Masterarbeit, 2013
33 Seiten, Note: 5 (Schweiz)
Laptopmusikerin
Klang (ohne) Körper
Mensch und Maschine
Roboterwesen
Embodiment
Musikerin oder Performerin?
Wachsen, Werden
Neuer (Arbeits-)Raum
Epilog
Die Arbeit untersucht die künstlerische Praxis einer Laptopmusikerin im Kontext der Performance Art, um Strategien zu entwickeln, die dem Phänomen der fehlenden Körperlichkeit in der elektronischen Live-Musik entgegenwirken und eine stärkere Unmittelbarkeit im künstlerischen Ausdruck zu ermöglichen.
Mensch und Maschine
Ich selber musizierte auf eine Art und Weise, die der Haltung von Tim Perkis, einem Pionier der Computer- und Netzwerkmusik aus der experimentellen Musikszene der San Francisco Bay Area sehr nahe kam. In seinem Artikel Volksmusiker im Silicon Valley, Computertechnologie als Verstärker von Visionen4 schreibt er zu seinem Musikmachen mit Freunden:
Wir haben die Digitaltechnik als eine Quelle der Komplexität, als eine Quelle der Unvorhersagbarkeit, als ein Mittel zur Erschaffung von Systemen betrachtet, die verlässlich interessantes Verhalten an den Tag legen würden. Wir wollten sie in unsere bestehenden sozialen/improvisatorischen/elektronischen Netzwerke einbauen, um ihr Gesamtverhalten intelligenter und interessanter zu gestalten. (...) Die Musik wurde nie so gesehen, dass sie im Computer stattfindet. In unserer Verwendung war der Computer ein Bestandteil innerhalb eines Netzwerks, das aus Personen, anderen Instrumenten und anderen elektronischen Geräten bestand.
Weiter schreibt Tim Perkis auf seiner Website zur seiner künstlerischen Arbeit mit Computern:
I like to consider human-machine interaction as a new form of social interaction. What's interesting to me about computers is their ability to serve as a framework for embodying systems offering complexity and surprise. Unpredictability is what makes social life so interesting, it is what makes art so interesting, and it's what can make computers, as partners in art making, interesting. I don't use computers to simply carry out ideas I may have: I'd rather work in situations that force me to respond to surprises that are dealt to me by systems whose complexity and unpredictability are so high that their behavior can not be known in advance. All of my computer based art work has been concerned with creating social (or synthetic social) situations, which have enough complexity to behave like real life: in fact, to be real life of some new kind.
Laptopmusikerin: Reflexion über die eigene Rolle als Laptopmusikerin, die ihre musikalische Identität zwischen technischer Echtzeit-Manipulation und freier Improvisation verortet.
Klang (ohne) Körper: Auseinandersetzung mit dem Diskurs über die fehlende physische Präsenz und die instrumentale Sichtbarkeit in der zeitgenössischen elektronischen Musik.
Mensch und Maschine: Untersuchung der Mensch-Maschine-Beziehung als kooperatives, soziales System, das auf Unvorhersehbarkeit und komplexer Interaktion basiert.
Roboterwesen: Analyse der autonomen Ästhetik von Robotern und deren Einfluss auf das eigene Verständnis von Performanz und Identität.
Embodiment: Theoretische Vertiefung der Begriffe Verkörperung und Materialität, basierend auf kognitionswissenschaftlichen und medientheoretischen Ansätzen.
Musikerin oder Performerin?: Gegenüberstellung von musikalischer Darbietung und Performance Art mit dem Fokus auf Unmittelbarkeit und körperliche Präsenz.
Wachsen, Werden: Darstellung der Vision eines organischen, künstlerischen Wachstums, das die Verbindung zwischen Mensch und technischem Instrument symbolisiert.
Neuer (Arbeits-)Raum: Zusammenführung der theoretischen Konzepte zu einem experimentellen Arbeitssetting, das den Laptop als Teil einer atmosphärischen, ereignisorientierten Aufführung begreift.
Epilog: Persönliche Reflexion an einem praktischen Fallbeispiel, das als Inspiration für das neue Masterprojekt dient.
Laptopmusik, Performance Art, Embodiment, Mensch-Maschine-Interaktion, Unmittelbarkeit, Feedbackschleife, Körperlichkeit, Künstliche Intelligenz, Ästhetik des Performativen, Instant Composing, Atmosphärische Wirkung, Instrumentales Interface, Elektronische Musik, Bühnenpräsenz, Künstlerische Praxis.
Die Arbeit reflektiert die künstlerische Entwicklung von einer Musikerin, die vornehmlich am Laptop agiert, hin zu einer Performerin, die durch neue Konzepte von Körperlichkeit und Raum eine stärkere Unmittelbarkeit bei Live-Auftritten erreicht.
Zentrale Themen sind die menschliche Präsenz in der technisierten Musikproduktion, die ästhetische Gestaltung von Aufführungsräumen, das Konzept des "Dazwischen" sowie die theoretische Fundierung durch performance-theoretische Ansätze.
Ziel ist es, Strategien zu finden, um die Distanz zwischen Musikerin, Computer und Publikum durch eine bewusste Inszenierung von Körperlichkeit und Atmosphäre zu überbrücken und so ein intensiveres künstlerisches Ereignis zu schaffen.
Die Arbeit nutzt die künstlerische Selbstreflexion und die fundierte Auseinandersetzung mit theater- und performancetheoretischen Standardwerken, um die eigene musikalische Praxis theoretisch einzuordnen und künstlerisch weiterzuentwickeln.
Der Hauptteil befasst sich mit der Analyse der Mensch-Maschine-Kooperation, der Bedeutung von Körperlichkeit in der Musik und der Anwendung performativer Konzepte wie Feedbackschleifen und atmosphärischer Raumgestaltung.
Die Arbeit ist maßgeblich durch Begriffe wie Embodiment, Performance Art, Laptopmusik, Unmittelbarkeit und die ästhetische Gestaltung von Ereignissen geprägt.
Die Feedbackschleife beschreibt nach Erika Fischer-Lichte die dynamische Wechselbeziehung zwischen Akteuren und Publikum, die eine Aufführung zu einem autopoietischen Ereignis macht, das nicht vollständig steuerbar ist.
Das Eiswesen dient als Inspiration für das Masterprojekt "bar jeder Absicht", da sein zufälliger und unkontrollierter Entstehungsprozess die Idee einer organischen Verbindung von Mensch und technischem System im performativen Kontext versinnbildlicht.
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