Bachelorarbeit, 2013
43 Seiten, Note: 1,8
Geowissenschaften / Geographie - Bevölkerungsgeographie, Stadt- u. Raumplanung
1. Wem gehört die Stadt? Eine oft gestellte Frage
2. Was ist öffentlicher Raum?
3. Ausgrenzungsstrategien im öffentlichen Raum
3.1 Institutionelle Ausgrenzung
3.1.1 Institutionalisierte Sozialkontrolle
3.1.2 Öffentliche Sicherheit und Ordnung
3.1.3 Videoüberwachung
3.1.4 Stadtplanerische Instrumente
3.2 Ökonomische Ausgrenzung
3.2.1 Privatisierung
3.2.2 Werbung
3.2.3 Konsum und Ökonomisierung
3.3 Soziale Ausgrenzung
3.3.1 Informelle Sozialkontrolle
3.3.2 Kategorisierung und Auftreten
3.3.3 Devianz und Performanz
4. Zusammenfassung und Fazit – Wem gehört denn nun die Stadt?
Die vorliegende Arbeit untersucht interdisziplinär die Mechanismen und Instrumente, die zur Ausgrenzung von Individuen und Gruppen aus dem öffentlichen Raum führen, und analysiert dabei, wer über den Ausschluss entscheiden darf und wer davon betroffen ist.
3.1.1 Institutionalisierte Sozialkontrolle
Im Wörterbuch der Soziologie wird soziale Kontrolle definiert als „die Gesamtheit aller sozialen Prozesse und Strukturen, die abweichendes Verhalten der Mitglieder einer Gesellschaft […] verhindern oder einschränken“ (Hartfiel 1972:355) oder auch als „jene Prozesse und Mechanismen, mit deren Hilfe eine Gesellschaft versucht, ihre Mitglieder zu Verhaltensweisen zu bringen, die im Rahmen dieser Gesellschaft positiv bewertet werden. Dies geschieht durch innere und äußere Kontrolle.“ (Fuchs-Heinritz 1994: 368). Damit umfasst sie Prozesse der Sozialisierung, der Interaktion sowie der Institutionalisierung, die zur Herstellung oder Vermeidung devianten Verhaltens beitragen (Peters 1995). Soziale Kontrolle ist „Bestandteil der Mechanismen der Herstellung gesellschaftlicher Ordnung, der Regeln, nach denen sich die Menschen verhalten, eingebaut in Gruppenprozesse, Bestandteil von Institutionalisierung und Interaktion“ (ebd.: 130), wobei Kontrolle eine „gezielt intendierte Beobachtung auf eine eventuelle Differenz von Soll- und Ist-Wert“ (Nogala 2000: 126) ist. Sie ist also eine Beobachtung, die dazu dient, Verhalten außerhalb des gesellschaftlich anerkannten Normalbereichs zu erkennen und die so eine präventive und reaktive Intervention möglich macht.
Es gibt verschiedene Arten Sozialkontrolle auszuüben. Sie kann entweder formell durch Maßnahmen der Polizei oder Sozialarbeitern aber auch informell durch das Intervenieren von Eltern oder Freunden ausgeübt werden. Dabei muss hinterfragt werden, wer in der Machtposition steht, Sanktionierungsmaßnahmen durchzuführen. Die vom „sozialen Kontrolleur“ geforderte Norm ist bestenfalls mehrheitsgesellschaftlich anerkannt, sodass dieser seine Maßnahmen rechtfertigen kann (Peters 1995). Soziale Kontrolle kann sowohl durch negative als auch positive Sanktionen ausgeführt werden. Die negativen Sanktionen zielen darauf, den Sanktionierten abzuwerten oder dessen Teilhabe am sozialen Leben zu verringern. Eine restriktive Sanktionierung soll eine abschreckende, resozialisierende oder Konformität stabilisierende Wirkung bei sowohl devianten als auch vorbeugend bei (noch) nicht-devianten Personen erzielen (Dollinger und Raithel 2006). Es gibt aber auch Sanktionen, die als Hilfestellung ausgeführt werden, da der Gedanke zu Grunde liegt, es gehe einem devianten Individuum besser, wenn es sich in die Konformität einfüge (Peters 1995).
