Magisterarbeit, 2010
141 Seiten, Note: 1,1
1. Einleitung
2. Die chinesischen Netzwerke
2.1 Die großen Angelegenheiten und die kleinen Aufmerksamkeiten
3. Überblick über den gegenwärtigen Guanxi-Diskurs
4. Guanxi und Migration
5. Vorstellung des Forschungskontextes
5.1 Das Innere der Gruppe aus Sichuan
5.2 Formung des Inneren durch das Außen
5.3 Die Baustelle und die Dominanzkultur
5.4 Politische Stigmatisierung und das Haushaltsregistrierungssystem
5.5 Narrative der Rückmigration
5.6 Stadtnarrative
6. Die moralische Einbettung und Modi von sozialer Nähe
6.1 Soziale Nähe und das moralische Verhalten auf der Baustelle
6.2 Soziale Nähe und moralisches Verhalten gegenüber dem Netzwerk des Herkunftsortes
7. Gesicht und Ansehen
7.1 Gesicht und Ansehen unter den Arbeitern
7.2 Gesicht, Ansehen und Moral
7.3 Symbolische Macht, Aushandlung und Sprache
8. Tauschraten zwischen Formen des Kapitals
8.1 Kulturelles Kapital auf der Makroebene
8.2 Verflechtung von Mikro- und Makroebene
9. Gemeinschaft und Transformation
9.1 Gesellschaftliche Brüche und die Ungleichzeitigkeit
9.2 Von stolzen Bauern, einer verlorenen Generation und der Harmonie in der Kurzfristigkeit
9.3 Widersprüche und Ungleichzeitigkeit auf der Makroebene
10. Die Frau in der Migration
11. Schluss
Die Arbeit untersucht die Konzepte und Transformationen von Guanxi-Netzwerken im spezifischen Kontext chinesischer Arbeitsmigranten. Ziel ist es, zu analysieren, wie traditionelle soziale Bindungen und moralische Vorstellungen unter den Bedingungen der Migration und staatlicher Regulierung in einer urbanen Baustellenumgebung aufrechterhalten, transformiert oder instrumentalisiert werden.
2. Die chinesischen Netzwerke
Um die Struktur chinesischer Netzwerke zu veranschaulichen, bedient sich der chinesische Soziologe und Ethnologe Xiaotong Fei einer Wasserringmetapher, die sich bereits im Buch der Riten findet (Fei 1992, S.63). Hierbei ist das Individuum gleich einem Stein, ins Wasser geworfen wird. Die konzentrischen Ringe die sich um ihn bilden, stehen sinnbildlich für Personen im Umkreis des Individuums. Die Ringe im Inneren sind dem Stein nicht am nächsten, sie schlagen auch die höchsten Wellen. Dies stellt in der konfuzianischen Theorie den grundlegenden Charakter der verwandtschaftlichen Beziehungen dar, wobei die Eltern als wichtigste Personen dem Zentrum am nächsten sind. Durch sie ist das Individuum mit dem moralisch anspruchsvollen Konzept der sogenannten Kindespietät (xiao) verbunden. Es verweist auf die absolute Notwendigkeit seinen Eltern folge zu leisten und sie zu ehren. Betrachtet man das Konzept bezüglich der Reziprozität, so ist das Kind dadurch, dass es von den Eltern großgezogen wird, bereits in einer ewigen Bringschuld.
Etwas schwächer mutet dann bereits die Verpflichtung gegenüber dem älteren Bruder (ti) an, dem in erster Linie Liebe (ai) und Respekt (jing) entgegengebracht sollte (Shun 2003, S.794). Auf die Verwandtschaftsbeziehungen folgen schließlich die freundschaftlichen Beziehungen, denen Loyalität (zhong) und Vertrauen (xin) zugrunde liegt. In dieser Weise wird jede menschliche Bindung durch eine ihr spezifische soziale Ethik gestützt (Fei 1992, S.74). Die Verbindung von persönlichen Beziehungen mit einem bestimmten ethisch-moralischen Kontext bringt Xiaotong Fei zu dem Vergleich mit einem gewebten Netz, wobei jeder Knotenpunkt in dieser verwobenen Struktur seine eigene Qualität besitzt (Fei 1992, S.78). Jedes dieser Netzwerke ist einzigartig, da kein Individuum ein und denselben Verwandten und Bekannten besitzt. Selbst bei Geschwistern ist dies nicht der Fall, da ihre Beziehung zueinander eine differente ist. Aufgrund dessen spricht Xiatong Fei im Bezug auf die Netzwerke und deren Konstruktion von einem differenzierenden Modus von Verbindungen (chaxugeju).
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Thematik der Guanxi-Netzwerke ein, hinterfragt westliche Sichtweisen und erläutert die methodische Herangehensweise der Feldforschung in Hangzhou.
2. Die chinesischen Netzwerke: Das Kapitel erläutert theoretische Grundlagen wie Xiaotong Feis Wasserringmetapher und Konzepte der Reziprozität sowie verwandtschaftliche Bindungen.
