Magisterarbeit, 2001
99 Seiten, Note: 1,0
1. Der Garten der Lüste als kunsthistorisches Problem
1.1. Grundzüge der Auslegung: Konsens und Dissens der Forschung
1.1.1. Allgemeines
1.1.2. Die Außentafeln
1.1.3. Die linke Innentafel
1.1.4. Die Mitteltafel
1.1.5. Die rechte Innentafel
1.2. Der Garten der Lüste als methodisches Problem
1.2.1. Die Anfänge der kunsthistorischen Interpretation
1.2.2. Boschs Gemälde als Spielfläche des (Forscher-)Geistes
1.2.3. Von der Kritik der Interpretationen zur Reflexion der Methoden
2. Die Methode Bax’ – eine systematische Motivdeutung
2.1. Bosch als Moralist und die volksprachliche Literatur
2.2. Der „Garten der Unkeuschheit“
2.2.1. Die Erschaffung der Welt und das Paradies
2.2.2. Die Mitteltafel im Zeichen der Luxuria
2.2.3. Die Höllentafel: „hekeling van de herberg“
2.3. Sprachbilder und Bildersprache
2.3.1. Bax contra Fraenger
2.3.2. Der Garten der Lüste – ein endloser Rebus?
3. Quellenforschung, Rezeptionsstudien und Ikonographie
3.1. Quellenstudien
3.1.1. Das höfische Umfeld des Gartens der Lüste
3.1.2. Zur Rezeption des Gartens der Lüste
3.1.3. Betitelungen in den Inventaren
3.2. Textvergleiche
3.2.1. Die Visio Tundali und die Hölle des Gartens der Lüste
3.2.2. Der Rosenroman, der Triumphus Veneris und die Mitteltafel
3.3. Bildvergleiche
3.3.1. Paradiesdarstellungen mit Gottvater / Christus, Adam und Eva
3.3.2. Vergleichbare Elemente in Liebesgärten und Jungbrunnen
4. Semantische Klärungen durch Vandenbroeck
4.1. Die Eule im Paradiesbrunnen
4.2. Semantik und Komplexität der Mitteltafel
4.2.1. Die Semantik der Mitteltafel
4.2.2. ‚Sicut erat in diebus Noe’, Paradies-Vorstellungen und Eschatologie
4.3. Unvollständige Komplexität
5. Weitergehende Ansätze und Methoden
5.1. Ansätze zur Konzeption der Mitteltafel
5.2. Formale Ansätze und Gestaltungsprinzipien
5.2.1. Der Garten der Lüste und die Drolerien
5.2.2. Formalästhetische und bildimmanente Ansätze und Methoden
5.3. Zur Gestaltung des Gartens der Lüste
5.3.1. Die Gestaltung der Mitteltafel und die theologische Literatur
5.3.2. Gestaltungsprinzipien im Garten der Lüste
Die vorliegende Arbeit untersucht das Triptychon „Der Garten der Lüste“ von Hieronymus Bosch, um die kunsthistorischen Forschungsmethoden und Interpretationsansätze kritisch zu beleuchten. Dabei steht nicht die Rekonstruktion der Künstlerpersönlichkeit im Vordergrund, sondern eine methodische Zusammenschau, die Bosch in die ikonographische Tradition des ausgehenden Mittelalters und der beginnenden Neuzeit integriert, um die Rätselhaftigkeit der Bildfindungen jenseits esoterischer Spekulationen zu ergründen.
Die Höllentafel: „hekeling van de herberg“
Bax’ Auslegung der Höllentafel ist die mit Abstand umfassendste. Spätere Untersuchungen behandeln nur Teilaspekte, wie den ‚Teufel auf dem Kackstuhl’ (Kapitel 3). Bei der Interpretation der Hölle wird dieselbe Methode wie oben angewendet. Das Volksbrauchtum nimmt dabei einen großen Teil ein. Dazu kommen Quellen und Sekundärliteratur aus dem Bereich des Strafrechts, der Kleidung, sowie der Jagd, der Waffen und Rüstungen. So weisen Waffen, Rüstungen, Jagdelemente auf Zorn bzw. Streitsucht und Unkeuschheit hin. Ein bestimmter Kopfputz weist eine Figur als Kupplerin aus. Ferner dienen parallele Motive aus anderen Höllen- und Teufelsdarstellungen Boschs und seiner Nachfolger zur Bedeutungsfindung.
