Diplomarbeit, 2004
86 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
2. Modelle epistemologischer Überzeugungen
2.1 Perry: Forms of Intellectual and Ethical Development
2.2 Chandler: Epistemological Loneliness
2.3 Belenky et al.: Women´s Way of Knowing
2.4 Baxter Magolda: Epistemological Reflection
2.5 King/Kitchener: Reflective Judgment
2.6 Kuhn: Argumentative Reasoning
2.7 Schommer: Epistemological Beliefs
2.8 Zusammenfassung
3. Neuere Ansätze und Ergänzungen
3.1 Brownlee et al.: Core Beliefs and Peripheral Beliefs
3.2 Hammer/Elby: Correctness and Productivity; Contextuality
3.3 Mayer: Eine Rezension zum Sammelband „Personal Epistemology“
3.4 Constructivist Epistemological Assumptions
3.5 Zusammenfassung
4. Ziel einer Didaktik des Verhältnisses zur Welt
4.1 Zum epistemologischen Standpunkt des Autors
4.1.1 Evolutionäre Erkenntnistheorie
4.1.2 Rorty: Neopragmatismus
4.1.3 Zusammenfassung
4.2 Kritik an Modellen epistemologischer Überzeugungen
4.3 Didaktische Zieldiskussion
5. Möglichkeiten und Grenzen einer Didaktik epistemologischer Überzeugungen
5.1 Bendixen: A Process Model of Epistemic Belief Change
5.2 Dole/Sinatra: Cognitive Reconstruction of Knowledge Model
5.3 Ciompi: Affektlogik
5.4 Konstruktivistische Lernumgebungen
5.5 Hypermediale Lernumgebungen
5.6 Kulturelle Kontexte
5.7 Epistemic Nudging
5.8 Zusammenfassung
6. Resümee
Die Arbeit untersucht die Entwicklung epistemologischer Überzeugungen von Studierenden und beleuchtet deren Einfluss auf das Lernverhalten sowie die Möglichkeiten einer didaktischen Förderung im Kontext einer "Didaktik des Verhältnisses zur Welt".
1. Einleitung
Seit Anfang der 70er Jahre gibt es Modelle und Untersuchungen, die sich mit der Entwicklung von epistemologischen Überzeugungen beschäftigen. Dabei werden epistemologische Überzeugungen definiert als Ansichten über Wissen und Wissenserwerb: „(…) individuals’ beliefs about the nature of knowledge and the processes of knowing” (Hofer/Pintrich 1997, S. 117). Aus dieser Definition wird deutlich, dass es nicht um reflektierte Überzeugungen von Personen geht, die sich mit erkenntnistheoretischen Fragen beschäftigt haben, sondern um alltagstheoretische Überzeugungen, was Wissen und Lernen betrifft.
Diese Überzeugungen entwickeln sich im Laufe eines menschlichen Lebens. Am Anfang der Entwicklung, so lässt sich grob über alle Modelle zusammenfassen, steht eine dualistische Auffassung von Wissen. Die dualistische Auffassung von Wissen ist dadurch gekennzeichnet, dass Wissen entweder wahr/richtig oder unwahr/falsch ist, wobei die Unterscheidung von wir/vertraut im Gegensatz zu andere/fremd Auswirkungen darauf hat, was als richtig (vertraut) oder falsch (fremd) angesehen wird. Das dualistische Weltbild wird dann abgelöst durch eine relativistische Auffassung von Wissen. Die Erfahrung von Relativität wird allmählich gemacht, so z.B. durch den Besuch einer Universität. Daher beschäftigen sich die meisten Untersuchungen auch mit der Entwicklung der epistemologischen Überzeugungen bei Studierenden.
