Masterarbeit, 2013
107 Seiten, Note: 1,0
Philosophie - Praktische (Ethik, Ästhetik, Kultur, Natur, Recht, ...)
1. Einleitende Bemerkungen
2. Erste Überlegungen zum Todesbegriff
2.1 Terzanis Nachdenken über sein eigenes Ableben als ein aktueller Beitrag zur gesellschaftlichen Diskussion über Sterben und Tod
2.2 Terzani: „Das Ende ist mein Anfang“ als persönlicher Weg von der „Weltgeschichte“ zur „Selbstgeschichte“
2.3 Bekenntnisse Terzanis an der „Endstation“ seines Lebens
2.4 Kommentierende Anmerkungen zu Terzani
3. Das Nachdenken über den Tod als menschliches Kontinuum
3.1 Kulturgeschichtlicher Rückblick
3.2 Das Nachdenken über den Tod hinaus am Beispiel des Todes des Sokrates und der damit verbundenen Diskussion um die Existenz und das Fortbestehen der menschlichen Seele
3.3 Das Nachdenken über den Tod anhand dreier Deutungen des Märchens „Der Gevatter Tod“
3.3.1 „Der Gevatter Tod“: Originaltext und Anmerkungen zu seiner Überlieferungsgeschichte
3.3.2 Kahls philosophische Deutung des Märchens, oder: Contra vim mortis non est medicamen in hortis
3.3.3 Drewermanns psychologische Deutung des Märchens, oder: Contra vim mortis amor adest
3.3.4 Exkurs: André Gorz, oder das gemeinsame „Projekt“ Leben, Lieben und Sterben
3.3.5 Szalays medizinethische Deutung des Märchens, oder: Poenam no sentio mortis. Poena fuit vita, requies mihi morte parata est
4. „Man lebt und weiß den Tod. Alles andere ist Beschäftigungstherapie.“ (James Joyce)
4.1 Aktuelle philosophische und medizinethische Beiträge zur Bestimmung des Todesbegriffes
4.2 Von der Verflüchtigung der Seele und der Begreifbarkeit des Todes
5. Grenzsituationen als Chance
5.1 Zum Begriff der Existenzphilosophie
5.2 Jaspers: Grenzsituationen und mögliche Reaktionsweisen
5.3 Der Tod als spezifische Grenzsituation und mögliche Reaktionsweisen
6. Verlusterfahrungen und Möglichkeiten ihrer Bewältigung
6.1 Die Radikalität der Verlusterfahrung des mir Nächsten am Beispiel der Confessiones des Augustinus
6.2 Wenn Kinder sterben müssen: zwei Fallbeispiele
6.2.1 „Wir treffen uns wieder in meinem Paradies“ (Isabell Zachert)
6.2.2 Wenn guten Menschen Böses widerfährt – Antwortversuche Harold Kushners
7. Zusammenfassung und Ausblick
Die Arbeit untersucht philosophische, psychologische und medizinethische Aspekte des Todes sowie Strategien zur Bewältigung von Grenzsituationen. Ziel ist es, durch eine interdisziplinäre Betrachtung – von antiken Modellen bis hin zu modernen ethischen Debatten – ein tieferes Verständnis für den Umgang mit dem eigenen Ableben und der Verlusterfahrung geliebter Menschen zu entwickeln, wobei der Fokus auf existenzphilosophischen Perspektiven und konkreten Fallbeispielen liegt.
2.2 Terzani: „Das Ende ist mein Anfang“ als persönlicher Weg von der „Weltgeschichte“ zur „Selbstgeschichte“
Im Jahr 2004 wendet sich der Journalist, bereits von seiner Krebserkrankung schwer gezeichnet, mit der Idee an seinen Sohn, ihm die Möglichkeit zu geben, ihm, dem Vater, die Fragen zu stellen, die er „schon immer Fragen wollte“; für ihn selbst ergebe sich dadurch die Möglichkeit zu einer Art Lebensbilanz und Daseinsinterpretation: „[…] ich [will] dir frei von der Leber weg erzählen, was mir wichtig ist, von mir und meiner Familie, von der großen Reise des Lebens.“ Terzani spricht an dieser Stelle von einer Art Testament (lat.: Testament, letztwillige Verfügung, letzter Wille), allerdings treffen diese eher juristischen Begriffe den Inhalt des Buches nur randständig, dessen Charakter zutreffender mit dem lateinischen Verb testari im Sinne von versichern, erklären, feierlich bezeugen zu beschreiben ist. Insofern liegt eine moderne Variante einer Confessio vor. Die Bekenntnisinhalte, die im Rahmen dieser Arbeit von Interesse sind, liegen nicht im familiären, sondern im journalistischen und religionsphilosophischen Bereich. Sie erzählen von Auf- und Umbrüchen.
