Bachelorarbeit, 2013
70 Seiten, Note: 1.86
1 Einleitung
2 Inszenierung der Massen in der Geschichte
2.1 Massenarten und ihre Eigenschaften nach Elias Canetti
2.2 Masseninszenierungen und Politisierung der Spiele in den Olympischen Spielen der Neuzeit
2.3 Massenregie unter Max Reinhardt
2.4 Bewegungschöre in Deutschland in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts
2.5 Politischer Tanz bei Jean Weidt
2.6 Masseninszenierungen des NS-Regimes
3 Politische Propaganda in den Filmen The Birth of a Nation, Bronenosets Potyomkin und Triumph des Willens
3.1 David W. Griffiths The Birth of a Nation
3.2 Sergej M. Eisensteins Bronenosets Potyomkin
3.3 Leni Riefenstahls Triumph des Willens
4 Inszenierung der Massen in den Filmen The Birth of a Nation, Bronenosets Potyomkin und Triumph des Willens
4.1 D. W. Griffiths The Birth of a Nation: „Rekrutierung und Angriff des KKK“
4.1.1 Die Inszenierung des Ku Klux Klan
4.1.2 Der KKK als Umkehrungs- und Hetzmasse
4.2 S. M. Eisensteins Bronenosets Potyomkin: „Treppen von Odessa“
4.2.1 Inszenierung der Fluchtmenge
4.2.2 Opfer- vs. Tätermasse
4.3 L. Riefenstahls Triumph des Willens: „Appell des RAD“
4.3.1 Inszenierung des RAD
4.3.2 Der RAD als rhythmische Masse
5 Inszenierung der Massen im politischen Film am Beispiel von The Birth of a Nation, Bronenosets Potyomkin und Triumph des Willens
Die vorliegende Arbeit untersucht, wie Masseninszenierungen in politischen Filmen des 20. Jahrhunderts eingesetzt wurden, um Ideologien zu vermitteln und den Zuschauer emotional zu beeinflussen. Dabei wird analysiert, ob und wie filmische Mittel dazu dienen, Massen zu steuern, zu instrumentalisieren und im Sinne staatlicher Propaganda zu überhöhen.
4.1.1 Die Inszenierung des Ku Klux Klan
Die Szene fängt mit der Einführung der ersten Gefahr an: Elsie Stoneman wird von Sylas Lynch in seinem Büro festgehalten, nachdem sie seinen Heiratsantrag abgelehnt hat. Als Lynch lüstern demonstriert wie begierig er nach ihr ist, gefolgt von Elsies entsetzten Gesichtsausdruck, werden zwei Klansmen eingeschnitten, die nebeneinander durch den Wald auf die Kamera zu und rechts an ihr vorbeireiten. Der linke Reiter hält ein brennendes Kreuz über den Kopf. Als die Bedrohung Elsies durch Lynch ihren Höhepunkt erreicht, wird in mehreren Einstellungen die nahende Rettung durch den KKK eingeschnitten, der seine Männer rekrutiert. Der Weg, durch den die Klansmen reiten, hat in den Einstellungen viele Abbiegungen und Hindernisse wie Fluss, Wald, Büsche etc. und wird somit erschwert. Der Wille des KKK, die weiße Bevölkerung von der Unterdrückung durch die Afroamerikaner zu „befreien“, scheint grenzenlos.
Die nächste Sequenz zeigt KKK-Männer, die in der linken Bildhälfte formiert, im Gebüsch auf Verstärkung warten. Links vorne ist Ben Cameron im Profil zu sehen, das ca. die Hälfte des Bildes einnimmt. Erstmals erscheint in der Szene der Anführer der „Rettungsorganisation“. Eine Gruppe von Klansmen reitet in Zweierreihen von rechts oben ins Bild über die Mitte nach rechts unten. Die erste Verstärkung ist im Anmarsch und trifft in der nächsten Einstellung auf die wartenden Klansmen um Ben Cameron von oben ins Bild ein, worauf sie vom Anführer mit einer Handgeste willkommen geheißen werden. Die zweite Verstärkung erscheint in der Ferne einzeln hintereinander vom linken Bildrand nach rechts über einen Hügel reitend. Die zwei Reiter von vorhin erscheinen wieder. Sie reiten auf die Kamera zu, werden von einer anderen Einstellung überblendet, in der sie beinahe bildfüllend frontal von einer Kamerafahrt begleitet werden. Diese Sequenz umfasst sieben Einstellungen von fünf verschiedenen Handlungsschritten, die ausschließlich den Handlungsstrang „Rekrutierung der Klansmen“ zeigt.
