Doktorarbeit / Dissertation, 2012
285 Seiten, Note: summa cum laude
A Auftakt
A 1 Ausgangslage
A 1.1 Das Exposé hinter sich lassen
A 1.2 Organisationen oder Unternehmen
A 1.3 Aufbau
A 2 Forschungsperspektiven
A 2.1 Umwelt und Analogie
A 2.2 Phasen und Grenzen
A 2.3 Diskontinuitäten und der Oranizational-Life-Cycle
A 2.4 Problem und Kontrast
A 2.5 Werte und Wandel
A 2.6 Zusammenfassung
B Zugänge und Methoden
B 1 Zugangsprobleme
B 1.1 Produktionsreferenzen – Die Frage nach dem: Wo?
B 1.2 Vergleichsreferenz – Die Frage nach dem: Wie?
B 1.3 Typologie idealtypischer Zugänge
B 1.4 Schlussfolgerungen
B 2 Forschungsdesign
B 2.1 Zugang über Forschungsdesiderate
B 2.2 Zugang über das Ranking EUROPE’S 500
B 2.3 Zugang über den Webauftritt der Organisation
B 2.4 Feldzugang und Methodik
B 2.5 Pretest
B 2.6 Zugang über Massenmedien
C Außenbetrachtungen
C 1 Das Ranking EUROPE’S 500
C 1.1 Indikatoren des Rankings EUROPE’S 500
C 1.2 Ausklammerung spezieller Organisationen
C 1.3 Implikationen
C 2 Websiteanalyse
C 2.1 Theoretische Vorannahmen
C 2.2 Datenerhebung
C 2.3 Datenanalyse
C 2.4 Beschreibungsformen
C 2.5 Zusammenfassung
C 3 Feldzugang
C 3.1 Annäherungen
C 3.2 Blockaden
C 3.3 Auffälligkeiten
C 3.4 Resultate
C 3.5 Zusammenfassung
C 4 Exkurs - Der Blick aus der Ferne
C 4.1 Datenerhebung und Datenanalyse
C 4.2 Ergebnisse
C 4.3 Zusammenfassung
D Innenbetrachtungen
D 1 Ereignisse und schnelles Wachstum
D 1.1 Ereignisse als Klammer schnellen Wachstums – Geschichte
D 1.2. Ereignisse als Auslöser schnellen Wachstums – Wendepunkte
D 1.3. Ereignisse als Ende schnellen Wachstums – Krisen
D 1.4 Ereignisse als schnelles Wachstum – Erklärungen
D 1.5 Zusammenfassung
D 2 Erzählungen und schnelles Wachstum
D 2.1 Die produktorientierten Wachstumserzählungen
D 2.2 Die kundenorientierten Wachstumserzählungen
D 2.3 Die politisch-, gesellschaftsorientierten Wachstumserzählungen
D 2.4 Zusammenfassung
D 3 Zerfall und schnelles Wachstum
D 3.1 Raum – Verdichten und Verschieben
D 3.2 Personal – Flexibilisierung und Versteifung
D 3.3 Führung – Zentrieren und Zerfallen
D 3.4 Zusammenfassung
E Abschluss
E 1 Der Blick zurück – was sich entdecken ließ
E 1.1 Forschungsperspektiven und Zugang
E 1.2 Außenbetrachtung
E 1.3 Innenbetrachtung
E 2 Was ist schnell am schnellen Wachstum?
E 2.1 Außerhalb
E 2.2 Dazwischen
E 2.3 Innerhalb
E 3 Der Blick nach vorn – wem nützt es?
E 3.1 Lektionen für (schnell) wachsende Organisationen
E 3.2 Anschluss für die Wissenschaft
E 3.3 Zum Schluss
Die vorliegende Arbeit untersucht das Phänomen „schnell wachsende Organisationen“, indem sie die theoretischen Annahmen, methodischen Zugänge und die Selbst- sowie Fremdbeschreibungen dieses Gegenstandes kritisch reflektiert. Ziel ist es, die „Unschärfe“ des Wachstumsbegriffs aufzubrechen und zu zeigen, dass schnelles Wachstum kein objektiver, gegebener Zustand ist, sondern in verschiedenen Kontexten durch spezifische Beobachter (wie Wissenschaft, Massenmedien oder die Organisationen selbst) erst hergestellt und mit Bedeutung aufgeladen wird.
A 1.1 Das Exposé hinter sich lassen
Der ursprüngliche Arbeitstitel dieses Dissertationsprojekts, welches im Frühjahr 2008 durch ein ausformuliertes Exposé im Fachbereich 1 „Erziehungs- und Sozialwissenschaften“ der Universität Hildesheim eingereicht wurde, trug den Titel „Wege des Wissentransfers – Am Untersuchungsgegenstand schnell wachsender Unternehmen“. Ziel des damit angekündigten Forschungsvorhabens war es aufzuzeigen, „wie in schnell wachsenden Unternehmen Wissen transferiert wird und, welche Barrieren des Wissentransfers innerhalb solcher Organisationen vorliegen.“ Der Reiz dessen, was es zu ergründen galt, lag in der Frage, wie es Organisationen – in einem anhaltenden (beschleunigten) Wandel ihrer Strukturen, im fortwährenden Arbeiten unter Zeitdruck sowie im Umgang mit neuen, unbekannten Anforderungen – schaffen, mit ihrem Wissen umzugehen und welche Formen des Wissentransfers sich in solchen Organisationen herausbilden. Die Annahme war, dass Organisationen in Phasen schnellen Wachstums einem verschärften, selbstreferenziellen Änderungsdruck unterliegen und sich einer zunehmenden Komplexitätssteigerung und Intransparenz gegenüber sehen. Dies resultiert vordergründig aus dem Hinzukommen neuer Organisationsmitglieder sowie der damit einhergehenden Ausdifferenzierung der Organisation. Aus dieser Annahme ergab sich die Forschungsfrage, welches Wissen in der Organisation wo wichtig ist oder zukünftig sein könnte.
