Examensarbeit, 2012
70 Seiten, Note: 1,0
1. Erzählen im Nibelungenlied
1.1 Forschungsspektrum
1.2 Erzähltheorie als neuer Forschungsschwerpunkt
1.2 Zwei Forschungsinteressen mit einem gemeinsamen Kern
1.3 Mediävistische Erzähltheorie
1.4 Inszeniertes Erzählen
2. Die Inquitformel als Untersuchungsgegenstand
2.1 Auswertung des Textmaterials
2.2 Die Handschriften B und C im Vergleich
2.3 Gestaltung und Funktion der Inquitformel
2.4 Anpassung der erzähltheoretischen Terminologie
3. Gestaltungselemente und ihre Funktion
3.1 Position
3.2 Umfang der Inquitformeln
3.2.1 Länge
3.2.2 An- und Abvers
3.3 Gestaltung
3.3.1 Namen, Pronomen und nominale Bezeichnung
3.3.2 Adverbien und adverbiale Bestimmungen
3.3.3 Konjunktionen
3.3.4 Attribute
3.3.5 Ergänzungen durch Objekte
4. Figurencharakterisierung
4.1 Möglichkeiten der Figurencharakterisierung
4.2 Figur oder Charakter
4.3 Figurencharakterisierung an konkreten Beispielen
4.3.1 Dankwart
4.3.2 Siegfried
4.3.3 Kriemhild
4.3.4 Hagen
4.4 Fazit aus dem Vergleich der Figuren
5. Schnittstelle zwischen Erzählstimme und Figurenrede
5.1 Die Rolle der Erzählstimme
5.2 Untersuchung der Redeszene „Ankunft und Begrüßung am Hof“
5.2.1 Siegfrieds Ankunft am Wormser Hof
5.2.2 Ankunft der Burgunden am Hof Etzels
5.2.3 Fazit aus dem Vergleich der Ankunftsszenen
6. Schnittstelle mit vielfältigen Funktionen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Gestaltung und Funktion der Inquitformel im Nibelungenlied als essenzielle Schnittstelle zwischen Erzählstimme und Figurenrede. Ziel ist es, mittels einer kombinierten quantitativen und qualitativen Analyse aufzuzeigen, wie diese sprachlichen Bausteine nicht nur den Übergang zwischen Erzählinstanz und Figurendialog markieren, sondern maßgeblich zur Figurencharakterisierung und zur Textkohärenz beitragen.
3.3.1 Namen, Pronomen und nominale Bezeichnung
Die Subjekte innerhalb der Inquitformeln können durch Name, Pronomen und nominale Bezeichnungen repräsentiert werden. Ihre wesentlichen Gestaltungformen sollen nachfolgend dargestellt und ihre Wirkung erläutert werden.
Beinahe aus der Hälfte aller Inquitformeln geht der Sprecher aufgrund seiner unmittelbaren Namensnennung hervor, denn mit der Verwendung ihrer Namen sind die jeweiligen sprechenden Akteure am eindeutigsten gekennzeichnet und werden beim Hören während des Vortrages auf jeden Fall erkannt. Die Namensnennung ist daher ein häufig vorkommender Gestaltungsbestandteil der Inquitformel, wenn es beispielsweise darum geht, nach längerem Bericht der Erzählstimme oder der Rede einer Figur auf die folgende Figurenrede mit der Ankündigung eines Sprechers aufmerksam zu machen, z.B. Sîvrit der vil küene wie snelle er dô sprach, oder in der Abfolge schneller Wechselreden den Überblick über die Sprechhandelnden zu bewahren.
1. Erzählen im Nibelungenlied: Dieses Kapitel verortet das Nibelungenlied in der mediävistischen Erzähltheorie und definiert die Rolle der Inquitformel als "Schnittstelle" zwischen Erzählinstanz und Figurenrede.
2. Die Inquitformel als Untersuchungsgegenstand: Hier werden methodische Grundlagen gelegt und das Vorgehen bei der Analyse des Textkorpus der Handschriften B und C sowie die terminologische Abgrenzung erläutert.
3. Gestaltungselemente und ihre Funktion: Dieses Kapitel analysiert detailliert formale Aspekte der Inquitformel, wie Position, Umfang und grammatikalische Gestaltungsmittel, und ordnet sie ihren Funktionen im Text zu.
4. Figurencharakterisierung: Hier wird untersucht, wie die Inquitformel zur Charakterisierung der Figuren (insbesondere Dankwart, Siegfried, Kriemhild und Hagen) beiträgt und wie sie hierbei variiert.
5. Schnittstelle zwischen Erzählstimme und Figurenrede: Dieses Kapitel vertieft die Analyse anhand von Redeszenen, insbesondere der Ankunftsszenen am Hof, um das Zusammenspiel der Erzählstimme mit der Figurenrede aufzuzeigen.
6. Schnittstelle mit vielfältigen Funktionen: Das Fazit fasst zusammen, dass die Inquitformel weit mehr als eine einfache Sprecherankündigung ist und eine entscheidende ordnungsstiftende Funktion im Nibelungenlied besitzt.
Nibelungenlied, Inquitformel, Erzähltheorie, Figurenrede, Erzählstimme, Handschriftenvergleich, Figurencharakterisierung, Redeszenen, mittelalterliche Heldendichtung, narratologische Analyse, Textkohärenz, Formelhaftigkeit, Sprechaktverben, mediävistische Erzählforschung, Dialogforschung.
Die Arbeit untersucht die Inquitformel im Nibelungenlied, also jene sprachlichen Bausteine, die den Wechsel zwischen Erzählstimme und wörtlicher Figurenrede markieren.
Im Zentrum stehen die formale Gestaltung dieser Formeln, ihre Funktion bei der Figurencharakterisierung sowie ihre Rolle bei der Strukturierung des epischen Textes und der Sicherung des Textverständnisses.
Das Ziel ist eine detaillierte quantitative und qualitative Analyse der Inquitformeln, um deren Bedeutung als "Schnittstelle" zwischen Erzählinstanz und Figurenrede innerhalb des Nibelungenliedes zu belegen.
Die Verfasserin nutzt Ansätze aus der Sprachwissenschaft und der narratologischen Erzähltheorie, um die Inquitformeln systematisch zu erfassen und ihre funktionale Wirkung im Kontext der mittelalterlichen Epik zu deuten.
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Gestaltungselementen (wie Namen, Adverbien und Attributen), die Analyse der Figurencharakterisierung an Fallbeispielen sowie eine qualitative Untersuchung komplexer Redeszenen.
Wesentliche Begriffe sind Inquitformel, Nibelungenlied, Erzähltheorie, Figurenrede, Erzählstimme, Figurencharakterisierung und Textkohärenz.
Der Vergleich dient dazu zu untersuchen, ob unterschiedliche Überlieferungsfassungen abweichende Gestaltungsstrategien bei den Inquitformeln aufweisen oder ob diese ein stabiles Merkmal der Nibelungendichtung darstellen.
Siegfried wird in den Inquitformeln häufig direkt durch heroische Attribute charakterisiert, während bei Hagen eine indirektere Charakterisierung sowie der Fokus auf Handlungsweisen und Rufen dominieren.
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