Bachelorarbeit, 2013
66 Seiten, Note: 1,3
1 Einführung
1.1 Bezug zum Thema
1.2 Worum es gehen soll
2 Der Begriff der Achtsamkeit
2.1 Achtsamkeit im Volksmund
2.2 Achtsamkeit im Buddhismus und der Psychologie/Therapie (Mindfulness)
2.3 Kritik
3 Achtsamkeit als ethischer Begriff (Carefulness)
3.1 Die Freiheit der Achtsamkeit
3.2 Take Care (engl.):
3.3 Achtsamkeit als Care und Resonanz
3.4 Achtsamkeit zwischen Autonomie und Fremdbestimmung
3.5 Achtsamkeit berücksichtigt Differenzen der Macht und der Möglichkeiten
4 Zwischenstopp
5 Subjektorientierung
5.1 Du als Subjektorientierung
5.2 Ich als Subjektorientierung
5.3 Subjektorientierung als Bereitschaft zu teilen
5.4 Subjektorientierung als Verständnissuche (Zuhören, um zu verstehen)
6 Berufsethos- Berufswahl
7 Stationäre Jugendhilfe als Diskursfeld
7.1 Der Gesetzgeber
7.2 SozialarbeiterInnen / ErzieherInnen
7.3 Starke Kinder und Jugendliche mit Eigensinn
7.4 Herkunftseltern
7.5 Ungewöhnliche Gruppen
8 Erschwerte Bedingungen
8.1 Vernachlässigung und Trauma
9 Beziehungen
9.1 Beziehungsangebot der Postmoderne
9.2 Rahmenbedingungen für Beziehungen in stationären Wohngruppen
9.3 Nähe und Distanz
9.4 Kommunikation
10 Zwischenstopp
11 Achtsamkeit als Teamkonzept
12 Zusammenfassung
12.1 Die Auswirkungen der Achtsamkeit
Die Arbeit untersucht, wie Achtsamkeit als ethische Haltung und Praxis in den komplexen, oft asymmetrischen Arbeitskontext der stationären Jugendhilfe integriert werden kann, um Beziehungsgestaltung subjektorientierter zu gestalten.
3 Achtsamkeit als ethischer Begriff (Carefulness)
In gleicher Weise wie Jantzen, Volz, Noller oder Huber versteht Conradi die Achtsamkeit als ethische Haltung. Scheinbar automatisch greift ethische Achtsamkeit dabei Begriffe auf, die ihr Handeln näher beschreibt. So heißt es, wie oben gezeigt, etwa bei Huber, Achtsamkeit sei „ein Umgang miteinander, in dem sich die Liebe zum Nächsten, wie zu sich selbst spiegelt, oder Jantzen nennt es „Zivilcourage“.
Conradis Ethik führt an den Ursprung der Achtsamkeit zurück: Wenn zwei Menschen sich begegnen, einer der beiden Hilfe braucht und der andere sich nicht abwendet (Gilligans „not to turn away from someone in need“), besteht die Möglichkeit Achtsamkeit zu entwickeln. Das Hinwenden und nicht Wegsehen sind der Beginn in einer gemeinsamen „Bezogenheit“ aus Begegnung und Verlässlichkeit, zwischen Care giver und Care receiver, der Care Interaktion, Achtsamkeit zu entwickeln. An dieser Stelle, die mit dem `stehen bleiben` beginnt und an der eine Begegnung für mindestens zwei Menschen Bedeutung gewinnt, kann Achtsamkeit entstehen und meint damit zunächst, ich bin für dich da und höre dir zu, bzw. ich will dich verstehen oder andersherum ich sage dir, bzw. gebe mich zu verstehen. Man kann dies im übertragenen Sinn mit einer Freundschaft vergleichen, nur unter der Rubrik Hilfeleistung. Auch Freundschaft ist völlig freiwillig und doch wiederum auch nicht, sie wächst oder verkümmert. Wenn sie fehlt wird sie vermisst, befehlen kann man ihr nichts.
Von diesem Ursprung der Begegnung aus, wird klar, dass zuerst überlegt werden kann, wie gehen wir miteinander um, verstehe ich dich richtig oder behandle ich dich etwa so, wie du es gar nicht haben willst? Hier werden mitgebrachte Haltungen reflektiert, ein besseres Verständnis des anderen gesucht (Kompetenz und Empowerment), das Haushalten mit den eigenen Kräften abgewogen oder dadurch Verantwortung übernommen, dass Hilfe an z.B. professionelle Dienste weitervermittelt werden muss. „Kritik und Veränderung“ finden durch die „konkrete Situation“ oder durch die „aktuelle Begegnung“ statt. Es ist eine Ethik der Praxis.
1 Einführung: Die Einleitung beleuchtet die Relevanz von Achtsamkeit als Gegenentwurf zur modernen Alltagshektik und führt den Fokus auf die stationäre Jugendhilfe ein.
