Masterarbeit, 2013
95 Seiten, Note: 3
1. Einleitung
2. Zum Strafvollzug
2.1 Ziele und Aufgaben des Strafvollzuges
2.2 Regelungen des StVollzG zum Empfang von Besuchern und der Kommunikation mit der Außenwelt
2.3 Besonderheiten des Frauenvollzuges
3. Zur Lebenssituation inhaftierter Frauen und Männer
3.1 Inhaftierte Frauen
3.2 Inhaftierte Männer
4. Zum Erleben der Haftsituation von PartnerInnen Inhaftierter
4.1 Partnerinnen inhaftierter Männer
4.1.1 Forschungsstand im deutschen Sprachraum
4.1.2 Forschungsstand im anglo-amerikanischen Sprachraum
4.2 Auswirkungen durch Abwesenheit des Partners
4.2.1 Psychische Belastungen
4.2.2 Auswirkungen auf die Partnerschaft
4.3 Partner inhaftierter Frauen
5. Zum Erleben der Haftsituation von Kindern inhaftierter Eltern
5.1 Zur Eltern-Kind-Beziehung
5.2 Rechte der Kinder
5.3 Zur „Coping Studie“ (Children of Prisoners, Interventions and Mitigations to Strengthen Mental Health)
5.3.1 Ergebnisse aus der Studie anhand qualitativer Interviews mit Kindern Inhaftierter
5.3.1.1 Resilienzfaktoren
5.3.1.2 Bewältigungsstrategien
5.3.1.3 Stigmatisierungsprozesse
5.3.1.4 Psychische und physische Gesundheit
5.3.2 Hilfsangebote der Justizvollzugsanstalten und Gemeinden
5.3.3 Handlungsempfehlungen
5.4 Zur Bedeutung der Auswirkungen durch Trennung vom inhaftierten Elternteil
6. Mutter und Kind Einrichtungen im Strafvollzug
6.1 Zur Lebenssituation von Müttern und Kindern im Mutter und Kind Strafvollzug
6.1.1 Vollzugsgestaltung in Mutter und Kind Einrichtungen
6.1.2 Entwicklung der Kinder im Strafvollzug
6.2 Behandlungsbedürfnisse inhaftierter Mütter
7. Aktuelle Hilfsangebote für Kinder und Angehörige Inhaftierter
7.1 Ambulante Hilfen für Kinder und Angehörige Inhaftierter am Beispiel der Anlaufstelle „Freiräume“ in Bielefeld und „Kid-Mobil“ in Berlin
7.2 Unterstützungsangebote für Kinder und Angehörige im Gefängnis am Beispiel der JVA Bützow
7.3 Das Familienhaus „Engelsborg“ in Dänemark
8. Ableitungen für die Praxis
9. Fazit
Die Arbeit verfolgt das Ziel, die weitreichenden Auswirkungen einer Inhaftierung auf Partner und Kinder von Strafgefangenen zu beleuchten, da diese Personengruppe in Forschung und Strafvollzug oft vernachlässigt wird. Die zentrale Forschungsfrage untersucht, wie die Trennungssituation erlebt wird, welche psychischen und ökonomischen Belastungen entstehen und welche Hilfsangebote notwendig sind, um das Kindeswohl und die Stabilität der Familienbeziehungen während und nach der Haft zu sichern.
4.1.1 Forschungsstand im deutschen Sprachraum
Im deutschsprachigen Raum gibt es weniger wissenschaftliche Studien als im anglo-amerikanischen Sprachraum. Es folgt eine zusammenfassende Darstellung, mit zum Teil veralteten Ergebnissen, die die geringe Verfügbarkeit von aktuellen Forschungsergebnissen deutlich machen.
So stellten Ortner und Wetter (1975) nur wenig aufgearbeitete Interviewprotokolle mit Frauen von Inhaftierten dar. Mit ihren Veröffentlichungen wollten sie „sowohl die Überholtheit und Unzulänglichkeit der Familie, als auch die Überholtheit und Unzulänglichkeit der Strafjustiz“ (Ortner & Werner, 1975, S.10) darstellen (Kern, 2012, S.7), und sahen ihre Arbeit als erste thesenhafte Interpretation, die als Anregung für die Praxis dienen sollte.
