Bachelorarbeit, 2013
20 Seiten, Note: 5.5 Schweiz / 1.5 Deutschland
1 Vorwort
2 Unschärfe in der Kunst
2.1 Anfänge der Unschärfe in der Malerei und Bildhauerei
2.2 Anfänge der Unschärfe in der Fotografie
3 Gerhard Richters unscharfe Malerei
3.1 Gerhard Richter und die Rote-Armee-Fraktion
3.2 Unschärfe im Oktober-Zyklus
4 Biographie und Werkübersicht von Gerhard Richter
5 Schlusswort
Diese Bachelor-Thesis untersucht das Phänomen der Unschärfe in der Malerei am konkreten Beispiel von Gerhard Richters „Oktober-Zyklus“. Das Ziel der Arbeit ist es, die ästhetische und inhaltliche Bedeutung der bewussten Verwischung in Richters Auseinandersetzung mit der Geschichte der Rote-Armee-Fraktion zu analysieren und aufzuzeigen, wie diese Technik zur Reflexion über Wahrnehmung und Wirklichkeit beiträgt.
3.2 UNSCHÄRFE IM OKTOBER-ZYKLUS
Gerhard Richter wendet auch im Oktober-Zyklus seine charakteristische Art der Fotomalerei an. Über Verwischung der Ölfarbe wird das grossformatig abgemalte Foto unterschiedlich stark verunklärt, die Konturen der Bildfiguren verschwinden. Richters Bilder weisen ungerichtete, horizontale oder vertikale Verwischungen auf. Der Künstler hat die Formate unterschiedlich gewählt, die Serie wird vor allem durch einheitliche Grautöne zusammengehalten. Dies erinnert an die damaligen Möglichkeiten der Medien, die noch das meiste schwarz-weiss drucken mussten.
Beim Oktober-Zyklus lässt sich gut beobachten, dass Richter bewusst mit der Intensität der Verwischung spielt. Je stärker das Bild verwischt ist, desto wichtiger werden die malerischen Mittel und somit tritt das Motiv eher in den Hintergrund. Starke Verwischungen sind bei „Festnahme 1“, „Festnahme 2“, „Erhängte“ und „Zelle“ offensichtlich. Womöglich, weil Orte für Festnahmen oder Zellen beliebig sein könnten. Hingegen bei den Portraits wählte Richter eine dezentere Art der Verwischung, hier scheint das Erkennen der abgebildeten Personen wichtiger. Am wenigsten verwischt ist das „Jugendbildnis“ von Ulrike Meinhof, hier unterstützt die zarte Verwischung, oder eher Weichzeichnung, den „Eindruck von Jugend und Zartheit der Dargestellten“.
1 Vorwort: Die Autorin legt ihr persönliches Interesse an der Unschärfe in der Kunst dar und definiert das Ziel, Gerhard Richters „Oktober-Zyklus“ auf seine künstlerische und inhaltliche Verwischung hin zu untersuchen.
2 Unschärfe in der Kunst: Dieses Kapitel gibt einen historischen Abriss über die Verwendung von Unschärfe in der Malerei seit der Renaissance sowie deren Ursprünge und Akzeptanz in der Fotografie.
3 Gerhard Richters unscharfe Malerei: Es wird der biographische Hintergrund Richters zur Rote-Armee-Fraktion beleuchtet und die spezifische malerische Umsetzung der Unschärfe in seinem „Oktober-Zyklus“ analysiert.
4 Biographie und Werkübersicht von Gerhard Richter: Diese Sektion bietet einen Überblick über den Lebensweg des Künstlers, seine stilistische Entwicklung von der Fotomalerei bis hin zu abstrakten Werken und seine Auseinandersetzung mit verschiedenen Medien.
5 Schlusswort: Die Autorin fasst zusammen, dass die Unschärfe bei Richter als Mittel dient, um die Komplexität der Wirklichkeit zu hinterfragen und eine ästhetische Einheit zwischen historischer Thematik und malerischer Form zu erzeugen.
Unschärfe, Gerhard Richter, Oktober-Zyklus, Rote-Armee-Fraktion, Fotomalerei, Verwischung, Malerei, Wahrnehmung, Wirklichkeit, Ästhetik, Zeitgeschichte, Distanz, Historienmalerei, Kunstgeschichte, Fotografie
Die Arbeit beschäftigt sich mit der künstlerischen Technik der Unschärfe und deren Anwendung bei Gerhard Richter, insbesondere im Kontext seines „Oktober-Zyklus“, der sich mit der RAF auseinandersetzt.
Zentrale Themen sind die historische Entwicklung der Unschärfe in der Kunstgeschichte, die Verknüpfung von Fotografie und Malerei sowie die malerische Verarbeitung traumatischer historischer Ereignisse.
Das Ziel ist es, zu untersuchen, warum Richter die Technik der Verwischung bei der Darstellung des „Oktober-Zyklus“ wählte und welche ästhetische sowie inhaltliche Wirkung diese Entscheidung beim Betrachter erzielt.
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse sowie einer formal-ästhetischen Werkanalyse der Gemälde des „Oktober-Zyklus“ und einer Verknüpfung mit biographischen Hintergründen.
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Einordnung der Unschärfe, eine Analyse von Richters Bezug zur RAF und eine tiefgehende Untersuchung der formalen Gestaltungsmittel im „Oktober-Zyklus“.
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Unschärfe, Fotomalerei, Rote-Armee-Fraktion, Verwischung, Wahrnehmung und Historienmalerei charakterisiert.
Die Autorin argumentiert, dass Richter hier eine dezentere Weichzeichnung wählt, um den Eindruck von Jugend und Zartheit der dargestellten Person stärker hervorzuheben.
Die Unschärfe schafft eine visuelle Distanz zwischen dem Betrachter und dem schmerzhaften Inhalt des Bildes, was laut der Arbeit zu einer permanenten dialektischen Spannung zwischen Faszination und Abscheu führt.
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