Bachelorarbeit, 2012
77 Seiten, Note: 2,0
1 Einleitung
1.1 Geschichtlicher Einblick – von der Hospizidee zu Palliative Care
1.2 Motivation zur Themenwahl
1.3 Fragestellung und Zielformulierung
1.4 Methodenwahl, Vorgehensweise und Gliederung der vorliegenden Arbeit
2 Ausgangssituation stationäre Altenhilfe
2.1 Demografische Veränderungen und Pflegebedürftigkeit
2.2 Situation der Bewohnerinnen und Bewohner
2.2.1 Menschen mit Demenz
2.3 Bedürfnisse von Menschen in der letzten Lebensphase
2.3.1 Bedürfnisse von Menschen mit Demenz
3 Organisationskultur
3.1 Begriffsbestimmung Kultur
3.2 Begriffsbestimmung Organisationskultur
3.3 Kulturwandel
3.3.1 Kulturwandel in den Einrichtungen der stationären Altenhilfe
3.3.2 Kulturwandel im Umgang mit Sterben, Tod und Trauer
4 Grundlagen hospizlichen und palliativen Denkens
4.1 Definition
4.1.1 Abgrenzung Palliative Care zu kurativer Therapie
4.2 Betreuungs- und Versorgungskonzept und Prinzipien hospizlichen und Palliativen Denkens
4.2.1 Prinzipien hospizlichen und palliativen Denkens
4.3 Wichtige Aspekte
4.3.1 Symptom- und Schmerzlinderung
4.3.2 Lebensqualität
4.3.3 Spirituelle Begleitung
4.3.4 Einbezug von Angehörigen und Bezugspersonen
4.4 Autonomie und Selbstbestimmung im Kontext von ethischen Fallbesprechungen
5 Reflektierte Betrachtung
5.1 Reflektierte Betrachtung der Definition der WHO
5.2 Reflektierte Betrachtung zentraler Erkenntnisse
5.3 Gesamtbetrachtung und Schlussfolgerung
6 Zielüberprüfung
7 Fazit und Ausblick
Das Hauptziel dieser Arbeit ist es, die Notwendigkeit und Implementierung einer Hospiz- und Palliativkultur in stationären Altenhilfeeinrichtungen zu untersuchen, mit besonderem Fokus auf die Versorgung von Menschen mit Demenz in ihrer letzten Lebensphase.
3.3.2 Kulturwandel im Umgang mit Sterben, Tod und Trauer
In der Thematik im Umgang mit Sterben, Tod und Trauer ist ein Kulturwandel ersichtlich. Aufgrund des rasanten medizinischen Fortschritts, sei der Umgang mit Sterben, Tod und Trauer verwildert, wie Ariès sich ausdrückt. Er nennt hierzu drei Kennzeichen. Dies wäre zum einen das Verheimlichen und Isolieren des Todes. Das Sterben wird zunehmend den Blicken der Öffentlichkeit entzogen. Laut den Angaben des Statistischen Bundesamtes starben Männer im Jahr 2010 mit durchschnittlich 73,5 Jahren und Frauen mit 81,0 Jahren (vgl. Statistisches Bundesamt 2012b). Die Datenbasis für die Untersuchung der Sterbeorte ist in Deutschland schwierig zu rekonstruieren. In den Verzeichnissen der statistischen Bundesämter wird zwar die Todesursache, jedoch nicht der Sterbeort verzeichnet (vgl. Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend 2002, S. 266-267). Der Sterbeort vieler Menschen findet nicht mehr in der Geborgenheit der Familie statt, sondern im Krankenhaus (über 50%) oder in einer vollstationären Einrichtung (circa 20-30%) (vgl. Wilkening, Kunz 2005, S. 17; vgl. Kostrzewa, Gerhard 2010, S. 31). Circa 90% der Bewohnerinnen und Bewohner verbringen ihre letzte Lebensphase in der Einrichtung der stationären Altenhilfe.
Ein zweites Kennzeichen wäre das Belügen und Entmündigen der Menschen in der letzten Lebensphase. Es nimmt einen Teil der Würde des Menschen, wenn versucht wird den bevorstehenden Tod zu verheimlichen. Man geht davon aus, dass Menschen in der letzten Lebensphase nicht reif genug sind ihr eigenes Sterben zu erleben.