Die bislang umfangreichste Studie im Auftrag des Bundesministeriums für Jugend, Familie, Frauen und Gesundheit ist von Busch, Fülbier und Meyer (1987), mit dem Titel: „Zur Situation der Frauen von Inhaftierten. Analyse und Hilfeplanung. Die Interviews mit 366 Inhaftierten und 136 Partnerinnen wurden auf Grundlage von Fragebögen mit halboffenen und standardisierten Fragen geführt. Innerhalb von vier Jahren wurde Daten erhoben, so dass folgende Rangliste von Problemlagen der Frauen ermittelt wurde:
1. Einleitung: Beschreibt die Vernachlässigung der Zielgruppe in der Forschung und stellt die Motivation sowie die Zielsetzung der Arbeit dar.
2. Zum Strafvollzug: Erläutert die gesetzlichen Grundlagen und Ziele des Strafvollzuges sowie die Besonderheiten im Frauenvollzug.
3. Zur Lebenssituation inhaftierter Frauen und Männer: Untersucht die unterschiedlichen Bedingungen und Belastungen von weiblichen und männlichen Inhaftierten im Alltag.
4. Zum Erleben der Haftsituation von PartnerInnen Inhaftierter: Analysiert die psychosozialen Folgen der Inhaftierung für die Partner und thematisiert den Forschungsstand.
5. Zum Erleben der Haftsituation von Kindern inhaftierter Eltern: Behandelt die traumatischen Auswirkungen der elterlichen Inhaftierung auf Kinder und stellt Erkenntnisse aus der „Coping-Studie“ vor.
6. Mutter und Kind Einrichtungen im Strafvollzug: Diskutiert die Unterbringung von Müttern mit Kindern in spezialisierten Einrichtungen und die damit verbundenen Vor- und Nachteile für die kindliche Entwicklung.
7. Aktuelle Hilfsangebote für Kinder und Angehörige Inhaftierter: Stellt praxisnahe Projekte wie „Freiräume“, „Kid-Mobil“ und das dänische Familienhaus „Engelsborg“ vor.
8. Ableitungen für die Praxis: Formuliert Empfehlungen für eine familienorientierte Gestaltung des Strafvollzugs zur besseren Unterstützung der betroffenen Angehörigen.
9. Fazit: Resümiert die wesentlichen Erkenntnisse und plädiert für einen humaneren, stärker vernetzten Strafvollzug, der das Kindeswohl stärker berücksichtigt.
Inhaftierung, Strafvollzug, Angehörige, Kinder inhaftierter Eltern, Psychische Belastungen, Resozialisierung, Mutter-Kind-Einrichtungen, Coping-Studie, Familienbeziehungen, Kindeswohl, Stigmatisierung, Sozialarbeit, Bindungstheorie, Unterstützungsangebote, Familienberatung.
Die Arbeit untersucht das Erleben der Haftsituation aus der Perspektive der Angehörigen, insbesondere der Partner und Kinder inhaftierter Personen, und beleuchtet deren oft vernachlässigte Bedürfnisse.
Im Mittelpunkt stehen die psychischen und sozialen Folgen der Inhaftierung für Familien, die Untersuchung des Mutter-Kind-Strafvollzugs sowie die Analyse von Bewältigungsmechanismen bei Kindern.
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, dass Angehörige „mitbestrafte Dritte“ sind und dass ein familienorientierter Strafvollzug essenziell für die erfolgreiche Resozialisierung der Inhaftierten ist.
Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die auf einer umfassenden Literaturanalyse und der Auswertung bestehender Studien, insbesondere der EU-geförderten „Coping-Studie“, basiert.
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der rechtlichen Rahmenbedingungen, das Erleben der Inhaftierung durch Partner und Kinder, sowie die Vorstellung von Mutter-Kind-Einrichtungen und ambulanten Hilfsprojekten.
Wesentliche Begriffe sind Kindeswohl, Stigmatisierungsprozesse, Resilienz, Bindungstheorie und die Notwendigkeit von familienorientierten Unterstützungsangeboten im Justizvollzug.
Frauen in Haft sind häufiger Mütter und alleinerziehend, was die Mutter-Kind-Beziehung zur kritischen Problematik macht; Männer kämpfen hingegen oft stärker mit Rollenverlust und Versorgungsängsten.
Die Studie liefert qualitative Daten aus Kindersicht, die belegen, dass Inhaftierung massive psychische Belastungen verursacht, aber auch positive Bewältigungsstrategien wie soziale Unterstützung durch Freunde existieren.
Das Kindeswohl sollte laut Autorin die obligatorische Basis für alle Entscheidungen sein, weshalb Mutter-Kind-Einrichtungen und alternative Haftformen als wichtige, wenn auch noch zu seltene Optionen gelten.
Gefordert werden unter anderem geschultes Personal, kindgerechte Besuchsräume, eine stärkere Vernetzung von Jugend- und Justizhilfe sowie eine landesweite Etablierung von Familienbeauftragten in Haftanstalten.
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