3. Überblick über den gegenwärtigen Guanxi-Diskurs: Hier werden verschiedene sozialwissenschaftliche Interpretationsansätze zu Guanxi diskutiert, darunter die Arbeiten von Mayfair Yang und Yunxiang Yan.
4. Guanxi und Migration: Dieses Kapitel verortet Guanxi-Netzwerke innerhalb der chinesischen Arbeitsmigration und diskutiert die sozioökonomischen Auswirkungen auf die Migranten.
5. Vorstellung des Forschungskontextes: Es erfolgt eine detaillierte Beschreibung des Feldes, der Akteure, der Baustellensituation und der Lebenswelt der Wanderarbeiter.
6. Die moralische Einbettung und Modi von sozialer Nähe: Untersuchung darüber, wie moralische Konzepte und Emotionen das Verhalten und die soziale Nähe innerhalb der Arbeitergruppe beeinflussen.
7. Gesicht und Ansehen: Analyse der Bedeutung von 'Gesicht' (mianzi) und 'Ansehen' (lianmian) als soziale Währung und Mechanismus zur Statusregulierung.
8. Tauschraten zwischen Formen des Kapitals: Untersuchung der Transformation von verschiedenen Kapitalformen, insbesondere des kulturellen und symbolischen Kapitals im Kontext der Migration.
9. Gemeinschaft und Transformation: Zusammenfassung der Transformationsprozesse innerhalb der Gemeinschaften und die Auswirkungen gesellschaftlicher Brüche auf das Selbstbild der Arbeiter.
10. Die Frau in der Migration: Ein kurzer Exkurs zur Rolle der Frau in einem primär männlich geprägten Migrationskontext und deren marginalisierter Position.
11. Schluss: Resümee der Arbeit, das die Instrumentalisierung moralischer Bindungen für Machtstrukturen auf der Baustelle hervorhebt und den Ausblick auf weitere Forschung gibt.
Guanxi, chinesische Arbeitsmigration, Netzwerke, Kindespietät, Reziprozität, Gesicht, Ansehen, moralische Einbettung, soziale Nähe, Hukou, Wanderarbeiter, Kapitalformen, Feldforschung, Konfuzianismus, soziale Kontrolle.
Die Arbeit untersucht die soziale Struktur und die Dynamik von Netzwerken (Guanxi) von Wanderarbeitern, die in einem Baustellenkontext in Hangzhou tätig sind.
Zentrale Themen sind die Transformation traditioneller konfuzianischer Werte (wie Reziprozität und Kindespietät), die Bedeutung von sozialem Ansehen und Gesicht im Migrationsalltag sowie das Spannungsfeld zwischen ökonomischer Notwendigkeit und moralischen Verpflichtungen.
Die Untersuchung zielt darauf ab, zu ergründen, wie sich soziale Bindungen in einer temporären Migrationssituation unter dem Einfluss von staatlicher Kontrolle und Arbeitsmarktbedingungen verändern und zur Strukturierung der Lebenswelt der Akteure beitragen.
Die Arbeit basiert auf einer ethnologischen Feldforschung (teilnehmende Beobachtung) im Jahr 2008 in Hangzhou, bei der der Autor eine Gruppe von Wanderarbeitern aus der Provinz Sichuan über mehrere Monate begleitete.
Der Hauptteil behandelt theoretische Konzepte (Guanxi-Diskurs), die detaillierte Beschreibung des Forschungskontextes (die Baustelle und die Arbeitergruppe), die Analyse moralischer Verhaltensweisen, die Akkumulation von Ansehen und das komplexe Zusammenspiel verschiedener Kapitalformen.
Guanxi, Arbeitsmigration, soziale Netzwerke, Reziprozität, 'Gesicht', 'Ansehen', Baustellenmilieu, moralische Einbettung, soziale Kontrolle, Wanderarbeiter.
Das Hukou-System fungiert als staatlicher Mechanismus der Kanalisierung und sozialen Kontrolle, der Wanderarbeiter von der städtischen Wohlfahrt ausschließt, sie zu temporärer Migration zwingt und somit ihre Abhängigkeit von informellen Netzwerken verstärkt.
Gesicht fungiert als soziale Währung und moralisches Kriterium. Die Akkumulation von Gesicht durch korrektes Verhalten und Hilfsbereitschaft sichert den Status und die Anerkennung innerhalb der Gruppe, während der Verlust von Gesicht soziale Ausgrenzung zur Folge haben kann.
Dashi bezieht sich auf formelle, institutionalisierte Formen des Gabentauschs, etwa bei Banketten, während xiaoqing alltägliche, informelle Handlungen, Gefallen oder kleine materielle Geschenke umfasst, die zur Demonstration sozialer Nähe dienen.
Der Autor zeigt auf, dass der Begriff der 'verlorenen Generation' ein narratives Konstrukt ist, das sowohl von staatlicher Seite als auch von den Arbeitern selbst genutzt wird, um die Brüche in der persönlichen Identität und die Entfremdung zwischen den Generationen aufgrund der Migrationserfahrung zu artikulieren.
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