Bachelorarbeit, 2011
39 Seiten, Note: 1,7
1. Einleitung
2. Die Geschwisterbeziehung und ihre künstlerische Umsetzung
2.1 Mein kleiner Paul- Die Darstellungen als junger Römer
2.2 Die Beziehung der Geschwister und deren Verarbeitung durch Paul
2.3 Paul, ein Mann von Rang- Die Ehrenstatuen
2.4 Der Rückzug Camilles aus dem Kunstschaffen
3. Fazit
4. Literaturverzeichnis
6. Anhang
6.1 Pauls Besuche bei seiner Schwester Camille
Die vorliegende Arbeit untersucht das enge, von Ambivalenz geprägte Geschwisterverhältnis zwischen der Bildhauerin Camille Claudel und ihrem Bruder Paul Claudel. Ziel ist es zu analysieren, wie sich dieses persönliche Verhältnis in den fünf zwischen 1881 und 1910 entstandenen Büsten, die Camille von ihrem Bruder anfertigte, widerspiegelt und welche wechselseitigen Einflüsse auf ihre jeweilige künstlerische Laufbahn und Lebensbiographie bestanden.
2.1 Mein kleiner Paul- Die Darstellungen als junger Römer
In den Jahren von 1881 bis 1886 entstehen drei Büsten von Paul, die ihn als jungen Römer darstellen. Buste de Paul Claudel à treize ans oder Jeune Achille (Abb. 2) entstand im Jahre 1881 und misst 40x36,5x22cm. Das Bildnis des dreizehnjährigen Pauls wird 1887 sogar im Salon der Sociéte des Artistes Français ausgestellt. Die Gipsfassung ist bis heute verschollen, es wurde allerdings eine Bronze für die Baronin Nathaniel de Rothschild gegossen und 1903 von Baron Alphonse de Rothschild dem Museum von Châteauroux gestiftet. Alphonse de Rothschild kaufte insgesamt sieben Werke der Camille Claudel, keines davon war als Auftrag ausgeführt. Dieses zunächst unwesentlich erscheinende Detail erklärt die Wahl des Materials bei dem Werk Buste de Paul Claudel à treize ans, aber auch bei allen darauf folgenden Portraits des Bruders. Quellen zufolge war der Marmor Camilles Lieblingsmaterial. Mehrfach wird in der zeitgenössischen und späteren Literatur darauf verwiesen, wie wichtig die „taille directe“ für die Künstlerin war. Das Interesse Camilles für komplizierte Steinbearbeitung widerspricht der impressionistischen Verkörperung augenblicklicher Eindrücke in skizzenhaft wirkenden, sich im Licht auflösenden flüchtigen Formen.
Andere Büsten wie die der Comtesse Arthur de Maigret (1897) oder die des Comte Christian de Maigret im Kostüm Heinrichs II. (1899), werden auch aus dem Stein geschaffen. Warum also verwendet sie diesen nicht, wenn sie ihren geliebten Bruder darstellt- zumal die Materialikonographie das Portrait in seiner Wirkung bereichern würde. Tatsächlich mag dies einen finanziellen Hintergrund haben. Ohne Auftraggeber, der einen Vorschuss leistet, sind die Materialkosten für die junge Künstlerin nicht tragbar. Die Umsetzung in Gips und der spätere Guss in Bronze sind nicht nur finanziell weniger belastend, sie ermöglichen ebenfalls einen mehrfachen Abguss und bieten damit eine Vervielfältigung an. Für mich stellt sich die Frage nach dem Grund für den Erwerb der anderen beiden Darstellungen durch die Rothschilds. Weder der Baron Alphonse de Rothschild noch seine Schwester pflegten ein persönliches Verhältnis zu den Claudels.
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die komplexe Beziehung zwischen Camille und Paul Claudel ein und umreißt die Fragestellung bezüglich der künstlerischen Darstellung Pauls in den Werken seiner Schwester.