Die moralisierende Sexualsymbolik verschiebt sich zugunsten allerlei Laster, neben der Wollust auch Streitsucht, Zorn, Eitelkeit, Habgier, Trinksucht und Spielsucht. Diese Laster konzentrieren sich im Kneipenmilieu. Bax bezeichnet es deshalb als „hekeling van de herberg“ (‚hekelen’ = rügen / anprangern, auch: verspotten). Explizit sind damit die meisten Motive des Vordergrundes und des Zentrums gemeint. Dort bildet eine Schenke samt Gästen und Bedienung den Rumpf des Baummenschen. Sie ist außen durch eine Fahne mit einer Sackpfeife gekennzeichnet. Ein solcher befindet sich auch auf dem Kopf des Riesen.
1. Der Garten der Lüste als kunsthistorisches Problem: Vorstellung der vier Ansichten und elementaren Motive des Werks sowie eine methodische Grenzziehung zu spekulativen, „esoterischen“ Deutungsansätzen.
2. Die Methode Bax’ – eine systematische Motivdeutung: Würdigung des konsequenten, philologisch-volkskundlichen Ansatzes von Dirk Bax und dessen Gegenüberstellung mit der geistesgeschichtlichen Schule.
3. Quellenforschung, Rezeptionsstudien und Ikonographie: Untersuchung dokumentarischer Quellen sowie der literarischen und künstlerischen Tradition, um das Werk aus dem ikonographischen „Nichts“ zu lösen.
4. Semantische Klärungen durch Vandenbroeck: Anwendung einer umfassenden semantischen Untersuchung auf alle wesentlichen Motive, um die inhaltliche Bestimmung von Paradies und Mitteltafel zu präzisieren.
5. Weitergehende Ansätze und Methoden: Zusammenführende Betrachtung der formalästhetischen Gestaltungsprinzipien des Triptychons und Ausweitung der Deutung auf die Gesamtkonzeption.
Hieronymus Bosch, Der Garten der Lüste, Kunstgeschichte, Ikonographie, Ikonologie, Dirk Bax, Paul Vandenbroeck, Mittelalter, Luxuria, Motivdeutung, Drolerien, Symbolik, Rezeptionsgeschichte, Höllendarstellung, Sündenfall.
Die Arbeit analysiert kritisch die verschiedenen kunsthistorischen Interpretationsansätze des Triptychons „Der Garten der Lüste“ von Hieronymus Bosch.
Im Zentrum stehen die kunsthistorische Forschungsmethodik, die Ikonographie, der Vergleich mit zeitgenössischer volksprachlicher Literatur sowie die formale Analyse der Bildstruktur.
Das Ziel ist es, durch die methodische Auseinandersetzung mit der bisherigen Forschung – insbesondere dem Gegensatz zwischen moralisierender Deutung und esoterischer Spekulation – zu einer fundierten Einordnung des Werkes zu gelangen.
Die Arbeit wendet primär einen chronologischen Ansatz an, der die kunsthistorischen Methoden historisch einordnet und durch quellenkritische Text- und Bildvergleiche ergänzt.
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der elementaren Motive, die systematische Motivdeutung nach Bax, die quellenorientierte Ikonographie, die semantischen Klärungen nach Vandenbroeck sowie eine weitergehende formale Betrachtung.
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Ikonographie, Luxuria, Motivdeutung, Sündenfall, Drolerien und die kunsthistorische Forschung zu Hieronymus Bosch charakterisiert.
Bax gilt als Pionier, da er versuchte, die rätselhaften Bildmotive durch den Bezug zur zeitgenössischen niederländischen Volkssprache, Literatur und Sitten sowie durch eine minutiöse Beschreibung auf eine sachliche Grundlage zu stellen.
Die Eule wird im Werk nicht als Weisheitssymbol, sondern in mittelalterlicher Tradition als Sinnbild für Dummheit, Boshaftigkeit und Verführung gedeutet, was eine Brücke zwischen den verschiedenen Tafeln des Triptychons schlägt.
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