Examensarbeit, 2009
52 Seiten, Note: 1,71
1. Einleitung
2. Zur Theorie des Lerntagebuchs
2.1 Das traditionelle Bild von der Schulmathematik
2.2 Verschiedene Formen
2.2.1 Reisetagebuch
2.2.2 Das Forschungsheft
2.2.3 Logbuch (teambezogenes Lerntagebuch)
2.2.4 Mathejournal
2.3 Legitimation durch institutionelle Vorgaben
3. Die Ausgangslage
4. Durchführung
4.1 Ziele des Unterrichts durch die Methode Lerntagebücher
4.2 Form und Inhalt des hier verwendeten Lerntagebuchs
4.3 Untersuchung der Arbeit mit dem Lerntagebuch
5. Auswertung
5.1 Einzelauswertungen
5.1.1 Alexa
5.1.2 Lazar
5.1.3 Aylin
5.1.4 May
5.2 Schüler geben ihre Rückmeldung ab
6. Schlussbemerkung und Ausblick
Die vorliegende Arbeit untersucht den Einsatz des Lerntagebuchs als Instrument zur Förderung selbstständiger Lernprozesse und zur individuellen Reflexion im Mathematikunterricht einer 7. Klasse, um festzustellen, inwieweit Schüler dadurch das Wesentliche des Unterrichts erkennen und das Heft als Erinnerungshilfe nutzen können.
2.1 Das traditionelle Bild von der Schulmathematik
Nach HUßMANN ist eines der zentralen Ziele des Mathematikunterrichts der Aufbau von Fachkompetenz bei den Schülern. Die Lehrperson steht vermittelnd zwischen dem zu behandelnden Stoff und den Schülern. Der traditionelle Unterricht wird allein als Perspektive der regulären Welt, also allgemeinen Wissens und Könnens, geplant, durchgeführt und reflektiert. Dazu wird der Stoff sequenziert, vom Leichten zum Schweren durchorganisiert und den Schülern in kleinen Häppchen serviert. Die Schüler wissen also nicht, was als nächstes auf sie zukommt. Neue Problemstellungen erscheinen ihnen unstrukturiert und unüberschaubar. Sie müssen ihre singuläre Position, also eine im Privaten verankerte Welt, die sich durch individuelle Erfahrungen, Wünsche und Erwartungen auszeichnet, erst mit der regulären Welt des Inhalts in Beziehung setzen und verknüpfen (vgl. Hußmann 2003a, 76).
Auch MERZIGER zeigt, dass es üblicher Weise im Mathematikunterricht in erster Linie um das Richtig und Falsch geht und die individuellen Sichtweisen der Schüler nicht berücksichtigt werden. „Wie in keinem anderen Fach scheint die objektive Seite der Wissenschaft, das gesammelte Fachwissen eine so große Macht gegenüber den subjektiven Vorstellungen, Phantasien und Fähigkeiten der Individuen zu haben wie in der Mathematik“ (Merziger 2006, 26). Es geht vermutlich vielen Lehrkräften nicht um die Dokumentation des individuellen Prozesses der Annäherung an die Aufgabe zu gehen, sondern viel mehr um eine Aufgabe mit korrektem Rechenweg und deren Lösung. Dieses Bild der Mathematik spiegelt sich in den Schülerheften wieder: Das „ideale“ Schülerheft zeigt i.d.R. ein klinisch reines, aber langweiliges Bild der Mathematik. Mathematik erscheint als ein Fach mit starren Regeln und Definitionen, in dem Leistungen exakt und objektiv gemessen werden können. Dabei betont MERZIGER, dass auch das Lernen von Mathematik auf individuellen Wegen erfolgen sollte (vgl. ebd., 26).
1. Einleitung: Darstellung der Problematik mangelnder Heftführung und Motivation bei Schülern sowie die Formulierung der Leitfragen zur Untersuchung des Lerntagebuch-Einsatzes.
2. Zur Theorie des Lerntagebuchs: Theoretische Abgrenzung verschiedener Tagebuchformen (Reisetagebuch, Forschungsheft, Logbuch, Mathejournal) und Einbettung in institutionelle Bildungspläne.
3. Die Ausgangslage: Beschreibung der Lerngruppe, ihrer sprachlichen und sozialen Besonderheiten sowie der Notwendigkeit einer individuellen Förderung im Mathematikunterricht.
4. Durchführung: Detaillierte Darstellung des Unterrichtsversuchs, der Zielsetzungen, der adaptierten Methode "Mathejournal" und der praktischen Umsetzung im Unterricht.
5. Auswertung: Detaillierte Analyse der individuellen Lernfortschritte anhand konkreter Schülerbeispiele sowie eine Auswertung der Feedbackbögen zur Akzeptanz der Methode.
6. Schlussbemerkung und Ausblick: Fazit zur Beantwortung der Leitfragen und Empfehlungen für die zukünftige Integration von Lerntagebüchern in den Unterricht.
Lerntagebuch, Mathematikunterricht, selbstständiges Lernen, Lernprozess, individuelle Förderung, Reflexion, Erinnerungshilfe, Mathejournal, Schülervorstellungen, Fachsprache, Leistungsbewertung, Lernfortschritt, Eigenverantwortung, Unterrichtsversuch, individuelle Wege.
Die Arbeit befasst sich mit der Implementierung und Erprobung von Lerntagebüchern als pädagogisches Instrument, um Schülern einen individuelleren und selbstständigeren Zugang zur Mathematik zu ermöglichen.
Zentral sind die Theorie des dialogischen Lernens, die Förderung individueller Lernwege, die Überwindung des traditionellen "Richtig-Falsch-Schemas" in der Mathematik sowie die Bedeutung der schriftlichen Reflexion.
Die Arbeit zielt darauf ab zu untersuchen, ob sich das Wesentliche des Unterrichts in Lerntagebüchern widerspiegelt und inwieweit Schüler diese als effektive Erinnerungshilfen für ihren persönlichen Lernprozess nutzen können.
Es handelt sich um einen qualitativen Unterrichtsversuch, der durch die Auswertung von Schülereinträgen, persönlichen Rückmeldebögen und Beobachtungen der Lehrkraft methodisch fundiert wird.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung, die Beschreibung des Unterrichtssettings inklusive der Schwierigkeiten in der Lerngruppe, die Durchführung der Methode und die detaillierte Einzelauswertung von vier repräsentativen Schülern.
Zu den Schlüsselwörtern gehören Lerntagebuch, selbstständiges Lernen, individuelle Förderung, Reflexion und die mathematische Fachsprache.
Die Reaktionen waren zunächst durch Skepsis und Unverständnis geprägt, entwickelten sich jedoch durch die Einführung von Leitfragen und die Wertschätzung der Einträge zu einer deutlich höheren Akzeptanz und Qualität der Arbeit.
Die Extra-Symbole dienten als wichtiges Kommunikationsmittel, um persönliche Anliegen, Sorgen oder Feedback schriftlich an die Lehrkraft zu adressieren, was das Lerntagebuch teilweise auch als "Briefbuch" fungieren ließ.
Die Arbeit zeigt, dass eine gewisse Sprachkompetenz Voraussetzung ist, um eigene Lernprozesse und mathematische Konzepte in Worte zu fassen; fehlende Kompetenzen erschweren die Selbsteinschätzung und Reflexion erheblich.
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