Doktorarbeit / Dissertation, 2013
303 Seiten
Einleitung
Kapitel I: Die Naturproblematik beim jungen Feuerbach
1.1 Feuerbachs Naturkonzeption im Rahmen des Pantheismus
1.2 Der panlogistische Idealismus Feuerbachs - Die allgemeine Vernunft als Basis der Einheit von Mensch und Natur
1.3 Die Wende zur Natur- Die Natur als Ausdruck des Lebens und des Todes
1.4 Der Weg von der Natur zum Geist als Idealisierung derselben
1.5 Die Zurücknahme des Dualismus von Geist und Natur
1.5.1 Der Blick Feuerbachs auf die neuzeitliche Naturphilosophie in der Schrift „Geschichte der neuern Philosophie von Bacon von Verulam bis Benedikt Spinoza“
1.5.2 Spinoza: Gott und Natur - Dualismus oder Einheit?
1.5.3 Feuerbachs Interpretation des Leibnizschen Prinzips der Selbsttätigkeit der Monade als Vorstellung der Einheit von Geist und Materie
Kapitel II: Feuerbachs Sicht der Natur in Auseinandersetzung mit der spekulativen Philosophie und der christlichen Theologie
2.1 Die Reaktion auf Hegel - Die Kritik des dialektischen Weges des Denkens
2.2 Feuerbachs Beitrag zu einer Reform und Erneuerung der Philosophie
2.3 Die Umkehrung des abstrakten Denkens auf die Natur und die menschliche Wirklichkeit
2.4 Die Rehabilitation der Sinnlichkeit als Brücke zwischen Mensch und Natur
2.5 Die Naturfeindlichkeit des Christentums
Kapitel III: Die Natur als materielle Basis der Ethik - Zum Zusammenhang zwischen Notwendigkeit und Freiheit in den Spätwerken Feuerbachs
3.1 Der Werdegang des Denkens Feuerbachs - Seine Zuflucht zur Natur
3.2 Die Priorität, Unabhängigkeit und Selbständigkeit der Natur
3.3 Das Abhängigkeitsgefühl des Menschen gegenüber der Natur
3.3.1 Der Egoismus als positive Bejahung des Menschen
3.3.2 Die Natur als ein sichtbares, sinnliches Seiendes
3.3.3 Feuerbachs Kritik an der teleologischen Naturauffassung
3.3.4 Die Humanisierung der Natur
3.4 Der Wille innerhalb der Grenzen der Natur
3.5 Der Glückseligkeitstrieb als Gegenstand des Willens
Schluss und Kritik
Diese Arbeit untersucht die bisher unzureichend erforschte Naturauffassung in Ludwig Feuerbachs Philosophie. Die zentrale Forschungsfrage ist, inwiefern Feuerbach die Autonomie der Natur als Korrektiv gegenüber Religion und spekulativer Philosophie einsetzt und welche Bedeutung er der materiellen Natur als Grundlage menschlicher Existenz zuschreibt.
Die Abwesenheit der Natur in seinem Hauptwerk
Die Abwesenheit der Natur in seinem Hauptwerk kann folgendermaßen erklärt werden: Sie resultiert aus seiner Beschäftigung mit dem Christentum, das die Natur ignoriert, und an dessen Spitze ein persönlicher Gott steht, der durch „blosses Denken“ und „Wollen“ die Natur, die Welt schafft. Die Natur wird nicht als solche betrachtet; sie erfährt hier keine selbständige Behandlung, da es im Christentum keine Selbständigkeit der Natur gibt. Der Kern des Christentums ist also nicht Gott in der Natur, sondern ist vielmehr unbegrenzt, frei von ihr und steht über ihr; der Christ erfährt die Natur, ihre Notwendigkeit und ihre ewigen, immerwährenden Gesetzmäßigkeiten, nur als unüberwindbare Schranke, die seinem Anspruch einer körperlosen, übernatürlichen und unsinnlichen Existenz entgegensteht.
Einleitung: Vorstellung der Hypothese, dass Feuerbach die Autonomie der Natur als Korrektiv zu Theismus und Idealismus nutzt, und Einordnung in den Forschungsstand.
Kapitel I: Die Naturproblematik beim jungen Feuerbach: Analyse der Frühschriften, in denen Feuerbach die Natur zunächst aus einer pantheistischen Perspektive betrachtet, um den Dualismus von Geist und Natur zu überwinden.
Kapitel II: Feuerbachs Sicht der Natur in Auseinandersetzung mit der spekulativen Philosophie und der christlichen Theologie: Untersuchung von Feuerbachs Bruch mit Hegel und der christlichen Theologie, wobei die Sinnlichkeit als Brücke zwischen Mensch und Natur rehabilitiert wird.
Kapitel III: Die Natur als materielle Basis der Ethik - Zum Zusammenhang zwischen Notwendigkeit und Freiheit in den Spätwerken Feuerbachs: Betrachtung der Spätwerke, in denen die Natur als fundamentale Basis für das Abhängigkeitsgefühl des Menschen und damit als materielle Grundlage der Ethik etabliert wird.
Schluss und Kritik: Zusammenfassende Bewertung der Ergebnisse und kritische Einordnung von Feuerbachs Position im Vergleich zum Marxschen Materialismus.
Ludwig Feuerbach, Naturauffassung, Sinnlichkeit, Autonomie der Natur, Religionskritik, Idealismus, Hegelsche Philosophie, Materie, Anthropologie, Gott, Endlichkeit, Notwendigkeit, Ethik, Glückseligkeitstrieb, Leiblichkeit.
Die Arbeit untersucht die philosophische Naturauffassung von Ludwig Feuerbach und deren Entwicklung von der frühen bis zur späten Schaffensphase.
Zentrale Themen sind die Kritik am Theismus und Idealismus, die Rehabilitation der Sinnlichkeit, das Verhältnis von Mensch und Natur sowie die Fundierung einer Ethik auf materieller Basis.
Ziel ist es aufzuzeigen, dass die Natur bei Feuerbach eine zentrale, wenn auch oft unterschätzte Rolle spielt, indem sie als unabhängige Instanz die Spekulation und religiöse Phantasie korrigiert.
Die Arbeit basiert auf einer immanenten Interpretation der Hauptschriften Feuerbachs, ergänzt durch eine systematische Analyse der philosophischen Zusammenhänge.
Der Hauptteil analysiert die Entwicklung Feuerbachs Denken: von den pantheistischen Frühschriften über die kritische Auseinandersetzung mit Hegel und der Theologie bis hin zur Begründung der Ethik durch die Abhängigkeit von der Natur.
Wichtige Begriffe sind Natur, Sinnlichkeit, Endlichkeit, Egoismus, Anthropologie und die Kritik an der spekulativen Philosophie.
Feuerbach identifiziert Gott in den Spätwerken zunehmend als eine Projektion des menschlichen Wesens, während er die Natur als das primäre, unabgeleitete und materielle Sein definiert, das allen menschlichen Vorstellungen zugrunde liegt.
Die Sinnlichkeit ist für Feuerbach der entscheidende Zugang zur Wirklichkeit und das Kriterium, das den Menschen mit der Natur verbindet und ihn als leibliches Wesen ausweist, entgegen der abstrakten Konstruktionen des Idealismus.
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