Ein drittes Kennzeichen wäre die Abschaffung der Trauer. Ebenso wie das Sterben keinen Platz im familiären Umfeld, innerhalb der Öffentlichkeit findet, genauso hat die Trauer ihren Platz verloren. Die Gesellschaft fordert von den Trauernden eine zügige Normalität. Eine Forderung, die kaum zu bewerkstelligen ist. Die Isolation und Anonymisierung der Thematik lässt Angehörige und Bezugspersonen der Bewohnerinnen und Bewohner in Ängste flüchten und verwildern. Auch Rituale und Religiosität verlieren ihren Stellenwert. Diese genannten Veränderungen und die Hochleistungsmedizin, die jede Krankheit bekämpfen muss, führen zu einer zunehmenden Delegation des Sterbens (Akutkliniken) und Isolierung in stationäre Einrichtungen. Die Menschen in der letzten Lebensphase vereinsamen (vgl. Student, Napiwotzky 2007, S. 5-6; Weissenberger-Leduc 2009, S. 3-4; vgl. Ewers, Schaeffer 2005, S. 9). Pleschberger weist auch daraufhin, dass der Umgang mit Sterben und Tod in den Einrichtungen der stationären Altenhilfe weitgehend unorganisierte Prozesse ablichtet. Die Versorgung und Betreuung von Menschen in der letzten Lebensphase bleibt weitgehend dem Zufall überlassen (vgl. Pleschberger 2005 in Heller, Wegleitner 2007, S. 74).
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Relevanz der Hospiz- und Palliativkultur in stationären Altenhilfeeinrichtungen ein und umreißt die wachsende Bedeutung einer professionellen Betreuung am Lebensende, besonders bei Demenz.
2 Ausgangssituation stationäre Altenhilfe: Das Kapitel analysiert die demografischen Entwicklungen und die spezifische Pflegesituation, wobei die hohe Prävalenz von Multimorbidität und Demenz unter den Bewohnern verdeutlicht wird.
3 Organisationskultur: Hier wird der Kulturbegriff auf Organisationen angewandt, um zu zeigen, dass ein grundlegender Wandel der täglichen Arbeitsrealitäten und des Umgangs mit dem Sterben für die Etablierung palliativer Strukturen unerlässlich ist.
4 Grundlagen hospizlichen und palliativen Denkens: Es werden die zentralen Prinzipien wie radikale Bewohnerorientierung, Interdisziplinarität und Symptomlinderung detailliert erörtert, um eine ganzheitliche pflegerische Haltung zu begründen.
5 Reflektierte Betrachtung: In diesem Kapitel werden die theoretischen Erkenntnisse mit der praktischen Ausgangslage verknüpft, um zu einer fundierten Gesamtbetrachtung und Schlussfolgerung über die Notwendigkeit der Hospizkultur zu gelangen.
6 Zielüberprüfung: Die Arbeit überprüft, ob das Ziel erreicht wurde, die Notwendigkeit der Hospiz- und Palliativkultur bei der Betreuung von Menschen mit Demenz nachzuweisen.
7 Fazit und Ausblick: Das Fazit unterstreicht die Rolle der Organisation als Ganzes beim Kulturwandel und bietet einen Ausblick auf künftige Forschungsbedarfe, etwa in der geschlechtersensiblen Pflege.
Hospizkultur, Palliativkultur, stationäre Altenhilfe, Palliative Care, Demenz, Lebensqualität, Organisationskultur, Total Pain, Bewohnerorientierung, ethische Fallbesprechung, Sterbebegleitung, interdisziplinäres Team, Multimorbidität, Spiritualität, Würde
Die Arbeit untersucht, wie stationäre Altenhilfeeinrichtungen ihre Organisationskultur weiterentwickeln müssen, um den spezifischen Bedürfnissen sterbender Menschen, insbesondere solcher mit einer Demenzerkrankung, gerecht zu werden.
Die Schwerpunkte liegen auf Palliative Care in der Geriatrie, dem Wandel der Organisationskultur, der Rolle der Biografiearbeit sowie der ethischen Entscheidungsfindung in der Langzeitpflege.
Das Ziel ist der Nachweis, dass eine ganzheitliche Hospiz- und Palliativkultur unabdingbar ist, um die Lebensqualität von Bewohnern in der letzten Lebensphase nachhaltig zu sichern.
Die Arbeit basiert auf einer umfassenden Literaturrecherche, bei der aktuelle Fachdiskussionen, Konzepte und Studienergebnisse aus der pflegewissenschaftlichen Forschung kritisch reflektiert werden.
Der Hauptteil gliedert sich in die Ausgangsanalyse der Altenhilfe, die theoretische Herleitung der Organisationskultur, die Grundlagen hospizlichen Denkens sowie die reflektierte Verknüpfung dieser Aspekte mit der Praxis.
Wesentliche Begriffe sind Hospiz- und Palliativkultur, stationäre Altenhilfe, Lebensqualität, Demenz, radikale Bewohnerorientierung und ethische Fallbesprechungen.
Menschen mit Demenz weisen durch ihre eingeschränkte Kommunikationsfähigkeit eine besondere Verletzlichkeit auf, die ein verstärktes Augenmerk auf nonverbale Signale, biografische Arbeit und den Einbezug von Angehörigen erforderlich macht.
Die Autorin argumentiert, dass ein bloßes Konzept nicht ausreicht; vielmehr muss die gesamte Einrichtung einen Wandel vollziehen, bei dem eine hospizliche Grundhaltung zur gelebten Realität aller Mitarbeiter wird.
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