Diplomarbeit, 2003
71 Seiten, Note: 2,0
1. Einleitung
1.1 Fragestellung und Struktur
2. Warum werden Bilder erzeugt?
2.1 Warum Bilder für die Wissenschaft?
2.2 Warum Bilder für die Öffentlichkeit?
2.3 Warum aber sind die erzeugten Bilder schön?
3. Wie werden Bilder erzeugt?
Exkurs: Schrödingers Katze
Exkurs: Heisenbergsche Unschärfe
3.1 Beobachtung atomarer Oberflächen durch das Rastertunnelmikroskop
3.2 Experimente im Teilchenbeschleuniger
3.3 Radiospektrometrische Aufnahmen in der Astronomie
4. Beziehungen
4.1 Modelle und Muster
4.2 Präsentation / Repräsentation
4.3 Bilder – Weltbilder
5. Kunst und Wissenschaft
5.1 Forscher vs. Künstler?
5.2 Die Kraft der Imagination
5.3 Bilder lesen
6. Resümee
Die Arbeit untersucht die Rolle wissenschaftlicher Bilder bei der Konstruktion unseres Weltbildes, beleuchtet die bildliche Kommunikation komplexer physikalischer Sachverhalte und analysiert die Wechselbeziehungen zwischen Kunst und Naturwissenschaften.
3.1 Beobachtung atomarer Oberflächen durch das Rastertunnelmikroskop
Das Hauptproblem bei der Beobachtung molekularer und atomarer Strukturen ist ihre geringe Größe. Normale Mikroskope arbeiten mit Licht, können demnach nur wiedergeben, was größer oder mindestens ebenso groß ist wie die Abstände zwischen den Lichtwellen. Atome jedoch sind noch mehr als tausend Mal kleiner, sie können mit Licht nicht sichtbar gemacht werden. Sie lassen sich zwar mittels spezieller Verfahren durch Röntgenstrahlen abbilden, deren Wellenlänge um ein vielfaches kleiner ist; je kleiner aber die Wellenlänge elektromagnetischer Strahlung, desto höher ist ihre Energie. Das heißt, dass kleinste Strukturen bei der Beobachtung hochenergetischen Bombardements ausgesetzt sind, die nur selten verwertbare Ergebnisse zulassen.
Seit 1982 steht für die Beobachtung auf atomarer Ebene das Rastertunnelmikroskop zur Verfügung. Im Unterschied zu Beobachtungs- und Aufzeichnungsgeräten, die sich elektromagnetischer Strahlen bedienen, wird hier ein taktiles Verfahren angewandt: das zu beobachtende Objekt wird mittels einer Metallspitze "abgetastet". Die Spitze fährt dabei bis auf wenige Atomdurchmesser an die Oberfläche des Objekts heran, wobei ein sogenannter "Tunnelstrom" zwischen beiden entsteht. Dieser verändert sich je nach Abstand; während die Metallspitze also in derselben Höhe über das Objekt geführt wird, werden die Veränderungen des Tunnelstroms aufgezeichnet, umgerechnet und in Visualisierungen übersetzt, die eine (scheinbare?) dreidimensionale Oberflächenstruktur wiedergeben.
1. Einleitung: Einführung in den kulturtheoretischen Diskurs über die Naturwissenschaften und die zentrale Rolle der Bilder als populäre Sprache.
2. Warum werden Bilder erzeugt?: Untersuchung der didaktischen und empirischen Funktionen von Visualisierungen für die wissenschaftliche Gemeinschaft und die Öffentlichkeit.
3. Wie werden Bilder erzeugt?: Analyse der apparativen Verfahren zur Gewinnung von Bildern in Teilchen- und Astrophysik sowie Diskussion quantentheoretischer Probleme.
4. Beziehungen: Auseinandersetzung mit den theoretischen Konzepten von Modellen, Mustern und der Problematik der objektiven Repräsentation.
5. Kunst und Wissenschaft: Vergleich der beiden Kulturen hinsichtlich ihrer Methoden, der schöpferischen Kraft der Imagination und ihrer gegenseitigen Befruchtung.
6. Resümee: Zusammenfassende Betrachtung der Bilder als unverzichtbares Werkzeug der modernen Wissenschaft und ihre Rolle bei der Konstruktion einer wissenschaftlichen "Parallelwelt".
Wissenschaft, Kunst, Visualisierung, Bildsprache, Repräsentation, Modellbildung, Quantenphysik, Beobachterproblem, Weltbild, Imagination, Mustererkennung, Objektivität, Technik, Naturwissenschaften
Die Arbeit analysiert die Bedeutung und Herstellung von Bildern in den Naturwissenschaften, insbesondere in der Astro- und Teilchenphysik, und deren Einfluss auf unser heutiges Weltbild.
Die Arbeit verknüpft wissenschaftliche Visualisierungsverfahren mit kulturwissenschaftlichen Fragestellungen, der Ästhetik und der historischen sowie aktuellen Kooperation von Kunst und Wissenschaft.
Das Ziel ist es, zu hinterfragen, inwieweit wissenschaftliche Bilder die Realität abbilden oder ob sie vielmehr als eigenständige Modelle fungieren, die unser Weltbild erst konstruieren.
Es handelt sich um eine kulturtheoretische Analyse, die unter Einbeziehung von Fachliteratur und theoretischen Diskursen die Praxis der wissenschaftlichen Bilderzeugung untersucht.
Der Hauptteil konzentriert sich auf die technische Bilderzeugung (z.B. Rastertunnelmikroskopie), die erkenntnistheoretischen Probleme der Repräsentation sowie die wechselseitigen Bezüge zwischen Forscher und Künstler.
Die zentralen Konzepte sind Visualisierung, Repräsentation, das "Beobachterproblem", die "zwei Kulturen" (Kunst/Wissenschaft) und die Konstruktion von Wirklichkeit durch Modelle.
Sie ist entscheidend, um den Anspruch der Wissenschaft auf Objektivität zu prüfen, da "Repräsentationen" oft eigene Realitäten schaffen, statt nur abzubilden.
Die Arbeit zeigt, dass beide Disziplinen ähnliche intuitive und metaphorische Methoden nutzen und dass der ästhetische Anspruch der Wissenschaft zunehmend an Bedeutung gewinnt.
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