2. Die Geschwisterbeziehung und ihre künstlerische Umsetzung: Dieses Kapitel analysiert das Geschwisterverhältnis soziopsychologisch und beleuchtet die fünf Büsten Pauls im Kontext der künstlerischen Entwicklung Camilles.
2.1 Mein kleiner Paul- Die Darstellungen als junger Römer: Die frühen Bildnisse Pauls werden als Auseinandersetzung mit der Antike und als Ausdruck der geschwisterlichen Verbundenheit vor dem Hintergrund der finanziellen Bedingungen für junge Künstler untersucht.
2.2 Die Beziehung der Geschwister und deren Verarbeitung durch Paul: Hier wird der Bruch zwischen den Geschwistern durch Rodin sowie die spätere literarische Aufarbeitung dieser Beziehung in Pauls Werk beleuchtet.
2.3 Paul, ein Mann von Rang- Die Ehrenstatuen: Die späteren Porträts Pauls werden als bewusste Stilisierung des Bruders zum Mann von gesellschaftlicher Bedeutung und als Abkehr von der impressionistischen Formensprache analysiert.
2.4 Der Rückzug Camilles aus dem Kunstschaffen: Dieser Abschnitt beschreibt die psychische Krise und den Rückzug Camilles, die schließlich zu ihrer Internierung führten, sowie das veränderte Verhältnis der Geschwister in dieser Zeit.
3. Fazit: Das Fazit fasst die zentralen Ergebnisse zur Entwicklung der Geschwisterbeziehung und deren Reflexion im künstlerischen Werk zusammen.
4. Literaturverzeichnis: Auflistung der verwendeten Quellen, Monographien und Kataloge.
6. Anhang: Ergänzende Informationen, spezifisch die chronologische Auflistung der Besuche Pauls bei seiner Schwester in der Anstalt.
6.1 Pauls Besuche bei seiner Schwester Camille: Detaillierte tabellarische Auflistung der 14 Besuche Pauls zwischen 1913 und 1943.
Camille Claudel, Paul Claudel, Bildhauerei, Geschwisterbeziehung, Auguste Rodin, Porträtbüste, Antike, Kunstgeschichte, Familienpsychologie, Identität, Materialikonographie, Mentale Gesundheit, Bildnis, Künstlerleben, Moderne Kunst
Die Arbeit untersucht das enge und wechselhafte Verhältnis zwischen der Bildhauerin Camille Claudel und ihrem Bruder, dem Dichter Paul Claudel, und wie diese Beziehung Camilles künstlerisches Schaffen beeinflusst hat.
Zentrale Themen sind die gegenseitige Beeinflussung der Geschwister, die kunsthistorische Analyse der Porträtbüsten Pauls, der Einfluss von Rodin auf das Geschwisterverhältnis sowie die biographischen Entwicklungen beider Persönlichkeiten.
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, welches Bild von Paul Claudel durch die Werke seiner Schwester vermittelt wird und wie die geschwisterliche Dynamik im Kontext der Kunstgeschichte zu interpretieren ist.
Es handelt sich primär um eine kunsthistorische Analyse der Skulpturen, ergänzt durch biographische Studien, Briefanalysen und soziopsychologische Ansätze zur Geschwisterkonstellation.
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der frühen "Römer-Büsten", die Analyse der späteren Porträts im Kontext von Pauls gesellschaftlichem Aufstieg und die Darstellung des Rückzugs Camilles sowie der emotionalen Verarbeitung durch den Bruder.
Die Publikation ist geprägt durch Begriffe wie Camille Claudel, Geschwisterbeziehung, Bildhauerei, Identitätsbildung und künstlerische Transformation.
Paul interpretierte das Schicksal seiner Schwester oft durch die Brille gesellschaftlicher Normen und eigener moralischer Vorstellungen, wobei er jedoch auch tiefe Bewunderung für ihr Genie und Reue über seinen eigenen Anteil an ihrer Situation ausdrückte.
Die Antike diente Camille Claudel sowohl als ästhetische Vorlage für die formale Ausarbeitung der Büsten als auch als Mittel, um Paul eine heroische und zeitlose Aura zu verleihen.
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