Es wird gezeigt, dass das Erkennen von Relativität zu verschiedenen Reaktionen führt. So reagieren manche Studierende mit starken epistemologischen Zweifeln, was zu einer Ablehnung jeglichen Anspruchs von Wissen führt und dabei auch so etwas wie epistemologische Einsamkeit entstehen lässt. Manche reagieren mit extremem Subjektivismus, sodass „anything goes“ zur Leitmaxime wird. Die Entwicklung mündet dann aber manchmal in einen ‚vermittelnden Relativismus’. Dabei kann man von einer diskursiven Anerkennung des bisher gesammelten Wissens sprechen. Es besteht eine Ablehnung von einem naiven Objektivitätsbegriff und man entscheidet sich reflektierend für bestimmte Positionen. Das heißt, dass das, wofür man sich entscheidet, nicht als objektiv gegeben hingenommen wird, sondern dass man sich bewusst für eine Position z.B. in einer Diskussion entscheidet.
1. Einleitung: Einführung in die Definition und die entwicklungstheoretischen Grundlagen epistemologischer Überzeugungen sowie Zielsetzung der Arbeit.
2. Modelle epistemologischer Überzeugungen: Chronologische Darstellung und tabellarischer Vergleich klassischer Forschungsmodelle zur epistemologischen Entwicklung.
3. Neuere Ansätze und Ergänzungen: Diskussion aktuellerer Rahmenmodelle und Kritiken, die Kontexte und Lernprozesse stärker berücksichtigen.
4. Ziel einer Didaktik des Verhältnisses zur Welt: Reflexion des eigenen erkenntnistheoretischen Standpunkts und Kritik an bestehenden Modellen hinsichtlich didaktischer Ziele.
5. Möglichkeiten und Grenzen einer Didaktik epistemologischer Überzeugungen: Untersuchung von Einflussfaktoren, affektiven Komponenten und konkreten Lernumgebungen im Kontext der Überzeugungsänderung.
6. Resümee: Synthese der Ergebnisse und kritische Würdigung der Problematik pädagogischen Handelns in einer kontingenten Gesellschaft.
Epistemologische Überzeugungen, Wissenserwerb, Konstruktivismus, Relativismus, Didaktik, kognitive Komplexität, Affektlogik, Studentisches Lernen, Neopragmatismus, Kontingenz, Reflexion, Evolutionäre Erkenntnistheorie, Lernumgebungen.
Die Arbeit befasst sich mit der Entwicklung epistemologischer Überzeugungen, also den Ansichten von Personen über Wissen und Lernen, und deren Bedeutung für die pädagogische Praxis.
Zentrale Felder sind die Darstellung von Entwicklungsmodellen, die Bedeutung von Kontexten für das Lernen, der Einfluss affektiver Faktoren sowie die Frage nach einer zielgerichteten didaktischen Förderung dieser Überzeugungen.
Das Ziel ist es, eine reflektierte "Didaktik des Verhältnisses zur Welt" zu entwerfen, die den Prozess der Erkenntnisgewinnung und die eigene epistemologische Position des Autors miteinbezieht.
Der Autor nutzt eine theoretische Aufarbeitung und kritische Analyse bestehender Literatur und empirischer Untersuchungen, wobei er seine eigene Position reflexiv-theoretisch begründet.
Der Hauptteil gliedert sich in die Vorstellung klassischer Modelle, neuerer Ansätze, die Reflexion des Autors, eine kritische Diskussion didaktischer Ziele sowie die Analyse konkreter Lernumgebungen und Veränderungsmechanismen.
Epistemologische Überzeugungen, Konstruktivismus, Didaktik, Kontingenz, kognitive Komplexität, Reflexion und Wissenserwerb stehen im Mittelpunkt der Analyse.
Sie dient dem Autor als theoretische Basis, um den radikalen Subjektivismus zu überwinden und eine plausible, konstruktivistische Sichtweise zu entwickeln, ohne in einen bloßen Relativismus zu verfallen.
Die Affektlogik verdeutlicht, dass Erkenntnisprozesse und Veränderungen von Überzeugungen untrennbar mit emotionalen Faktoren verknüpft sind, was für eine gezielte didaktische Förderung berücksichtigt werden muss.
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