1 Einleitung: Vorstellung des Themas, der drei Filmbeispiele und der methodischen Grundlage durch Elias Canettis Massentheorie.
2 Inszenierung der Massen in der Geschichte: Historische Herleitung von Massenphänomenen, von dionysischem Theater über olympische Spiele bis hin zu Bewegungschören der 1920er Jahre.
3 Politische Propaganda in den Filmen The Birth of a Nation, Bronenosets Potyomkin und Triumph des Willens: Erläuterung der propagandistischen Funktion des Films und erste Einordnung der drei Hauptwerke.
4 Inszenierung der Massen in den Filmen The Birth of a Nation, Bronenosets Potyomkin und Triumph des Willens: Detaillierte Analyse der ausgewählten Szenen (KKK-Angriff, Treppe von Odessa, Appell des RAD) hinsichtlich ihrer filmischen Gestaltung.
5 Inszenierung der Massen im politischen Film am Beispiel von The Birth of a Nation, Bronenosets Potyomkin und Triumph des Willens: Synthese der Analyseergebnisse und Reflexion über die manipulative Bildkraft der Masseninszenierung im Film.
Masseninszenierung, Politischer Film, Propaganda, Elias Canetti, Montage, The Birth of a Nation, Bronenosets Potyomkin, Triumph des Willens, Massenpsychologie, Bewegungschor, Ku Klux Klan, Reichsparteitage, Ästhetisierung der Politik, Filmgeschichte, Massenbewegung
Die Arbeit analysiert die filmische Darstellung von Menschenmassen als Mittel politischer Propaganda und Inszenierung in drei einflussreichen politischen Filmen des 20. Jahrhunderts.
Die Arbeit behandelt die Wechselwirkung zwischen Politik und Ästhetik, die massenpsychologischen Grundlagen nach Canetti, die Geschichte der Masseninszenierung sowie die spezifische filmische Gestaltung von Massen in Propaganda- und Historienfilmen.
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Massenszenen durch filmische Mittel wie Montage und Kameraperspektiven instrumentalisiert werden, um dem Zuschauer eine ideologische Perspektive zu vermitteln und ihn als Teil der Masse emotional einzubinden.
Die Arbeit nutzt die Szenenanalyse, bei der der Inhalt mit der filmischen Form in Verbindung gebracht wird, und bezieht diese auf die theoretischen Massendefinitionen von Elias Canetti.
Im Hauptteil erfolgen detaillierte Analysen der Rekrutierungsszene aus The Birth of a Nation, der Treppenszene aus Bronenosets Potyomkin und der Appellszene des Reichsarbeitsdienstes aus Triumph des Willens.
Masseninszenierung, Propaganda, Montage, filmische Ideologievermittlung und Massenpsychologie.
In Bronenosets Potyomkin nutzt Eisenstein den Goldenen Schnitt, um Vakulinchuks Tod und das Erscheinen der roten Fahne zeitlich und bildlich zu strukturieren und damit zu betonen.
Durch die Darstellung des brennenden Kreuzes und die Montage der Szenen wird der KKK im Film als legitime Rettungsorganisation mit einer moralischen "Berufung" dargestellt, was die rassistische Agenda des Films stützt.
Während die frühen Bewegungschöre eher amorph und durch Selbstbezogenheit geprägt waren, ist der RAD bei Riefenstahl eine streng geometrisch angeordnete, disziplinierte und auf die Führerfigur ausgerichtete "statische Blockmasse".
Riefenstahl verkürzt den sechstägigen Parteitag auf einen artifiziellen Zeitraum von dreieinhalb Tagen und montiert Aufnahmen unterschiedlicher Herkunft zusammen, um ein ideologisch ideales Bild des Parteitags zu erschaffen.
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