Magisterarbeit, 2011
135 Seiten, Note: 1,3
Geschichte Europas - Neueste Geschichte, Europäische Einigung
1. Einleitung
1.1. Bestimmung des Untersuchungsgegenstands
1.2. Italiens Umgang mit seiner faschistischen Vergangenheit: Resistenza-Mythos und Revisionismus
1.3. Der Film als Erinnerungsträger und geschichtspolitisches Medium – Quellen und Methoden
2. Italienischer Burgfrieden gegen die germanischen Barbaren – Genese eines Narrativs
2.1. Roberto Rossellini – Roma città aperta und Paisà
2.2. Der deutsche Antichrist – Die Katholiken und der Widerstand
2.3. Der deutsche Klassenfeind – Angriff von links
3. Politische Verspannung und filmische Entspannung
3.1. In Frieden leben
3.2. Vittorio Cottafavi – Zu deutschfreundlich!
4. Italienische Kriegshelden und die nationale Befriedung
4.1. Versöhnung auf italienisch – gegen die Deutschen
4.2. „Verrat auf deutsch“ – Die Wiederherstellung der Ehre des italienischen Militärs
4.3. Die italienische Zensur: Staatlich verordnete Immunität der Deutschen?
5. Eine antideutsche Kampagne?
5.1. Der wiederentdeckte Feind – Krise und Neuauslotung des nationalen Selbstverständnisses
5.2. Italienische Aufarbeitung deutscher Vergangenheit – Kriegsverbrecherprozesse und die Kritik an der (bundes-) deutschen Gegenwartsgesellschaft
5.3. „Die 4 Tage von Neapel“ – Ein Film gefährdet die deutsch-italienischen Beziehungen
6. „Gli anni della contestazione“ – Die Jahre des Protests
6.1. Suche nach Antworten auf die Gegenwart in der deutschen Vergangenheit
6.2. Revival des Kriegesfilms – Revival des bösen Deutschen?
7. Im Auge des Zyklons
7.1. Der Film als Akteur in der gesellschaftspolitischen Auseinandersetzung um deutsche Kriegsverbrechen
7.2. Das Hitler-Revival und die Objetivierung des Deutschenbildes
8. Die Deutschen sind zurück!
8.1. Reaktivierung des Gegensatzes
8.2. Kephalonia und die Aussöhnung im Namen des Vaterlandes
10. Fazit
Die Arbeit untersucht die filmische Darstellung von Deutschen und des Nationalsozialismus im italienischen Spielfilm zwischen 1945 und 2010. Dabei wird analysiert, wie der Film als geschichtspolitisches Medium fungiert, um das Bild des „bösen Deutschen“ zur Identitätsstiftung und nationalen Selbstvergewisserung in Italien einzusetzen und wie sich dieses Bild im Wandel der politischen Zeitgeschichte verändert hat.
1.1. Bestimmung des Untersuchungsgegenstands
„Das Bild vom Deutschen, sei es nun, daß dieser als
Für das kollektive Gedächtnis der Italiener sind die Deutschen von derartiger Bedeutung, dass sie als eine von nur zwei Nationen geschafft haben, zu einem lieu de mémoire zu avancieren: Im Sammelband „I luoghi della memoria“, herausgegeben von Mario Isenghi, wird den Tedeschi ein zwanzigseitiger Aufsatz von Enzo Collotti gewidmet. Letzterer kommt zu dem Schluss, dass das Bild der Italiener vom Deutschen als „oppressore, del carnefice, del barbaro tout court“ vor allem eine Folge der zwei Weltkriege sei. Dies scheint nicht kaum diskutabel. So gut wie alle direkt oder indirekt kriegsbeteiligten Staaten konstruierten ihr Wahrnehmungsmuster der Deutschen primär auf der Grundlage des Zweiten Weltkriegs. Es ist jedoch offensichtlich, dass sich im Falle Italiens eine Besonderheit auftut: Das Land kämpfte bis zum 8. September 1943 selbst an der Seite des Deutschen Reichs, bevor es in Folge des Waffenstillstands mit den Alliierten vom Besitzer zum Besetzten wurde. Im Folgenden bildeten die anschließende Teilung Italiens, die Gründung der Repubblica sociale italiana und besonders die Resistenza, der Widerstand gegen die deutsche Besatzung von 1943 bis 1945, den Grundstein für das Heterostereotyp vom cattivo tedesco. Diese diente den Italienern in Abgrenzung zum Autostereotyp des bravo italiano, und unter Hervorhebung der eigenen Opposition zu den Verbrechen des Nationalsozialismus, zur Legitimation der jungen Republik und zur Herausbildung einer nationalen Identität. Im Rahmen der Geschichtspolitik wird den Medien bei der Konstruktion und Verbreitung solcher Geschichtsbilder im allgemeinen eine bedeutende Rolle beigemessen.