Je intensiver jedoch eine Annäherung an den Forschungsgegenstand erfolgte, umso stärker entzog er sich einer eindeutigen Fixierung. Ausgehend von den diversen, in sich recht heterogenen Forschungsarbeiten über schnell wachsende Organisationen, schälte sich immer mehr die Erkenntnis heraus, dass erst das Problem bearbeitet werden müsste, wie sich ein Zugang zu schnell wachsenden Organisationen finden lässt, wie der Forschungsgegenstand fixiert und identifiziert werden kann, bevor die Folgen eines solchen Wachstums in den Blick geraten können.
Das im Exposé formulierte Forschungsvorhaben wurde daher zurückgestellt. Vorerst galt es zu klären, auf was man stößt, wenn man den Gegenstand „schnell wachsende Organisation“ aus einer polykontexturalen Perspektive in den Blick nimmt. Damit sollte auch dem Risiko vorgebeugt werden, einen Forschungsgegenstand zu analysieren, ohne seine Mannigfaltigkeit hinreichend reflektiert zu haben.
A Auftakt: Dieser Abschnitt bietet eine Einführung in die Thematik und reflektiert die Forschungsperspektiven, wobei der Begriff des schnellen Wachstums als kontingentes Phänomen eingeführt wird.
B Zugänge und Methoden: Hier werden die methodischen Probleme der Identifikation von schnell wachsenden Organisationen diskutiert und ein Typologie-Rahmen für den empirischen Zugang entwickelt.
C Außenbetrachtungen: Dieses Kapitel analysiert, wie schnelles Wachstum durch externe Instanzen wie Rankings und Massenmedien diskursiv konstruiert und für die Organisationen wahrnehmbar gemacht wird.
D Innenbetrachtungen: Der Hauptteil analysiert die internen Deutungsmuster und Erzählungen über das Wachstum innerhalb der Organisationen, wobei Folgen wie Ausdifferenzierung und Zerfallstendenzen aufgezeigt werden.
E Abschluss: Das abschließende Kapitel fasst die Ergebnisse zusammen und reflektiert, inwiefern die erarbeiteten Erkenntnisse für die Praxis wachsender Organisationen sowie für zukünftige wissenschaftliche Forschung anschlussfähig sind.
schnelles Wachstum, Organisationsentwicklung, Systemtheorie, Organisationsidentität, Wachstumsmodelle, Unternehmensrisiko, qualitative Sozialforschung, Feldzugang, Kommunikation, Ausdifferenzierung, Führung, Unternehmensführung, Wachstumsfaktoren, Marktbeobachtung, Organisationale Krise
Die Arbeit untersucht das Phänomen „schnelles Organisationswachstum“ aus einer soziologischen Perspektive. Dabei steht nicht die bloße Messung von Wachstum im Vordergrund, sondern die Frage, wie dieses Wachstum als soziales Konstrukt durch verschiedene Akteure erzeugt, kommuniziert und interpretiert wird.
Zentrale Themen sind die theoretische Modellierung von Wachstumsprozessen, die methodische Herausforderung des Feldzugangs, die Konstruktion von Wachstum durch externe Rankings und Medien sowie die organisationalen Folgen, wie beispielsweise strukturelle Ausdifferenzierung und Führungskrisen.
Das primäre Ziel ist es, aufzuzeigen, wie „schnelles Wachstum“ als Forschungsgegenstand überhaupt erst fassbar wird und welche unterschiedlichen Bilder und Zuschreibungen Organisationen verwenden, um ihre eigenen Veränderungsprozesse zu interpretieren.
Die Arbeit verfolgt einen qualitativen Forschungsansatz. Dies umfasst eine Kombination aus einer Literaturanalyse, der Untersuchung von Rankings, einer Websiteanalyse sowie episodischen Interviews und fokussierter Ethnographie in den untersuchten Organisationen.
Der Hauptteil gliedert sich in Außen- und Innenbetrachtungen. Die Außenbetrachtung beleuchtet die Rolle von Rankings und Medien. Die Innenbetrachtung analysiert anhand von Interviewdaten, wie Organisationen ihr Wachstum (als Ereignis oder Erzählung) deuten und welche Auswirkungen das Wachstum auf die interne Struktur und das Führungshandeln hat.
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie schnelles Wachstum, Organisationstheorie, Systemtheorie, Ausdifferenzierung, Identitätsbildung und qualitative Organisationsanalyse charakterisieren.
Führungskräfte und insbesondere Organisationsgründer spielen eine zentrale, aber ambivalente Rolle. Sie sind einerseits die Personifizierung des Erfolgs, stehen aber andererseits vor der Herausforderung, mit dem durch das Wachstum entstehenden Kontrollverlust und der Notwendigkeit zur Delegation (Zerfall der ursprünglichen Führungskultur) umzugehen.
Schnelles Wachstum wird als gefährlich eingestuft, da es oft mit der Hybris verbunden ist, unendliche Möglichkeiten anzunehmen. Es führt häufig zu einer Überforderung der organisationalen Strukturen, zu riskanten Entscheidungen unter Zeitdruck und zu einer Entkopplung von der Realität, was nicht selten in einer Krise oder einem Scheitern mündet.
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