Examensarbeit, 2002
113 Seiten, Note: 1,0
I. Bismarck- Mythos, Bismarck- Kult und "Bismärcker"
II. Bismarck- Verehrung und politische Kultur
a) Begriffsdefinitionen und Erkenntnisinteresse
b) Quellen und Untersuchungszeitraum
III. Anfänge und Ausbreitung des Bismarck- Kultes 1890- 1898
a) Die "nationale Opposition" und die "Bismarckfonde" gegen den "Neuen Kurs"
b) Huldigungsfahrten
IV. Die Bewegung zum Bau von Bismarck- Türmen und -Säulen
a) Typen von Bismarck- Denkmälern und die Tendenz zur Monumentalisierung
b) Der Aufruf der deutschen Studentenschaft zum Bau von Bismarck- Säulen 1898/99
c) Initiatoren und Träger von Bismarck- Turm und -Säulenprojekten und ihre Motive
d) Die Verbreitung von Bismarck- Türmen und -Säulen und politische Widerstände
V. "Nach Canossa gehen wir nicht!": Bismarck- Kult und Kulturkampfagitation
VI. "Die Wacht an Weichsel und Warthe": Der Bismarck- Kult des Ostmarkenvereins
VII. Bismarck- Kult und völkischer Nationalismus
a) Der Alldeutsche Verband und andere völkische Gruppen
b) Die österreichischen Deutschnationalen
VIII. Fazit
Die Arbeit untersucht die Etablierung des Bismarck-Kultes im wilhelminischen Kaiserreich als integralen Bestandteil der politischen Kultur. Dabei wird analysiert, wie Parteien und Verbände des nationalen Lagers den Mythos um den „Reichsgründer“ instrumentalisierten, um eigene politische Ziele zu legitimieren, sich gegen gesellschaftliche Gegner abzugrenzen und nationale Identitätskonzepte zu festigen.
Die Bewegung zum Bau von Bismarck- Türmen und -Säulen
Der Bau von Türmen zu Ehren einer berühmten Persönlichkeit, oder die Benennung bereits vorhandener nach ihr, war gegen Ende des 19. Jahrhunderts kein ungewöhnlicher Vorgang. Erklärungsbedürftig ist jedoch, warum diese Form der Ehrung Bismarcks nach 1898 geradezu massenhaft in Deutschland, vereinzelt auch in den deutschen Kolonien und in Österreich- Ungarn, umgesetzt wurde. Von den schätzungsweise 500 bis 1914 gebauten Bismarck- Denkmälern waren 218 nachweislich Türme oder Säulen, wobei unter „Säule“ keine zylindrische Stütze einer Decke oder ein Obelisk zu verstehen ist, sondern ein Bismarck- Monument, das sich an einem speziellen Entwurf des Architekten Wilhelm Kreis orientiert. Eine ähnliche Anhäufung dieser architektonischen Denkmalsform zu Ehren eines Politikers ist nicht bekannt.
I. Bismarck- Mythos, Bismarck- Kult und "Bismärcker": Einleitung in die Begrifflichkeiten und die Entstehung von Bismarck als mythische Identifikationsfigur im wilhelminischen Kaiserreich.
II. Bismarck- Verehrung und politische Kultur: Methodische Herleitung der politischen Bedeutung von Bismarck-Feiern und Denkmälern als Kommunikationsmittel zur Vermittlung politischer Botschaften.
III. Anfänge und Ausbreitung des Bismarck- Kultes 1890- 1898: Analyse der Ursprünge des Kultes im Kontext der innenpolitischen Auseinandersetzung um den „Neuen Kurs“.
IV. Die Bewegung zum Bau von Bismarck- Türmen und -Säulen: Detaillierte Betrachtung der massenhaften Errichtung von Bismarck-Monumenten als Kultstätten und touristische Attraktionen.
V. "Nach Canossa gehen wir nicht!": Bismarck- Kult und Kulturkampfagitation: Darstellung der Instrumentalisierung des Kultes durch protestantische Gruppen im Kampf gegen den politischen Katholizismus.
VI. "Die Wacht an Weichsel und Warthe": Der Bismarck- Kult des Ostmarkenvereins: Untersuchung der Nutzung des Kultes zur Legitimierung einer aggressiven Germanisierungspolitik in den Ostprovinzen.
VII. Bismarck- Kult und völkischer Nationalismus: Erläuterung der Verbindung des Bismarck-Kultes mit völkischem Gedankengut und den Zielen des Alldeutschen Verbandes sowie österreichischer Deutschnationaler.
VIII. Fazit: Zusammenfassende Einordnung der Ergebnisse hinsichtlich der Instrumentalisierung des Gedenkens zur Abgrenzung und Identitätsstiftung im politischen Lagerkampf.
Bismarck-Kult, Bismarck-Mythos, Wilhelminisches Kaiserreich, politischer Nationalismus, Bismarck-Säulen, Kulturkampf, Alldeutscher Verband, Ostmarkenverein, Reichsfeinde, völkischer Nationalismus, Nationaldenkmäler, deutsche Identität, Kaiserreich, Parteienpolitik.
Die Arbeit analysiert die politische Instrumentalisierung von Bismarck als Identifikationsfigur im wilhelminischen Deutschland zwischen 1890 und 1914.
Zentral sind die Entstehung des Bismarck-Mythos, die Errichtung von Bismarck-Türmen und -Säulen, sowie deren Nutzung durch nationalistische Organisationen zur politischen Mobilisierung.
Ziel ist es, nachzuweisen, dass der Bismarck-Kult kein unpolitisches Gedenken war, sondern aktiv zur Abgrenzung gegen politische Gegner und zur Verbreitung nationalistischer Ideologien diente.
Der Autor stützt sich auf eine Analyse zeitgenössischer Presseberichte, Verbandspublikationen, Festreden und die Auswertung von Baugeschichten der zahlreichen Bismarck-Denkmäler.
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung verschiedener Akteure wie Studentenverbände, den Ostmarkenverein, den Alldeutschen Verband und konfessionelle Gruppen und deren spezifische Aneignung des Bismarck-Kultes.
Die zentralen Schlagworte umfassen Bismarck-Kult, Nationalismus, Kulturkampf, politische Instrumentalisierung und die Identifikation des "Reichsgründers" mit einer völkisch verstandenen Nation.
In den preußischen Ostprovinzen wurde der Kult primär zur Unterstützung einer radikalen Germanisierungspolitik gegenüber der polnischen Bevölkerung eingesetzt, während er in anderen Teilen des Reiches stärker im Kontext des Kulturkampfes gegen das Zentrum instrumentalisiert wurde.
Türme dienten als „Kultstätten“, die eine emotionale Identifikation ermöglichten, besonders durch jährliche Feiern (z. B. Sommersonnenwende), bei denen das Entzünden von Feuerschalen die „Wacht“ an den Grenzen des Deutschtums symbolisierte.
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