1. Einleitende Bemerkungen: Einführung in das Thema des Todes als zentrales Motiv in Kunst und Philosophie unter Bezugnahme auf Rilke und Heidegger.
2. Erste Überlegungen zum Todesbegriff: Analyse der persönlichen Lebensbilanz und Todesauffassung von Tiziano Terzani als zeitgenössischen Beitrag zur Sterbedebatte.
3. Das Nachdenken über den Tod als menschliches Kontinuum: Untersuchung historischer und kultureller Perspektiven auf den Tod, inklusive philosophischer Analysen des Märchens „Der Gevatter Tod“.
4. „Man lebt und weiß den Tod. Alles andere ist Beschäftigungstherapie.“ (James Joyce): Kritische Auseinandersetzung mit aktuellen philosophischen und medizinethischen Versuchen, den Begriff des Todes präzise zu definieren.
5. Grenzsituationen als Chance: Theoretische Grundlegung der Existenzphilosophie und Anwendung auf Grenzsituationen als existenzielle Herausforderungen.
6. Verlusterfahrungen und Möglichkeiten ihrer Bewältigung: Erörterung radikaler Verlusterfahrungen anhand von Augustinus sowie zweier Fallbeispiele zum Tod von Kindern.
7. Zusammenfassung und Ausblick: Rückblick auf die wesentlichen Erkenntnisse und philosophische Reflexion über Trost und Lebenskunst in Krisenzeiten.
Todesbegriff, Grenzsituation, Existenzphilosophie, Tiziano Terzani, Der Gevatter Tod, Sterben, Trauerarbeit, Lebensbilanz, Medizinethik, Theodizee, Unsterblichkeit, Verlusterfahrung, Seelenwanderung, Humanismus, Sterbebegleitung.
Die Arbeit beschäftigt sich mit dem Tod als philosophischer Grenzsituation und untersucht verschiedene Deutungsmuster sowie Bewältigungsstrategien in der heutigen Zeit.
Zu den Schwerpunkten gehören der philosophische Todesbegriff, medizinethische Debatten, interdisziplinäre Interpretationen von Volksmärchen sowie die psychologische Verarbeitung von schwerwiegenden Verlusterfahrungen.
Ziel ist es, den Tod nicht nur als biologisches Ende zu betrachten, sondern ihn als existenzielle Herausforderung zu begreifen, die Menschen zur Stellungnahme und Neugestaltung ihrer Lebensführung zwingt.
Der Autor nutzt einen interdisziplinären Ansatz, der philosophische Analyse, tiefenpsychologische Deutung und die Untersuchung literarischer sowie autobiografischer Zeugnisse kombiniert.
Der Hauptteil behandelt das Nachdenken über den Tod als menschliches Kontinuum, analysiert das Märchen „Der Gevatter Tod“ aus drei Fachperspektiven und diskutiert Grenzsituationen nach Karl Jaspers.
Die Arbeit lässt sich am besten mit Begriffen wie Grenzsituation, Existenzphilosophie, Medizinethik, Trauerarbeit und Lebenskunst beschreiben.
Das Märchen dient als „Miniaturformat“ einer lebensnahen Grenzsituation, an der sich unterschiedliche Deutungsansätze – etwa der materialistische Ansatz Joachim Kahls oder die tiefenpsychologische Sicht Eugen Drewermanns – besonders gut kontrastieren lassen.
In den Fallbeispielen, insbesondere bei Harold Kushner, dient sie dazu, den Umgang mit unverschuldetem Leid zu thematisieren und traditionelle religiöse Erklärungsmodelle – wie Gott als gerechten Richter – kritisch zu hinterfragen.
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