Diplomarbeit, 2004
97 Seiten, Note: 1,3
1 Einleitung
2 Grundlagen der Arbeitslosenversicherung
2.1 Entstehung und Entwicklung
2.2 Die Bundesagentur für Arbeit
2.2.1 Aufgaben der Bundesagentur für Arbeit
2.2.2 Finanzierung der Bundesagentur für Arbeit
2.2.3 Haushalt der Bundesagentur für Arbeit
2.2.4 Finanzierungsproblematiken der Bundesagentur für Arbeit
3 Reform der Beitragserhebung auf Unternehmensseite
3.1 Gründe für Reformen
3.1.1 Fehlende Internalisierung der durch Entlassungen verursachten Kosten
3.1.2 Quersubventionierung von Unternehmen und Branchen
3.1.3 Ungewünschte volkswirtschaftliche Effekte
3.2 Der Reformvorschlag des Sachverständigenrates
3.2.1 Rückkopplung von Entlassungsverhalten und Beitragssatz
3.2.2 Konkrete Ausgestaltung
3.3 Umsetzung der Reformvorschläge in der Praxis
3.3.1 Voraussetzungen für die Einführung
3.3.2 Umsetzung des „Experience Rating“ in den USA
4 Auswirkungen der Reform
4.1 Auswirkungen auf Unternehmensseite
4.1.1 Belastungen bei Entlassungen mit undifferenzierten Beitragssätzen
4.1.2 Mittlere durch Freisetzungen verursachte Kosten
4.1.3 Der Risikoquotient zur Einstufung des Unternehmens
4.1.4 Bildung von Risikoklassen
4.1.5 Einteilung der Risikoklassen
4.1.6 Abhängigkeit des Risikoquotienten von individuell verursachten Kosten
4.1.7 Beeinflussungsmöglichkeiten des Risikoquotienten
4.1.8 Glättungswirkung bei Berechnung über mehrere Perioden
4.2 Auswirkungen auf den Wettbewerb
4.2.1 Internalisierung der Kosten der Beschäftigungsanpassungen
4.2.2 Verringerung von Wettbewerbsverzerrungen durch Quersubventionierungen
4.3 Auswirkungen auf Arbeitnehmerseite
4.3.1 Derzeitiger gesetzlicher Kündigungsschutz
4.3.2 Kündigungsschutz durch Kosteninternalisierung
4.3.3 Betrachtung der Gesamtzahl freigesetzter Mitarbeiter
4.3.4 Betrachtung von Höhe und Dauer der gezahlten Arbeitslosengelder
4.3.5 Unterstützung von Unternehmensseite bei der Beschäftigungssuche
4.3.6 Auswirkungen auf Arbeitnehmer nach Industriesektoren
4.3.7 Sozialauswahl durch Kosteninternalisierung
5 Neuausrichtung der Personalpolitik auf Unternehmensseite
5.1 Neubewertung der Kosten von Kündigungen
5.2 Maßnahmen zur Kostensenkung bei betrieblichen Kündigungen
5.2.1 Kostensenkung durch Anpassung der Zahl freizusetzender Personen
5.2.2 Auswahl freizusetzender Mitarbeiter nach Höhe der Bezüge
5.2.3 Auswahl freizusetzender Mitarbeiter nach Dauer der Bezüge
5.2.4 Einordnung von Arbeitnehmern nach zu erwartenden Freisetzungskosten
5.2.5 Unterstützung der Mitarbeiter bei Qualifizierung und Suche
5.2.6 Verhalten von Unternehmen bei maximalem Beitragssatz
5.3 Einstellungskriterien im Hinblick auf Kündigungskosten
5.3.1 Beeinflussung der Kündigungskosten durch Einstellungspolitik
5.3.2 Bildung eines Arbeitsmarkt zwischen Unternehmen
5.4 Stärkere Beeinflussung der Kosten durch Unternehmen
6 Gesamtwirtschaftliche Betrachtung
6.1 Verhaltensanpassung auf Unternehmensseite
6.1.1 Freisetzungszahlen
6.1.2 Ausgestaltung der Freisetzungen
6.1.3 Unterstützung freigesetzter Arbeitskräfte
6.2 Änderungen im Wettbewerb
6.3 Verhaltensanpassung auf Arbeitnehmerseite
7 Zusammenfassung und Resümee
Die Arbeit untersucht die Auswirkungen einer Reform der Erhebung der Arbeitgeberbeiträge zur Arbeitslosenversicherung. Ziel ist es, durch eine unternehmensspezifische Ausgestaltung der Beitragssätze (Kosteninternalisierung) Anreize für ein vorsichtigeres Entlassungsverhalten zu schaffen, Wettbewerbsverzerrungen zu beseitigen und die Notwendigkeit von Entlassungen stärker zu prüfen.
3.1.1 Fehlende Internalisierung der durch Entlassungen verursachten Kosten
Die Entlassung eines Arbeitnehmers in die Arbeitslosigkeit verursacht Kosten, sowohl beim Arbeitnehmer selbst, wie auch beim Unternehmen und der Arbeitslosenversicherung. Als Kosten der Arbeitslosigkeit selbst werden dabei die bezogene Arbeitslosenunterstützung, Maßnahmen der aktiven Arbeitsmarktpolitik und Ausgaben zur Aufnahme einer neuen Beschäftigung bezeichnet (z.B. Bewerbungskosten, Umzugskosten). Diese Kosten werden durch die Beiträge von Arbeitgebern und Arbeitnehmern zur Arbeitslosenversicherung und durch die Zuschüsse des Bundes an die Bundesagentur für Arbeit getragen.
