Bachelorarbeit, 2013
31 Seiten, Note: 2,7
A Einleitung
B Aschenbachs Flucht vor dem Begehren
I Zwischen Dienst und Verlangen
II Der Wunsch nach Entbürdung
III Fluchtdrang
IV Die Sehnsucht nach dem Ort der Bestimmung
V Der Ausbruch des Verlangens
1. Ästhetische Reize
2. „Väterliche“ Empfindungen
3. Fluchtversuche
VI Der Triumph der Begierde
VII Die Auflösung im Begehren
C Fazit
D Literaturverzeichnis
Diese Bachelorarbeit untersucht die ambivalente Dynamik von Flucht und Begehren im Leben des Protagonisten Gustav von Aschenbach in Thomas Manns Novelle „Tod in Venedig“. Die Forschungsfrage widmet sich dabei der Verschränkung von Aschenbachs geistiger Flucht vor seinen unterdrückten Bedürfnissen und seinem letztlichen Aufgehen in einem zerstörerischen, dionysischen Verlangen.
Die Sehnsucht nach dem Ort der Bestimmung
Trotz Aschenbachs spontanem Entschluss zu verreisen, verweilt er, aus geschäftlichen Gründen, noch zwei Wochen in München. Auf der Suche nach dem „Fremdartigen[n] und Bezuglose[n]“ reist er nach Pola. Anderthalb Wochen verbringt er auf einer Insel der Adria. Schließlich hört er auf seine Gefühle – „ein[en] Zug seines Innern“ – und stellt fest, dass er sich noch nicht am „Ort seiner Bestimmung“ befindet. Aschenbach fragt sich, wo er das „märchenhaft Abweichende“ finden könnte und ihm fällt schlagartig Venedig ein. Er lässt sich an den Hafen zurückbringen, um sogleich die Schifffahrt zur Lagunenstadt anzutreten.
Das dritte Kapitel wird häufig als Kapitel des Übergangs interpretiert. Es verdeutlicht nicht nur Aschenbachs physische, sondern auch seine geistige Entfernung von seiner Heimatstadt München. Die Schifffahrt von Pola nach Venedig veranschaulicht den Bruch mit seinem bisherigen Leben, seinen Verpflichtungen, seinen streng-moralischen Vorstellungen. Sie steht symbolisch für die Veränderung von Aschenbachs Wesen. Der ordentliche, pflichtbewusste, disziplinierte Schriftsteller, der seine Gefühle und Bedürfnisse über Jahre unterdrückt und erkältet hat, wird nun von dem Verdrängten, seinem Verlangen, dominiert. Er schwankt von einem Lebenskonzept, von einem Extrem, ins andere. Selbstverständlich versucht er zunächst seine Wünsche zu verdrängen und flüchtet vor dem Begehren. Zusätzlich bedeutet die Überfahrt auch den Übergang vom Leben in den Tod.
A Einleitung: Vorstellung des Themas und der Forschungsfrage, die sich mit der Verbindung von Flucht und Begehren in Thomas Manns „Tod in Venedig“ auseinandersetzt.
B Aschenbachs Flucht vor dem Begehren: Analyse der Persönlichkeitsstruktur des Protagonisten, der zwischen bürgerlichem Leistungsethos und unterdrückten Leidenschaften steht.
I Zwischen Dienst und Verlangen: Untersuchung des Spannungsfeldes zwischen dem strengen künstlerischen Disziplinzwang und dem Aufkeimen verdrängter Impulse.
II Der Wunsch nach Entbürdung: Beschreibung der Flucht aus der Münchener Routine infolge einer Schreibblockade und der Suche nach Entlastung.
III Fluchtdrang: Deutung der Begegnung mit dem Fremden als Auslöser für eine innere Reise, die über bloße Reiselust hinausgeht.
IV Die Sehnsucht nach dem Ort der Bestimmung: Interpretation der Reise nach Venedig als Übergang und Bruch mit der moralischen Heimat.
V Der Ausbruch des Verlangens: Analyse der ersten Begegnung mit Tadzio und dem beginnenden Zerfall der moralischen Selbstkontrolle durch ästhetische Reize.
VI Der Triumph der Begierde: Darstellung der Entwicklung von der schwärmerischen Bewunderung hin zu einer krankhaften Besessenheit.
VII Die Auflösung im Begehren: Betrachtung der finalen Selbstaufgabe und Identitätsauflösung des Künstlers im Rausch und Tod.
C Fazit: Zusammenfassende Bilanz der Arbeit, die Aschenbachs Reise als Flucht vor dem Apollinischen ins dionysische Begehren deutet.
D Literaturverzeichnis: Auflistung der verwendeten Primär- und Sekundärliteratur zur Arbeit.
Thomas Mann, Tod in Venedig, Gustav von Aschenbach, Tadzio, Begehren, Flucht, Apollinisches, Dionysisches, Identität, Schreibblockade, Ästhetik, Entbürdung, Literaturanalyse, Homosexualität, Rausch
Die Arbeit untersucht die psychologische Entwicklung des Künstlers Gustav von Aschenbach in Thomas Manns „Tod in Venedig“ unter besonderer Berücksichtigung seiner inneren und äußeren Fluchtbewegungen.
Die zentralen Themen sind das Spannungsfeld zwischen Disziplin und Rausch, die Unterdrückung von Bedürfnissen sowie der Identitätsverlust im Zuge einer obsessiven Leidenschaft.
Ziel ist es aufzuzeigen, wie Aschenbach durch seine Flucht vor den eigenen, als verboten empfundenen Trieben schlussendlich in ein dionysisches Begehren gerät, das ihn in den Untergang führt.
Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Textanalyse, die den primären Text in den Kontext theoretischer Begriffe wie Apollinisches und Dionysisches stellt.
Der Hauptteil analysiert schrittweise Aschenbachs Entwicklung von der Münchener Schaffenskrise über seine Reise nach Venedig bis hin zum vollständigen Verfall an seine Begierde gegenüber dem Knaben Tadzio.
Wichtige Begriffe sind unter anderem Begehren, Flucht, Apollinisches, Dionysisches, Identitätskrise und Ästhetik.
Der Fremde fungiert als erster Todesbote und Auslöser einer "schweifenden Unruhe", die Aschenbachs bisheriges, starres Lebenskonzept erstmals erschüttert und die Flucht einleitet.
Der Prozess wird als grotesker, gescheiterter Versuch interpretiert, sich körperlich dem Objekt seiner Begierde anzupassen, was Aschenbach letztlich der Gestalt des greisen Gecks näherbringt.
Nein, die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass es sich um eine Flucht vor dem Apollinischen handelt, die schlussendlich in die totale Hingabe an das dionysische Begehren und damit in den Tod mündet.
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