1. Wem gehört die Stadt? Eine oft gestellte Frage: Einleitende Betrachtung aktueller Diskurse und Bewegungen, die sich mit dem Recht auf Stadt und der Mitbestimmung an städtischen Entwicklungsprozessen auseinandersetzen.
2. Was ist öffentlicher Raum?: Theoretische Verortung des öffentlichen Raums als Ort der Politik, des Handels, der sozialen Interaktion und des kollektiven Gedächtnisses.
3. Ausgrenzungsstrategien im öffentlichen Raum: Hauptteil der Arbeit, der die methodischen Ansätze der staatlichen, ökonomischen und sozialen Kontrolle und Ausgrenzung detailliert analysiert.
3.1 Institutionelle Ausgrenzung: Untersuchung der staatlichen Maßnahmen, einschließlich Sozialkontrolle, Sicherheitsdebatten, Videoüberwachung und stadtplanerischer Instrumente.
3.2 Ökonomische Ausgrenzung: Analyse der Auswirkungen von Privatisierung, Kommerzialisierung und Werbung auf die Zugänglichkeit und Nutzung öffentlicher Flächen.
3.3 Soziale Ausgrenzung: Fokus auf informelle Mechanismen, Verhaltenscodes, Kategorisierung, Habitus und Performanz als Mittel zur In- oder Exklusion.
4. Zusammenfassung und Fazit – Wem gehört denn nun die Stadt?: Synthese der Forschungsergebnisse und abschließende Reflexion über die Bedingungen für einen nachhaltigen und inklusiven öffentlichen Raum.
Öffentlicher Raum, Ausgrenzung, Sozialkontrolle, Stadtplanung, Privatisierung, Kommerzialisierung, Devianz, Habitus, Performanz, Gentrifizierung, Machtverhältnisse, Sicherheit, soziale Inklusion, urbaner Lebensraum, städtische Entwicklung.
Die Arbeit untersucht die verschiedenen Strategien und Mechanismen, die dazu führen, dass bestimmte Personen oder Gruppen aus öffentlichen Räumen verdrängt oder von deren Nutzung ausgeschlossen werden.
Die Untersuchung deckt die Bereiche staatlicher Institutionen, ökonomischer Interessen (Privatisierung/Werbung) und sozialer Normierung durch Interaktion und Verhaltenscodes ab.
Ziel ist es, einen Überblick über die zahlreichen Forschungsergebnisse zu Ausgrenzungsstrategien der letzten Jahrzehnte zu geben und zu analysieren, wie Macht- und Dominanzverhältnisse den Zugang zum öffentlichen Raum steuern.
Es handelt sich um eine interdisziplinäre Arbeit, die soziologische, stadtgeographische und kulturwissenschaftliche Ansätze kombiniert, um die Mechanismen von Dominanz und Ausgrenzung zu dekonstruieren.
Der Hauptteil gliedert sich in institutionelle Restriktionen (Polizei, Planung), ökonomische Faktoren (Privatisierung, Werbeökonomie) und soziale Ausgrenzungsprozesse (Informelle Kontrolle, Habitusbildung).
Zu den zentralen Begriffen gehören öffentlicher Raum, Ausgrenzung, Sozialkontrolle, Privatisierung, Kommerzialisierung, Devianz, Habitus und Stadtplanung.
Durch Privatisierung und Kommerzialisierung werden öffentliche Räume zunehmend auf wirtschaftliche Interessen und konsumfähige Zielgruppen ausgerichtet, was zur Verdrängung nicht-konformer oder ökonomisch schwacher Gruppen führt.
Polizeiliche Maßnahmen dienen oft nicht nur der Kriminalitätsbekämpfung, sondern auch der präventiven Durchsetzung von Ordnung und der Vertreibung von Personen, die nicht dem Bild eines "normalen" Konsumenten entsprechen.
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