Bachelorarbeit, 2012
46 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
1.1 Thema
1.2 Fragestellung
1.3 Definitionen
1.4 Vorgehen
2. Historisch-systematische Analyse des Induktionsproblems
2.1 Das Humesche Problem der Induktion
2.2 Der Positivismus des Wiener Kreises
2.2.1 Abgrenzung von der Metaphysik
2.2.2 Das empiristische Sinnkriterium der Verifikation
2.3 Poppers kritischer Rationalismus
2.3.1 Kritik am Wiener Kreis
2.3.2 Falsifizierbarkeit als Abgrenzungskriterium der Wissenschaft
2.4 Die Protokollsatzdebatte
2.5 Erkenntnisse aus der Protokollsatzdebatte
2.6 Quine und die Aufhebung der analytischen Philosophie
2.6.1 Zwei Dogmen des Empirismus
2.6.1.1 Erstes Dogma: Die Unterscheidung von analytischen und synthetischen Sätzen
2.6.1.2 Zweites Dogma: Der Reduktionismus
2.6.1.3 Duhem-Quine-These
2.6.2 Theoriengeladenheit der Erfahrung
2.6.3 Wissenschaft als fallibler Lernprozess
2.7 Kuhn und die Inkommensurabilität verschiedener Paradigmata
3. Das Verhältnis von Erkenntnis und Erfahrung in der Komplementaritätstheorie der Bildung
3.1 Komplementarität als Prinzip aus der Physik
3.2 Erweiterte Komplementarität durch Biversion
4. Interpretation des Verhältnisses von Erkenntnis und Erfahrung in der Komplementaritätstheorie der Bildung
5. Schlusskapitel
5.1 Zusammenfassung
5.2 Beantwortung der Forschungsfrage
5.3 Abschließende Überlegungen zum Induktionsproblem
Das primäre Ziel dieser Arbeit ist die erkenntnistheoretische Interpretation des Verhältnisses von Erkenntnis und Erfahrung innerhalb der Komplementaritätstheorie der Bildung nach Jongebloed, basierend auf einer historisch-systematischen Untersuchung des Induktionsproblems.
2.6.1.3 Duhem-Quine-These
Theorien können nicht nur graduell durch kontradiktorische Erfahrung geschwächt werden, sondern ebenfalls an Glaubwürdigkeit einbüßen, wenn die Begriffe, auf die sie sich beziehen, einen Bedeutungswandel erfahren. Alles Wissen über die Welt ist festgehalten in Sprache und daher in einem interdependenten Satzgefüge verbunden. Theorien treten dabei niemals allein „vor das Tribunal der Erfahrung“, sondern immer als zusammenhängendes Satzgewebe. Eine einzelne Theorie wird daher meist nie komplett umgeworfen, wie noch bei Popper, sondern kann – ähnlich wie bei Neurath – immer wieder durch Abänderung der Theorie mit der Erfahrung in Einklang gebracht werden. Laut Quine werden Sätze immer nur als Gruppe, als Theorie, bestätigt oder widerlegt:
My countersuggestion […] is that our statements about the external world face the tribunal of sense experience not individually but only as a corporate body.
Diese fundamentale Erkenntnistheorie wurde bekannt unter der Duhem-Quine-These, da Quine später herausfand, dass sein Gedanke bereits von Pierre Duhem für physikalische Theorien formuliert wurde. Als Beispiel nehme man die Satzmenge ‚Sokrates ist sterblich. Menschen sind sterblich. Also ist Sokrates sterblich‘. Würde sich Sokrates nun als unsterblich herausstellen, müsste diese neue Information gemäß Popper die gesamte Satzmenge umwerfen. Dies passiert in der wissenschaftlichen Praxis jedoch eher selten, denn in der Praxis wird selten sofort eine ganze Theorie umgeworfen, sondern vielmehr nach Wegen gesucht, die vorhandene Theorie so abzuändern, dass sie wieder mit der Erfahrung in Einklang gebracht werden kann.
1. Einleitung: Einführung in das Thema, die Forschungsfrage sowie das Vorgehen der historisch-systematischen Analyse des Induktionsproblems im Kontext der Bildungstheorie.
2. Historisch-systematische Analyse des Induktionsproblems: Umfassende Untersuchung der erkenntnistheoretischen Entwicklung vom Humeschen Induktionsproblem über den Positivismus und Kritischen Rationalismus bis hin zu Quine und Kuhn.
3. Das Verhältnis von Erkenntnis und Erfahrung in der Komplementaritätstheorie der Bildung: Anwendung des physikalischen Prinzips der Komplementarität auf das duale Berufsbildungssystem und dessen didaktische Spezifizierung.
4. Interpretation des Verhältnisses von Erkenntnis und Erfahrung in der Komplementaritätstheorie der Bildung: Erkenntnistheoretische Einordnung der Komplementaritätstheorie als hermeneutischer Ansatz, der die Notwendigkeit multiperspektivischer Lernprozesse unterstreicht.
5. Schlusskapitel: Zusammenfassender Rückblick auf die Analyse, Beantwortung der zentralen Forschungsfrage und abschließende Reflexion über die Bedeutung des Induktionsproblems für das Bildungswesen.
Induktionsproblem, Erkenntnistheorie, Erfahrung, Komplementaritätstheorie, duales Bildungssystem, Kritischer Rationalismus, Logischer Empirismus, Theoriengeladenheit, Quine, Kuhn, berufliche Handlungskompetenz, Didaktik, Falsifizierbarkeit, Verifikation, Paradigma.
Die Arbeit untersucht die erkenntnistheoretische Fundierung der Komplementaritätstheorie der Bildung, indem sie diese mit der historischen Analyse des Induktionsproblems in Beziehung setzt.
Die Arbeit verknüpft Erkenntnistheorie (Induktionsproblem, Empirismus, kritischer Rationalismus) mit der berufspädagogischen Theorie der Komplementarität im dualen Ausbildungssystem.
Ziel ist die Beantwortung der Frage, wie sich das Verhältnis von Erkenntnis und Erfahrung innerhalb der Komplementaritätstheorie der Bildung aus erkenntnistheoretischer Sicht interpretieren lässt.
Die Arbeit nutzt eine historisch-systematische Analyse philosophischer Theorien, um diese für die Evaluation didaktischer Modelle im beruflichen Bildungssystem fruchtbar zu machen.
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Analyse der Erkenntnisdebatten des 20. Jahrhunderts (u.a. Quine, Popper, Kuhn) und die anschließende Übertragung dieser Erkenntnisse auf die Struktur des deutschen dualen Ausbildungssystems.
Zentrale Begriffe sind das Induktionsproblem, die Theoriengeladenheit der Erfahrung, die Komplementarität von Lernorten und die polyperspektivische berufliche Handlungskompetenz.
Sie dient als Beleg dafür, dass Theorien niemals isoliert, sondern nur als zusammenhängende Gefüge überprüft werden können, was die Notwendigkeit eines ganzheitlichen, multiperspektivischen Bildungsansatzes stützt.
Weil die Lernorte Schule und Betrieb jeweils unterschiedliche Anforderungen (Theorie vs. Praxis) stellen, die in ihrer Verschiedenheit erst gemeinsam die berufliche Handlungskompetenz des Lernenden ermöglichen.
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