Masterarbeit, 2012
93 Seiten, Note: 1,0
1 Einleitung
2 Deutsche Weltmachtpolitik und die Armenische Frage
2.1 Das Aufkommen der Armenischen Frage im 19. Jahrhundert
2.2 Erster verhaltener Protest: Reaktionen auf die hamidischen Massaker
2.3 Die Orientreise Kaiser Wilhelms II. 1898
3 Von Reformen, Revolutionen und Kriegen. Der Weg zur deutsch-türkischen Waffenbrüderschaft
3.1 Jungtürkische Revolution 1908/1909
3.2 Deutsch-türkische Beziehungen im Vorfeld des Ersten Weltkriegs
3.3 Die Sicht auf die Armenische Frage in unmittelbarer Vorkriegszeit
3.4 Der armenische Reformplan 1913/1914 und deutsch-türkische Waffenbrüderschaft
4 Der Völkermord an den Armeniern 1915 bis 1917 und die Rolle des Deutschen Reiches
4.1 Historischer Abriss zum Hergang des Völkermordes
4.2 Die Rolle des Militärs
4.3 Der Einfluss der deutschen Zivilbevölkerung auf die Politik
4.4 Die Botschaft in Konstantinopel
4.5 Die Haltung der politischen Führung in Berlin
4.6 Zwischenfazit
5 „Die Zeit zu reden ist gekommen.“ Nachkriegsdebatten um die Armenische Frage
5.1 Erste Friedensabkommen, Ende der Waffenbrüderschaft und erneute Vernichtungsgefahr
5.2 Die Dokumentation Lepsius‘ als Wegbegleiter der Armenischen Frage vom Kriegsende bis zum Vertrag von Sèvres
5.3 Die Kriegsverbrecherprozesse in Istanbul, politisches Asyl für gestürzte Machthaber und der Vertrag v Sèvres
5.4 Der ‚Prozess Talaat Pascha‘ als letzter Höhepunkt der Rezeption der Armenischen Frage
5.4.1 Reaktionen der Befürworter des Freispruchs
5.4.2 Reaktionen der Kritiker des Freispruchs
6 Schlussbetrachtung
Die Arbeit untersucht die Rezeption der Armenischen Frage in Deutschland im Zeitraum von 1894 bis 1921. Ziel ist es, die Wahrnehmung der Ereignisse durch deutsche Akteure aus Politik, Militär, Zivilgesellschaft und Presse vor dem Hintergrund deutscher Weltmachtbestrebungen zu analysieren sowie die Rolle des Deutschen Reiches während des Völkermordes an den Armeniern kritisch zu hinterfragen.
2.3 Die Orientreise Kaiser Wilhelms II. 1898
Als Kaiser Wilhelm II im Jahr 1898 seine zweite Orientreise antrat und sich zum Beschützer der gesamten muslimischen Welt stilisierte, geriet die Armenische Frage wieder vermehrt in den Blickpunkt der Publizistik. Bezüglich der Armenischen Frage zeichnete sich der Kaiser selbst durch widersprüchliches Verhalten aus: in direkter Reaktion auf die hamidischen Massaker bezeichnete er den Sultan als ‚ekelhaften Menschen‘, der entmachtet werden solle. Zwei Jahre später war die Begegnung mit ebendiesem geprägt von Sympathiebekundungen Wilhelms gegenüber Sultan Abdul Hamid II. Diese waren nicht zuletzt darin begründet, dass das Osmanische Reich im ausgehenden 19. Jahrhundert wie beschrieben zu einem zunehmend zentralen Faktor deutscher Weltpolitik geworden war. Damit erklärt sich auch, dass gelegentliche Androhungen von Maßnahmen gegen die türkische Regierung aufgrund der Nichteinhaltung der vereinbarten Reformen ausgesprochen wurden. Letztlich stand die Armenische Frage aber stets hinter deutschen Interessen, seien sie wirtschaftlicher, politischer oder strategischer Art, zurück.