1. Einleitung: Die Einleitung definiert den Untersuchungsgegenstand und legt die theoretische Basis zur Analyse des deutschen Feindbildes in Italien.
2. Italienischer Burgfrieden gegen die germanischen Barbaren – Genese eines Narrativs: Dieses Kapitel behandelt die Entstehung des negativen Deutschlandbildes im direkten Nachkriegskino und dessen Funktion innerhalb des Resistenza-Mythos.
3. Politische Verspannung und filmische Entspannung: Analyse der filmischen Tendenzen in einer Phase politischer Konsolidierung, in der erste ambivalente Darstellungen auftauchen.
4. Italienische Kriegshelden und die nationale Befriedung: Untersuchung, wie die Filmproduktion zur Wiederherstellung eines nationalen Stolzes beitrug und welche Rolle dabei die Zensur spielte.
5. Eine antideutsche Kampagne?: Analyse der Vorwürfe einer gezielten antideutschen Stimmungsmache und wie diese mit den innenpolitischen Spannungen der 1950er Jahre korreliert.
6. „Gli anni della contestazione“ – Die Jahre des Protests: Darstellung, wie die 68er-Bewegung und der gesellschaftliche Wandel neue, kritischere Filmthemen und Auseinandersetzungen mit der Vergangenheit hervorbrachten.
7. Im Auge des Zyklons: Untersuchung der aktiven Rolle des Kinos bei der Auseinandersetzung mit Kriegsverbrechen und dem aufkommenden Hitler-Mythos in der Filmkultur.
8. Die Deutschen sind zurück!: Betrachtung des Wandels in den 1990er Jahren und wie neue Narrative der Aussöhnung das deutsch-italienische Verhältnis filmisch neu verhandelten.
10. Fazit: Zusammenfassende Analyse der Rolle des Kinos als Spiegel und Gestalter des kollektiven Gedächtnisses und der deutsch-italienischen Beziehungen.
Resistenza, Nationalsozialismus, Italienischer Spielfilm, Deutschlandbild, Geschichtspolitik, Kollektives Gedächtnis, Zensur, Zweiter Weltkrieg, Identitätsstiftung, Neorealismus, Kriegsverbrechen, Erinnerungskultur, Feindbild, Italienische Geschichte, Filmtheorie
Die Arbeit analysiert die Darstellung von Deutschen und dem Nationalsozialismus im italienischen Spielfilm von 1945 bis 2010 als Instrument zur Konstruktion nationaler Identität.
Die Themen umfassen den Resistenza-Mythos, die Rolle der staatlichen Zensur, den Wandel des Deutschlandbildes und die filmische Verarbeitung von Kriegsverbrechen im kollektiven Gedächtnis Italiens.
Das Ziel ist aufzuzeigen, wie das deutsche Feindbild als Werkzeug der nationalen Selbstvergewisserung diente und wie sich dieses Bild im Kontext politischer und gesellschaftlicher Transformationsprozesse wandelte.
Die Arbeit nutzt eine chronologische Analyse in Verbindung mit einer filmwissenschaftlichen und historisch-politischen Inhaltsanalyse, ergänzt durch Quellen aus dem Bereich der Zensurbehörden.
Der Hauptteil gliedert sich in verschiedene historische Phasen, von den Anfängen der Nachkriegszeit über die 68er-Jahre bis hin zur filmischen Neuausrichtung in den 1990er und 2000er Jahren.
Die wichtigsten Begriffe sind Resistenza, Nationalsozialismus, Italienischer Spielfilm, Deutschlandbild, Geschichtspolitik und kollektives Gedächtnis.
Die staatliche Zensur diente häufig dazu, die Deutungshoheit über die Geschichte zu wahren, indem kritische Filme blockiert oder inhaltlich so manipuliert wurden, dass sie dem nationalen Narrativ der Resistenza entsprachen.
Der Mythos des heldenhaften Widerstands fungierte als stabilisierendes Element der italienischen Identität, wobei der „böse Deutsche“ als notwendiges Gegenstück diente, um von der eigenen faschistischen Vergangenheit abzulenken.
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