Diplomarbeit, 2004
79 Seiten, Note: 1,0
I. Einführung in die Diplomarbeit
Allgemeines
Einführung
Einleitung
Dokumentation & Fiktionalität
Der Dokumentarfilm in den 1930er Jahren
Das Projekt „Olympia“
Konzeption, Planung & Durchführung
Der Inhalt des Films
II. Untersuchung der dokumentarischen und fiktionalen Strukturen
Der Prolog
Vorspann
Die Stätte der Götter
Die modernen Athleten
Die Fackelträger
Eröffnung der Spiele
Olympisches Feuer in Berlin
Der Marathon
Start
Verfolgung
Willensstärke
Das Kunst- & Turmspringen
Drei Sequenzen
Springen der Frauen
Springen der Männer
Totale Überhöhung der Athleten
III. Dokument oder Fiktion?
Fazit der Untersuchung
Das Gesamtkonzept
„Fest der Völker“
„Fest der Schönheit“
Dokumentarismus als Mittler
Die vorliegende Arbeit untersucht den Erzählmodus sowie das Spannungsfeld zwischen dokumentarischer Realität und fiktionaler Gestaltung in Leni Riefenstahls Film „Olympia“. Dabei steht die Forschungsfrage im Vordergrund, an welchen Stellen und durch welche filmischen Mittel Riefenstahl den rein berichtenden Modus verlässt, um eine aktive gestalterische Darstellung zu forcieren und damit die Wahrnehmung des Zuschauers gezielt zu beeinflussen.
Die moderne Athleten
Schließlich bleibt die Kamera auf dem marmornen Diskuswerfer von Myron stehen und blendet langsam auf einen lebendigen Menschen über, der die Pose der Statue aufnimmt und dessen angedeutete in eine tatsächliche Bewegung überführt (Abb. 13, 14). Damit symbolisiert Leni Riefenstahl den Übergang der mythischen, übermenschlichen Kraft auf die Athleten der Gegenwart. Sie beschreibt die Genese der heutigen Sportler aus den idealen antiken Göttern. Der Zuschauer soll zu der Erkenntnis gelangen, dass er die besondere Gelegenheit hat, an einem realen Heldenepos teilzuhaben: der Geburt und dem Wirken heroischer Athleten.
Für den Effekt dieses Übergangs betreibt Riefenstahls Team einen großen Aufwand. Im Berliner Pergamonmuseum macht die Mannschaft dafür Aufnahmen griechischer Götterstatuen. Die Statue des Diskuswerfers muss in ihren Umrissen exakt auf eine Glasscheibe übertragen werden. Für die entsprechenden Maße wird ein muskulöser Mann gesucht und mit dem deutschen Zehnkämpfer Erwin Huber schließlich gefunden. Huber bekommt die Anweisung, sich passgenau hinter die gläserne Scheibe stellen und die Haltung der Statue anzunehmen, bis er die aufgezeichneten Umrisse ausfüllt. Aus dieser Pose heraus setzt er zur Ausführung des Diskuswurfs an. Dieser beginnt in einer Phase der Unbeweglichkeit und wird dann langsam schneller. Damit vollzieht er symbolisch die Befreiung der Bewegung aus der Starrheit der Marmorstatuen.
Der Prolog bleibt auch nach dem Austritt aus der antiken Atmosphäre in einer surrealen Szenerie. In einer gleißenden Landschaft, die neben ebenen, weiten Sandflächen und wogenden Gräsermeeren vor allem aus wolkigem Himmel besteht, führen jetzt Modellathleten olympische Disziplinen aus. Die flächigen Partien des Himmels und des Bodens bilden ein statisches Gegengewicht zu den permanent aktiven Sportlern. Sie verstärken dabei das Spiel der ausgeprägten Muskeln bei der Durchführung vollendeter Bewegungen.
Einführung in die Diplomarbeit: Die Einleitung legt den theoretischen und historischen Kontext dar, definiert zentrale Begriffe und beschreibt die methodische Herangehensweise zur Untersuchung des Films.
Untersuchung der dokumentarischen und fiktionalen Strukturen: Dieses Kapitel bildet den Hauptteil, in dem durch eine detaillierte Filmanalyse aufgezeigt wird, wie fiktionale Elemente in Prolog, Marathon und Sprungdisziplinen den dokumentarischen Charakter transformieren.
Dokument oder Fiktion?: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und kommt zu dem Schluss, dass Riefenstahls Werk als hochgradig subjektive Mischform und als ästhetisiertes „Heldenepos“ statt als objektive Dokumentation zu werten ist.
Leni Riefenstahl, Olympia, Dokumentarfilm, Fiktionalität, Propaganda, Montage, Zeitlupe, Ästhetisierung, Körperkult, Nationalsozialismus, Sportberichterstattung, Filmgeschichte, Narration, Inszenierung, Bildkomposition.
Die Arbeit analysiert Leni Riefenstahls Film „Olympia“ im Hinblick auf das Verhältnis zwischen dokumentarischen Tatsachen und fiktionalen, inszenatorischen Elementen.
Die Arbeit behandelt die filmische Konstruktion von Realität, die Rolle der Ästhetik in propagandistischen Filmen und die gezielte Beeinflussung der Zuschauerwahrnehmung durch Montage und Musik.
Ziel ist es, nachzuweisen, dass Riefenstahl den Film nicht als bloßen Tatsachenbericht verstand, sondern als künstlerisch gestaltetes Gesamtkunstwerk, das die dokumentarische Basis gezielt verfälscht, um eine spezifische Ideologie zu transportieren.
Die Arbeit nutzt eine filmwissenschaftliche Analyse, bei der ausgewählte Sequenzen in ihrer formalen Gestaltung (Schnitt, Kameraperspektive, Ton, Musik) eingehend untersucht und interpretiert werden.
Der Hauptteil gliedert sich in eine Untersuchung des Prologs, der Marathonsequenz sowie der Sprungdisziplinen, wobei jeweils die Abweichung vom dokumentarischen Modus durch Riefenstahls Regieentscheidungen beleuchtet wird.
Wichtige Begriffe sind Dokumentarismus, Fiktionalität, Inszenierung, Montage, Ästhetisierung und Propaganda.
Die Arbeit verzichtet bewusst auf eine langwierige moralische Debatte über die Person Riefenstahl und fokussiert stattdessen rein auf die filmtechnischen Grundlagen, die die propagandistische Wirkung des Werks erst ermöglichten.
Der Prolog etabliert laut der Analyse die „fiktionale Ebene“ des gesamten Films und liefert dem Zuschauer die Anleitung, das Werk weniger als Sportdokumentation, sondern als zeitloses, mythologisches Kunstwerk zu rezipieren.
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