Durch die Reise des Kaisers, die zu einem „Medienereignis der Superlative“ wurde, häuften sich mitunter sehr konträre Beschreibungen über das armenische Volk, die sich unter anderem auch in direkter Kritik am Verhalten des deutschen Kaisers äußerten: „Warum aber macht der Kaiser Freundschaft mit einem solchen Blutmenschen wie de[m] jetzige[n] türkische[n] Sultan? Einzig darum, weil der Türke von seinem durch Morden und Brennen Geraubten seinem Helfer und Beschützer einen Teil gibt.“ Jedoch vermochten die vornehmlich von christlichen, zahlenmäßig überschaubaren Kreisen ausgesprochenen Bedenken an der Orientreise 1898 nicht zu einer breiteren Wirkung zu gelangen, geschweige denn ernsthafte Überlegungen der Reichsführung zu einer Änderung der Orientpolitik anzustoßen.
1 Einleitung: Einführung in das Thema der armenischen Tragödie und die deutsche Haltung dazu, eingebettet in den Kontext der internationalen Debatten.
2 Deutsche Weltmachtpolitik und die Armenische Frage: Analyse des Aufkommens der Armenischen Frage im 19. Jahrhundert und der deutschen Orientpolitik unter Berücksichtigung erster Massaker.
3 Von Reformen, Revolutionen und Kriegen. Der Weg zur deutsch-türkischen Waffenbrüderschaft: Untersuchung der politischen Veränderungen im Osmanischen Reich und der Vertiefung der deutsch-türkischen Beziehungen vor dem Ersten Weltkrieg.
4 Der Völkermord an den Armeniern 1915 bis 1917 und die Rolle des Deutschen Reiches: Detaillierte Betrachtung der Rolle von Militär, Zivilbevölkerung und Botschaft während der Phase des Völkermordes.
5 „Die Zeit zu reden ist gekommen.“ Nachkriegsdebatten um die Armenische Frage: Analyse der Nachkriegsdebatten, der Rolle von Johannes Lepsius und der Rezeption der Kriegsverbrecherprozesse sowie des Freispruchs im Prozess Talaat Pascha.
6 Schlussbetrachtung: Zusammenfassende Bewertung der deutschen Rolle und Ausblick auf die Bedeutung der Armenischen Frage als historisches Faktum.
Armenische Frage, Völkermord an den Armeniern, Deutsches Reich, Osmanisches Reich, Weltmachtpolitik, Johannes Lepsius, Armenische Tragödie, Talaat Pascha, Prozess Talaat Pascha, Deutsch-türkische Waffenbrüderschaft, Deportationen, Genozid, Orientpolitik, Militärmission, Armenophobie.
Die Arbeit untersucht die Rezeption und Wahrnehmung der Armenischen Frage in Deutschland zwischen 1894 und 1921 vor dem Hintergrund der deutschen imperialen Weltmachtpolitik.
Zentrale Themen sind die deutsch-osmanischen Beziehungen, der Völkermord an den Armeniern im Ersten Weltkrieg, die Rolle der deutschen Zivilgesellschaft und des Militärs sowie der Umgang mit Schuldfragen in der Nachkriegszeit.
Es wird analysiert, wie deutsche Akteure auf die Armenische Frage reagierten und warum trotz Kenntnis der Gräueltaten keine entschiedene politische Intervention erfolgte, wobei die Verflechtung mit deutschen Interessen im Vordergrund steht.
Die Arbeit basiert auf einer rezeptionsgeschichtlichen Untersuchung unter Auswertung umfangreicher zeitgenössischer Dokumente und Quellen, insbesondere aus dem Johannes-Lepsius-Archiv und dem Politischen Archiv des Auswärtigen Amtes.
Der Hauptteil gliedert sich in die Vorkriegsphase, die Analyse der deutschen Beteiligung am Völkermord (1915–1917) durch Diplomatie, Militär und Zivilgesellschaft sowie die Aufarbeitung in der Nachkriegszeit bis zum Prozess Talaat Pascha.
Wichtige Begriffe sind Armenische Frage, Völkermord, Weltmachtpolitik, Johannes Lepsius, deutsch-türkische Waffenbrüderschaft und die Rolle des deutschen Militärs.
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass keine generelle Anweisung zur Beteiligung vorlag, aber einzelne hochrangige deutsche Militärs direkt an Deportationsentscheidungen beteiligt waren, was eine Mitverantwortung auf individueller Ebene belegt.
Der Prozess um den Mord an Talaat Pascha wird als letzter öffentlicher Höhepunkt der Auseinandersetzung mit dem Völkermord in der frühen Weimarer Republik gewertet, bei dem der Mörder Talaats freigesprochen wurde.
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