Kapitel bildet den Praxisteil und beschreibt detailliert die Entstehung, Organisation, Zielgruppen und Arbeitsweisen des Leipziger Projekts „Youth Start“.
10. Interpretation und Diskussion der Ergebnisse: Die Ergebnisse der eigenen Untersuchung zur Anwesenheit und Motivation der Jugendlichen im Projekt werden reflektiert und interpretiert.
11. Konsequenzen, Empfehlungen, Veränderungsvorschläge: Auf Basis der Untersuchungsergebnisse werden Empfehlungen für die Arbeit in solchen Projekten sowie für den allgemeinen Umgang mit Schulverweigerern formuliert.
12. Zusammenfassung: Die Arbeit schließt mit einem Resümee über die Komplexität des Themas und die Notwendigkeit interdisziplinärer Kooperation.
Schulabsentismus, Schulschwänzen, Schulverweigerung, Schulangst, Schulphobie, Pädagogische Intervention, Sozialpädagogik, Youth Start, Verhaltensstörung, Schulpflicht, Prävention, Schulalternativprojekt, Bildungsbenachteiligung, Fallverstehen, Jugendhilfe.
Die Arbeit befasst sich mit der Problematik des Schulabsentismus und stellt verschiedene Formen des Fernbleibens vom Unterricht vor, um anschließend aufzuzeigen, wie pädagogische und sozialpädagogische Projekte diesen Jugendlichen neue Perspektiven eröffnen können.
Die zentralen Felder umfassen die Definition und Phänomenologie des Schulabsentismus, die rechtlichen Aspekte der Schulpflicht, die theoretische Einordnung in Verhaltensstörungen sowie die konkrete Darstellung von Präventions- und Interventionsmaßnahmen.
Das Ziel ist es, die Wirksamkeit von alternativen Bildungsangeboten zu prüfen und aufzuzeigen, dass ein spezialisiertes Projekt wie „Youth Start“ erfolgreich helfen kann, schulmüde Jugendliche zu stabilisieren und an weiterführende Maßnahmen zu vermitteln.
Die Autorin kombiniert eine fundierte theoretische Literaturarbeit mit einer empirischen Hospitation und Befragung von Jugendlichen im Rahmen des Projekts „Youth Start“.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Aufarbeitung der verschiedenen Absentismusformen und deren Ursachen, gefolgt von einer detaillierten Analyse pädagogischer Handlungsansätze und schließlich der Vorstellung des spezifischen Modellprojekts in Leipzig.
Die wichtigsten Schlagworte sind Schulabsentismus, Schulverweigerung, Prävention, Sozialpädagogik, bildungsbenachteiligte Jugendliche und interdisziplinäre Kooperation.
Die Arbeit betont, dass das Elternhaus eine wesentliche Rolle spielt – sei es durch das "Zurückhalten" von Kindern im Elterninteresse oder durch den Bedarf an elterlicher Unterstützung in Interventionsprozessen, um einen Wiedereinstieg zu fördern.
Erfolgsfaktoren sind die familiäre Atmosphäre, das Fehlen von klassischem Leistungsdruck, eine individuellere Betreuung durch Sozialpädagogen und die Verknüpfung von schulischen Inhalten mit praktischer Werkstattarbeit, die den Jugendlichen Erfolgserlebnisse ermöglicht.
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