Bachelorarbeit, 2011
65 Seiten, Note: 1,5
Philosophie - Praktische (Ethik, Ästhetik, Kultur, Natur, Recht, ...)
1. Einleitende Bemerkungen
2. Diagnostische Verfahren im Vorfeld und während einer Schwangerschaft
2.1 Anmerkungen zur Pränataldiagnostik
2.2 Anmerkungen zur Präimplantationsdiagnostik
3. „In dubio pro embryone?“ – Zur Diskussion um die PID anhand der Frage nach der Wertigkeit der dabei anfallenden Embryonen
3.1 Frühe Positionen innerhalb der Evangelischen Kirche Deutschlands
3.2 Robert Spaemann als Kantianer und Katholik
3.3 Die Position der deutschen Bischofskonferenz: In dubio pro vita
3.4 „Und sie bewegt sich nicht“ – Das katholische Verständnis des Embryonenschutzes als monolithische Größe
3.5 Naturwissenschaftliche Überlegungen gegen katholische Verlautbarungen ( 1. Säkulare Gegenposition)
3.6 „Und sie bewegt sich doch“ – Meinungsvielfalt und Kurskorrekturen in der Evangelischen Kirche
4. Säkulare Positionen innerhalb der Debatte um die rechtliche Zulassung der PID
4.1 Zum Begriff der Säkularisierung
4.2 Der Deutsche Ethikrat: Die reproduktive Selbstbestimmung als umstrittene Größe
4.3 Alice Schwarzer und Eva Menasse: Die reproduktive Selbstbestimmung als kategorische Größe
4.4 Die Humanistische Union: Die Verteidigung der Mutter- und Elternrechte als Kernanliegen innerhalb der PID-Debatte
4.5 Die Giordano Bruno Stiftung: Vom Schlagwort zur rationalen Argumentation im Rahmen der PID-Debatte
4.5.1 Zum Selbstverständnis der Giordano Bruno Stiftung
4.5.2 Abgrenzung der Giordano Bruno Stiftung zu religiösen Positionen und zum Deutschen Ethikrat
5. Schlussbetrachtungen oder „Der Mensch entdeckt sich, wenn er sich an Widerständen misst.“
Die Arbeit analysiert die ethische Debatte über die Präimplantationsdiagnostik (PID) in Deutschland, indem sie religiös geprägte Positionen (insbesondere der christlichen Großkirchen) den säkularen und humanistischen Argumentationslinien gegenüberstellt. Die zentrale Forschungsfrage untersucht, wie die unterschiedlichen Auffassungen vom Status des Embryos und vom Recht auf reproduktive Selbstbestimmung begründet werden und ob eine Annäherung dieser Positionen möglich ist.
Die Vielschichtigkeit und Komplexität menschlicher Reaktionsmuster
Die Vielschichtigkeit und Komplexität menschlicher Reaktionsmuster während der Durchführung pränataler diagnostischer Maßnahmen wird durch beide Erfahrungsberichte ansatzweise verdeutlicht. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung betont nach der Auswertung von drei Modellprojekten „die Notwendigkeit psychosozialer Beratung“ als „ein Muss bei pathologem fetalen Befund“ und stellt fest, dass „Niedergeschlagenheit, ausgeprägtes Grübeln, innere Unruhe, Verzweiflung, aber auch das Gefühl hin und her gerissen zu sein, Unwirklichkeitsgefühle oder innere Gefühllosigkeit“ zu den auffälligsten Symptomen während dieser belastenden Zeit gehören. Die Belastungsvielfalt ist hoch, ebenso wie die Belastungsstärke für die Ratsuchenden, was in gleicher Weise für Frauen und Paare gilt, die die Möglichkeit, aber auch die Anforderungen der PID für sich in Anspruch nehmen.
1. Einleitende Bemerkungen: Einführung in das Thema anhand einer kulturgeschichtlichen Lektüre sowie Darlegung des Spannungsfeldes zwischen religiöser Tradition und moderner bioethischer Forschung.
2. Diagnostische Verfahren im Vorfeld und während einer Schwangerschaft: Erläuterung der gängigen medizinischen Methoden wie Pränataldiagnostik und PID sowie Analyse der damit verbundenen psychosozialen Belastungen für Eltern.
3. „In dubio pro embryone?“ – Zur Diskussion um die PID anhand der Frage nach der Wertigkeit der dabei anfallenden Embryonen: Untersuchung kirchlicher Positionen und theologischer Argumente zum Schutz des Embryos sowie deren teils kritische Auseinandersetzung mit der PID.
4. Säkulare Positionen innerhalb der Debatte um die rechtliche Zulassung der PID: Darstellung nicht-religiöser Ansätze, darunter die Perspektiven des Deutschen Ethikrates, feministischer Stimmen und der Giordano Bruno Stiftung zur ethischen Rechtfertigung der PID.
5. Schlussbetrachtungen oder „Der Mensch entdeckt sich, wenn er sich an Widerständen misst.“: Fazit zur Notwendigkeit des interdisziplinären Dialogs und Einordnung der bioethischen Debatte in den Kontext einer säkularen, multioptionalen Gesellschaft.
Präimplantationsdiagnostik, PID, Pränataldiagnostik, Embryonenschutz, Medizinethik, Säkularisierung, reproduktive Selbstbestimmung, christliches Menschenbild, Giordano Bruno Stiftung, Menschenwürde, Bioethik, Stammzellenforschung, Familienplanung, Ethikrat, Embryoselektion.
Die Arbeit befasst sich mit der ethischen Kontroverse um die Zulassung und Anwendung der Präimplantationsdiagnostik (PID) in Deutschland.
Zentrale Themen sind der Schutzstatus menschlicher Embryonen, das Recht auf reproduktive Selbstbestimmung und das Spannungsverhältnis zwischen religiösen Überzeugungen und säkularer Wissenschaftsethik.
Das Ziel ist es, die Argumentationslinien von kirchlichen Vertretern und säkularen Interessensgruppen gegenüberzustellen, um die moralischen Grundannahmen hinter den jeweiligen Forderungen zur PID-Zulassung offenzulegen.
Die Arbeit nutzt eine deskriptive und vergleichende Analyse von Stellungnahmen, publizistischen Debattenbeiträgen und offiziellen Positionspapieren der beteiligten Akteure.
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Analyse religiös-theologischer Sichtweisen zum Lebensschutz einerseits und verschiedener säkularer, humanistischer sowie medizinethischer Positionen andererseits.
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie PID, Embryonenschutz, reproduktive Selbstbestimmung, Menschenwürde und Bioethik geprägt.
Während die Kirchen den Embryo als schutzwürdiges menschliches Leben von Anfang an betrachten, argumentiert die Giordano Bruno Stiftung rational-utilitaristisch und sieht den Embryo in einem frühen Stadium nicht als Person mit eigenem Lebensinteresse.
Die Autorin betont, dass die tatsächliche Lebenswirklichkeit und das Leiden der Betroffenen – etwa bei genetischen Vorbelastungen – in der theologischen und politischen Debatte lange Zeit zu kurz gekommen sind und erst durch das Aufkommen der PID stärker in den Fokus gerückt wurden.
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