Diplomarbeit, 2008
107 Seiten, Note: 1,0
Die Diplomarbeit befasst sich mit dem Musikleben im Konzentrationslager Theresienstadt in der Zeit von 1941 bis 1945 und analysiert exemplarisch die Bedeutung der Kinderoper Brundibår von Hans Kråsa für das Theresienstädter Musikleben. Die Arbeit untersucht, ob die musizierenden Häftlinge in Theresienstadt das Kulturleben nutzten, um in eine Scheinwelt zu entfliehen oder ob sie durch ihr Musizieren ein Lebensbedürfnis verwirklichten, um sich ihr Mensch-Sein bewahren zu können.
Das erste Kapitel bietet einen historischen Abriss über die Errichtung des "Protektorats Böhmen und Mähren" und die Geschichte des Konzentrationslagers Theresienstadt. Es werden die Organisationsstrukturen und die Lebensbedingungen in Theresienstadt beleuchtet, wobei der Fokus auf die jüdische Selbstverwaltung und ihre Rolle im Lageralltag liegt.
Das zweite Kapitel befasst sich mit dem Komponisten Hans Kråsa und der Entstehungsgeschichte der Kinderoper Brundibår. Es werden Kräsas Kompositionen, insbesondere Orchestergrotesken, Verlobung im Traum und Brundibår, analysiert und die beiden existierenden Fassungen der Kinderoper verglichen. Das Kapitel beleuchtet auch die Rezeptionsgeschichte von Brundibår nach 1945.
Das dritte Kapitel analysiert das Musikleben in Theresienstadt in vier Phasen: Die anfänglichen illegalen Aktivitäten, die Phase der Duldung durch die SS-Lagerleitung, die offizielle Förderung des Kulturlebens durch die Nationalsozialisten und schließlich die Unterdrückung des kulturellen Lebens im Herbst 1944. Das Kapitel beleuchtet den Besuch des Internationalen Roten-Kreuz-Komitees, die Filmarbeiten zu dem NS-Propagandafilm "Theresienstadt. Ein Dokumentarfilm aus dem jüdischen Siedlungsgebiet" und die Bedeutung der Kinderoper Brundibår für die Kinder in Theresienstadt. Es enthält außerdem ein Interview mit Eva Herrmannovå, die als Kind in Theresienstadt lebte und im Chor von Brundibår mitgesungen hat.
Die Schlüsselwörter und Schwerpunktthemen des Textes umfassen das Konzentrationslager Theresienstadt, das Musikleben im Lager, die Kinderoper Brundibår von Hans Kråsa, die jüdische Selbstverwaltung, die Funktion des Kulturlebens als Scheinwelt oder Notwendigkeit, die politische Dimension des Kulturlebens und die Rolle der Musik als Ausdruck von Widerstand und Überlebenswillen. Der Text beleuchtet die Bedeutung der Musik für die Häftlinge in Theresienstadt und analysiert die Ambivalenz des kulturellen Lebens im Lager.
„Brundibár“ von Hans Krása wurde über 50 Mal aufgeführt und war ein zentrales Symbol für den Lebenswillen und die Bewahrung der Menschlichkeit der inhaftierten Kinder und Erwachsenen.
Es war ambivalent: Einerseits nutzten die Nationalsozialisten es für Propagandazwecke (z.B. beim Rotkreuz-Besuch), andererseits war es für die Häftlinge eine überlebensnotwendige Notwendigkeit, um ihre Identität zu schützen.
Hans Krása war ein jüdisch-tschechischer Komponist, der nach Theresienstadt deportiert wurde. Dort war er maßgeblich am Musikleben beteiligt, bevor er 1944 in Auschwitz ermordet wurde.
Das Lager wurde als „jüdisches Siedlungsgebiet“ und Vorzeigelager inszeniert. Ein Propagandafilm sollte der Welt ein friedliches kulturelles Leben vorgaukeln, um von den Deportationen abzulenken.
Die Selbstverwaltung (Ältestenrat) organisierte die „Freizeitgestaltung“, was den Musikern ermöglichte, Proben und Aufführungen unter extrem erschwerten Bedingungen durchzuführen.
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