Bachelorarbeit, 2010
48 Seiten, Note: 1,3
1. Einleitung und Hinführung zum Thema
1.1. Entwicklung der Fragestellung
1.2. Methodische Vorgehensweise und Abgrenzung
1.3. Die Alltagstheorie von Hans Thiersch
1.4. Die Grenzen und Nachteile dieses Ansatzes
1.5. Das Dennoch einer alltagsorientierten Annäherung
2. Hauptteil
2.1 Versuch einer Definition geistiger Beeinträchtigung
2.1.1 Der Begriff der Beeinträchtigung nach der World Health Organisation (WHO)
2.1.2 Definition und Klassifizierung geistiger Behinderungen und Beeinträchtigungen
2.1.3 Die Sichtweise der Sonder- und Heilpädagogik
2.2 Die Bedeutung der geistigen Beeinträchtigung für die Sexualität
2.2.1 Zum Begriff der Sexualität
2.2.2 Die sexuelle Entwicklung von Menschen mit geistiger Beeinträchtigung
2.2.2.1 Die Diskrepanz zwischen Intelligenzalter und Sexualalter
2.2.2.2 Kindliche Regression: Rückfall in kindliche Verhaltens- und Erlebensweisen
2.2.2.3 Krisen in der Identitätsbildung
2.2.2.4 Die Akzeptanz des eigenen Körpers
2.2.2.5 Indikatoren sexueller Reife
2.2.2.6 Die Rolle der Masturbation
2.2.2.7 Zur Bedeutung der sexuellen Triebe
2.2.2.8. Erste erotische Begegnungen
2.2.2.9 Die Adoleszenz von Menschen mit einer geistigen Beeinträchtigung – eine kritische Phase
2.3 Handlungsfelder im Kontext geistiger Beeinträchtigung und Sexualität
2.3.1 Aufklärung
2.3.2 Schwangerschaft und Elternschaft
2.3.2.1 Die Rolle einer geschützten Ehe
2.3.2.2 Darstellung und Bewertung der rechtlichen Situation
2.3.2.3 Der Umgang mit einem möglichen Kinderwunsch geistig beeinträchtigter Menschen
2.3.2.4 Zur Frage von Sterilisation und Verhütung
2.3.3 Alltagsgestaltung – die pädagogische und ethische Pflicht
3. Zusammenfassung und Interpretation der Ergebnisse
3.1 Die Grenzen und Chancen der sonderpädagogischen Intervention
3.1.1 Das Problem der Stigmatisierung
3.1.2 Ängste der Eltern - Ungelöste Probleme in der Familie
3.1.3 Probleme in Heimen und anderen Institutionen
3.1.4 Verschiedene finanzielle Gründe
3.1.5 Zur gesellschaftlichen Komponente
3.2 Ausblick und Fazit
4. Quellenverzeichnis
4.1 Internetquellen
Die Arbeit untersucht das Spannungsfeld zwischen der Sexualität geistig beeinträchtigter Menschen und den gesellschaftlichen sowie pädagogischen Barrieren. Zentrales Ziel ist es, ein Verständnis zu fördern, das Sexualität als existenzielles Grundbedürfnis anerkennt und den Fokus von Defizitorientierung und Vorurteilen hin zu einer gelingenden Alltagsgestaltung und Selbstbestimmung verschiebt.
2.2.2 Die sexuelle Entwicklung von Menschen mit geistiger Beeinträchtigung
In der Phase der Pubertät verändert sich der Körper eines Jugendlichen. Neben dem Wachstum der Gliedmaßen kommt es zur Produktion von Geschlechtshormonen. Dies führt zur Ausbildung der Geschlechtsmerkmale. So wachsen Genitalbereich und weibliche Brut, die Behaarung des Rumpfes setzt ein, und die Drüsenproduktion beginnt. Weitere, spezifisch männliche pubertäre Merkmale stellen das Wachstum des Kehlkopfes und der Stimmbruch dar. Der Höhepunkt der Entwicklung ist bei Mädchen mit dem Einsetzen der Regelblutung erreicht, bei Jungen mit der Samenproduktion. Nach Abschluss dieser ersten puberalen Phase folgt in der zweiten puberalen Phase die Ausbildung des deutlich geschlechtsspezifischeren Aussehens. Bei den Mädchen bilden sich die Brüste aus, die Hüften werden runder und das Becken breiter. „Die Ausdrucksbewegungen gewinnen an weiblicher Anmut“ (SENCKEL 2006: 84). Bei den Jungen endet der Stimmbruch, und die Stimme klingt männlicher, außerdem werden die Hüften schmaler und die Schultern breiter. Der Bart beginnt bei den heranwachsenden Männern zu sprießen. Des Weiteren verfeinern sich die Gesichtszüge beider Geschlechter (vgl. ebd.: 83f).