Entlässt ein Unternehmen nun überdurchschnittlich viele Arbeitnehmer, so verursacht es vereinfacht auch überdurchschnittliche Kosten durch deren Arbeitslosigkeit. Da es aber weiterhin die gleichen Beiträge wie andere Unternehmen auch zur Arbeitslosenversicherung zahlt, werden diese überdurchschnittlichen Kosten den anderen Beitragszahlern aufgebürdet. Es entstehen damit externe Effekte in Form von Kosten durch z.B. die zu zahlende Arbeitslosenunterstützung an die entlassenen ehemaligen Mitarbeiter, die zum Teil nicht vom Unternehmen selbst, sondern von den anderen die Arbeitslosenversicherung finanzierenden Beitrags- und Zuschusszahlern zu tragen sind. Die einheitlichen Beiträge zur Arbeitslosenversicherung wirken also mehr wie eine Steuer auf den Faktor Arbeit, Unternehmen können die Höhe der Beiträge und damit ihre Kosten durch die Zahlung der Arbeitgeberbeiträge nicht beeinflussen. Dies führt dazu, dass die durch Entlassungen und Arbeitslosigkeit entstehenden Kosten nur teilweise internalisiert werden, was zu volkswirtschaftlich betrachtet ineffizienten Entlassungsentscheidungen führt.
Diesem System mit einer fehlenden Rückkopplung zwischen verursachten und zu tragenden Kosten fehlen somit auch jegliche Anreize zu einer Vermeidung von Kündigungen. Dies führt wiederum dazu, dass auf einen starken gesetzlichen Kündigungsschutz zurückgegriffen werden muss, der allerdings ebenfalls die durch die Arbeitslosigkeit entstehenden Kosten nur unzureichend berücksichtigen kann, da der Schutz vor Kündigung weniger von den hierdurch entstehenden Kosten beeinflusst wird, sondern viel mehr von Bedingungen wie Betriebszugehörigkeit, Betriebsgröße oder Alter des Arbeitnehmers.
1 Einleitung: Darstellung des Reformbedarfs bei der Arbeitslosenversicherung und Vorstellung des Reformvorschlags des Sachverständigenrates.
2 Grundlagen der Arbeitslosenversicherung: Erläuterung der Historie, Aufgaben und Finanzierung der Bundesagentur für Arbeit.
3 Reform der Beitragserhebung auf Unternehmensseite: Analyse der Gründe für eine Reform, des Konzepts der Kosteninternalisierung und der Erfahrungen mit dem "Experience Rating" in den USA.
4 Auswirkungen der Reform: Untersuchung der Folgen der Reform auf Unternehmensentscheidungen, Wettbewerb und Arbeitnehmerstatus.
5 Neuausrichtung der Personalpolitik auf Unternehmensseite: Analyse neuer Handlungsoptionen für Unternehmen zur Kostensenkung durch Anpassung der Personalstruktur.
6 Gesamtwirtschaftliche Betrachtung: Diskussion der gesamtwirtschaftlichen Zielerreichung der Reform hinsichtlich Effizienz und Arbeitsmarkt.
7 Zusammenfassung und Resümee: Zusammenfassende Bewertung der Vor- und Nachteile der Kosteninternalisierung sowie deren politische Implikationen.
Arbeitslosenversicherung, Kosteninternalisierung, Arbeitgeberbeiträge, Beschäftigungsanpassung, Experience Rating, Risikoquotient, Risikoklassen, Quersubventionierung, Wettbewerbsverzerrung, Kündigungsschutz, Personalpolitik, Beschäftigungssicherung, Arbeitsmarkt, Sozialauswahl, Sachverständigenrat.
Die Diplomarbeit befasst sich mit einer vorgeschlagenen Reform der Erhebung der Arbeitgeberbeiträge zur Arbeitslosenversicherung, bei der die Beiträge nicht mehr einheitlich sein sollen, sondern vom Entlassungsverhalten der einzelnen Unternehmen abhängen.
Die zentralen Themen sind die Internalisierung von Kosten durch Entlassungen, die Vermeidung von Quersubventionierungen zwischen Unternehmen und Branchen, die Auswirkungen auf den Kündigungsschutz und die resultierende Anpassung der betrieblichen Personalpolitik.
Das Ziel ist die Untersuchung, inwiefern eine differenzierte Beitragserhebung helfen kann, Wettbewerbsverzerrungen abzubauen, Entlassungen effizienter zu gestalten und die Unterstützung von Arbeitssuchenden durch die ehemaligen Arbeitgeber zu fördern.
Es wird eine analytische Untersuchung basierend auf ökonomischen Modellen des Sachverständigenrates durchgeführt. Dies beinhaltet beispielhafte Berechnungen und Szenario-Analysen zur Einstufung von Unternehmen in Risikoklassen.
Der Hauptteil behandelt die theoretischen Grundlagen der Arbeitslosenversicherung, das Reformkonzept, die Auswirkungen auf Unternehmensseite und den Wettbewerb, die Einflüsse auf die Arbeitnehmerseite sowie die notwendigen Neuausrichtungen der Personalpolitik.
Wichtige Begriffe sind insbesondere: Kosteninternalisierung, Experience Rating, Risikoquotient, Beschäftigungsanpassung, Wettbewerbsverzerrung und Sozialauswahl.
Unternehmen werden basierend auf einem Risikoquotienten in Risikoklassen eingestuft. Unternehmen, die vergleichsweise hohe Kosten für die Arbeitslosenversicherung verursachen, müssen höhere Beiträge abführen, während kostengünstigere Unternehmen entlastet werden.
Risikoklassen dienen als Einordnungssystem. Sie begrenzen das Risiko der Beitragsschwankungen für Unternehmen, indem sie Unter- und Obergrenzen festlegen, um extreme Belastungen bei Konjunkturkrisen abzufedern.
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