2 Der Begriff der Achtsamkeit: Dieses Kapitel differenziert zwischen dem umgangssprachlichen Verständnis, dem therapeutisch-buddhistischen Mindfulness-Konzept und einer ethischen Perspektive.
3 Achtsamkeit als ethischer Begriff (Carefulness): Hier wird Achtsamkeit als Praxisethik und Haltung in asymmetrischen Beziehungen zwischen Care-Gebern und Empfängern erarbeitet.
4 Zwischenstopp: Ein kurzer Reflexionsmoment über die praktische Bedeutung des Innehaltens im professionellen Handeln.
5 Subjektorientierung: Dieses Kapitel überträgt das Konzept der Achtsamkeit auf die Subjektorientierung und thematisiert das Spannungsfeld zwischen Selbst- und Fremdsorge.
6 Berufsethos- Berufswahl: Untersuchung der intrinsischen Motivation und des Berufsethos von Sozialarbeitenden im Kontext von Hilfe als Pflicht.
7 Stationäre Jugendhilfe als Diskursfeld: Eine detaillierte Analyse der Akteure (Gesetzgeber, Mitarbeitende, Kinder, Eltern) und deren wechselseitigen Erwartungen.
8 Erschwerte Bedingungen: Ein Fokus auf die Herausforderungen durch Traumata und Bindungsstörungen der betreuten Kinder.
9 Beziehungen: Analyse von Nähe, Distanz und Kommunikation als Kern von Bindung und pädagogischer Arbeit in Heimgruppen.
10 Zwischenstopp: Zusammenfassende Reflexion über die Komplexität der Beziehungsarbeit in der stationären Jugendhilfe.
11 Achtsamkeit als Teamkonzept: Entwicklung eines kollektiven Achtsamkeitsansatzes als Qualitätsmerkmal für pädagogische Teams.
12 Zusammenfassung: Abschließende Synthese der Ergebnisse und Beantwortung der zentralen Forschungsfrage.
Achtsamkeit, Carefulness, Stationäre Jugendhilfe, Subjektorientierung, Beziehungsgestaltung, Praxisethik, Mindfulness, Bindung, Trauma, Soziale Arbeit, Teamkonzept, Resonanz, Empowerment, Erziehungshilfe, Professionelles Handeln.
Die Arbeit untersucht die Anwendung des Achtsamkeitsbegriffs in der stationären Jugendhilfe. Dabei wird Achtsamkeit nicht nur als meditative Praxis, sondern vor allem als ethische Haltung (Carefulness) verstanden, die für die Beziehungsarbeit mit Kindern und Jugendlichen essenziell ist.
Zentrale Themen sind die Abgrenzung verschiedener Achtsamkeitsbegriffe, die Bedeutung der Subjektorientierung, die Analyse des komplexen Arbeitsfeldes stationäre Jugendhilfe sowie die Relevanz von Nähe, Distanz und Kommunikation in pädagogischen Beziehungen.
Die zentrale Frage der Arbeit lautet: Wie kann Achtsamkeit in der stationären Jugendhilfe Beziehungen subjektorientierter gestalten?
Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die auf einer umfassenden Literaturanalyse basiert und diese in den Kontext der Praxis der stationären Jugendhilfe überträgt.
Im Hauptteil werden die ethischen Grundlagen der Achtsamkeit (nach Elisabeth Conradi), die Subjektorientierung als Paradigma sowie die Spannungsfelder zwischen den verschiedenen Akteuren in der stationären Jugendhilfe (Kinder, Erziehende, Eltern, Gesetzgeber) ausführlich analysiert.
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Achtsamkeit (Carefulness), Subjektorientierung, stationäre Jugendhilfe, Beziehungsarbeit und kollektive Achtsamkeit in Teams.
Die Arbeit unterscheidet zwischen dem populärwissenschaftlichen Achtsamkeitsbegriff (Mindfulness) und einem ethisch begründeten Achtsamkeitsverständnis, das explizit wertet, zwischen richtigem und falschem Handeln unterscheidet und sich auf die "Praxis der Begegnung" konzentriert.
Die Autorin argumentiert, dass Achtsamkeit in einem hoch belasteten Hilfesystem nicht allein an einzelnen Personen hängen darf. Ein kollektives Achtsamkeitskonzept im Team hilft, Burnout-Signale früh zu erkennen, Belastungen zu enttabuisieren und gemeinsam eine professionelle Haltung zu bewahren.
Eigensinn und oppositionelles Verhalten werden als legitime Ausdrucksformen und Bewältigungsstrategien der Jugendlichen gewertet, die es als "Beziehungssuche" zu verstehen gilt, anstatt sie rein als Defizit oder Störung zu behandeln.
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