„Doch in erster Linie verursachen die Sexualhormone eine sexuelle Erregbarkeit, einen Triebdruck und sexuelle Gefühle von zuvor unbekannter Qualität. Der sexuelle Wunsch steigert sich zur Sehnsucht nach genitaler Befriedigung. Alle Veränderungen – besonders aber die sexuellen – als zur eigenen Person gehörig zu begreifen, zu lernen, mit ihnen umzugehen, und sie in das Identitätsgefühl einzubeziehen ist eine der Entwicklungsaufgaben des Jugendalters“ (ebd.: 84).
1. Einleitung und Hinführung zum Thema: Dieses Kapitel führt in die Problematik ein, dass Sexualität von Menschen mit geistiger Beeinträchtigung durch Vorurteile diskriminiert und häufig negiert wird, wobei die Wurzeln für einen problematischen Umgang oft im sozialen Umfeld liegen.
2. Hauptteil: Der Hauptteil definiert den Begriff der geistigen Beeinträchtigung sowie Sexualität und analysiert detailliert die sexuelle Entwicklung, Herausforderungen in der Adoleszenz und Handlungsfelder für pädagogische Unterstützung.
3. Zusammenfassung und Interpretation der Ergebnisse: Dieses Kapitel interpretiert die Hindernisse wie Stigmatisierung und elterliche Ängste und leitet daraus Chancen für eine gelingende sonderpädagogische Intervention ab.
4. Quellenverzeichnis: Hier werden alle wissenschaftlichen Grundlagen und Referenzen aufgelistet, die der Arbeit zugrunde liegen.
Sexualität, Geistige Beeinträchtigung, Sonderpädagogik, Alltagsorientierung, Identitätsbildung, Pubertät, Selbstbestimmung, Stigmatisierung, Sexualerziehung, Elternschaft, Behinderung, Normalisierung, Lebensweltorientierung, Partnerschaft, Körperbewusstsein.
Die Arbeit behandelt die Sexualität von Menschen mit geistiger Beeinträchtigung und zeigt auf, wie diese durch gesellschaftliche Vorurteile und institutionelle Strukturen eingeschränkt wird.
Zentrale Themen sind die sexuelle Selbstbestimmung, die Bedeutung von Sexualität als Kommunikationsform, die Herausforderungen in der Pubertät sowie ethische Fragen zu Partnerschaft und Elternschaft.
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, dass Sexualität ein Grundrecht ist und Pädagogen in der Pflicht stehen, einen „gelingenderen Alltag“ zu schaffen, der die sexuelle Entfaltung ermöglicht.
Die Arbeit basiert auf der theoretischen Auseinandersetzung mit der lebensweltorientierten Pädagogik von Hans Thiersch, ergänzt durch eine Literaturanalyse fachwissenschaftlicher Positionen.
Der Hauptteil analysiert Begriffe der Beeinträchtigung, die verschiedenen Facetten der sexuellen Entwicklung (vom Intelligenzalter bis zur Masturbation) sowie konkrete Handlungsfelder wie Aufklärung und Umgang mit Kinderwunsch.
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Selbstbestimmung, Inklusion, Normalisierung, Stigmatisierung und sonderpädagogische Unterstützung charakterisiert.
Sie bildet den theoretischen Unterbau, um die Lebenswelt der Betroffenen ganzheitlich zu verstehen und den Sonderpädagogen als Begleiter bei der Gestaltung eines gelingenden Alltags zu positionieren.
Die Arbeit betont, dass Elternschaft ein Teil des Rechts auf sexuelle Persönlichkeitsentfaltung ist, wenngleich sie die notwendige Unterstützung und Begleitung der Eltern als kritische Voraussetzung hervorhebt.
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