Magisterarbeit, 2010
109 Seiten, Note: 1,7
1. Einleitung
2. Werkzugriff
2.1. Genese
2.1.1. Edition
2.1.2. Sprache
2.1.3. Aufbau
2.2. Eine Einleitung, zwei Lesarten
2.2.1. Eine anonyme Autobiographie?
2.2.2. Geschichte als Thema
3. Vor den letzten Dingen
3.1. Geschichte als Bereich eigenen Anspruchs
3.1.1. Geschichtsbegriff
3.1.2. »Eine Wissenschaft, die anders ist.«
3.2. Historisches Arbeiten
3.2.1. Arbeitsbedingungen
3.2.2. Die Reise des Historikers
3.3. Historia magistra vitae
3.3.1. Erkenntnis ohne Fortschritt
3.3.2. Geltungsbereich
4. Spurensuche
4.1. Gestus der Rückwendung und Zeitempfinden
4.2. Ein altes Projekt?
4.3. Reise zur terra incognita
4.3.1. Geschichte schreiben: Jacques Offenbach
4.3.2. Methode und Epistemologie: Die Angestellten
4.3.3. Eintritt in die Wirklichkeit: Ginster und Georg
4.3.3.1. Historische Ortsbestimmung
4.3.3.2. Auszug aus der Innerlichkeit
4.4. Vom Film zur Geschichte
5. Abschließende Betrachtung
6. Quellen und Literatur
6.1. Quellen
6.2. Literatur
Diese Arbeit zielt darauf ab, die Bedeutung der Geschichte im Gesamtwerk von Siegfried Kracauer zu untersuchen. Im Zentrum steht dabei die Forschungsfrage, wie das Werk "History - The Last Things Before the Last" theoretisch und inhaltlich zu bestimmen ist, ohne es primär biographisch-autobiographisch zu lesen, wie es in der Kracauer-Forschung bisher häufig geschah.
3.1.1. Geschichtsbegriff
Kracauer unterscheidet grundsätzlich begrifflich zwischen der Geschichte als Erfahrungshorizont historischer Lebenswelt (history) und der Geschichte als narrativer Darstellung oder Erzählung (story). So umfasst Geschichte (history) alles vergangene Geschehen menschlicher Lebenswelt, wird also im weitesten Sinne als Vergangenheit oder vergangene Wirklichkeit menschlicher Lebensbezüge aufgefasst (historische Wirklichkeit). In diesem Sinne repräsentiert Geschichte zunächst ein gestaltloses, potentiell unendliches Kontinuum möglichen vergangenen Geschehens, das in seinem Vergangensein grundsätzlich von der Gegenwart entkoppelt ist. Geschichte ist nach Kracauer also an sich eine gestaltlose Größe, der keine weitere Bestimmung zukommt, außer die Summe des Vergangenen zu beinhalten. Sie weist keine eigenen Qualitäten wie Gesetzmäßigkeiten und/oder teleologische Bestimmungen auf. Vielmehr setzt sie sich aus losen Elementen zusammen, deren Zusammenhang nur von ihrer Herkunft aus menschlichen Lebensverhältnissen herrührt.
Dementsprechend distanziert sich Kracauer deutlich von allen Geschichtskonzeptionen, die dem historischen Prozess an sich eine Gesetzmäßigkeit anheim stellen und einen wie auch immer gearteten naturgesetzlichen Verlauf der Geschichte vertreten. Auch jenen Ansätzen, die anhand von sozialempirischen Daten unter der Annahme einer Regelmäßigkeit, Berechenbarkeit und Voraussehbarkeit der physischen Realität menschlicher Lebenswelt Geschichte als organischen oder näherungsweise natürlichen Prozess bzw. als Konglomerat solcher Prozesse wissenschaftlich zu fixieren suchen, begegnet Kracauer mit Skepsis. Gerade weil er die Geschichte strikt von der menschlichen Lebenswelt her denkt, betont er dagegen, die Heterogenität und Kontingenz ihrer Einzelphänomene, die einer Zerlegung in wiederholbare Elemente oder einer befriedigenden Erklärung aus vorhergehenden oder gleichzeitigen Umständen so hartnäckig widerstehen, daß man sie besser als irreduzible Entitäten behandelt.
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik der bisherigen Kracauer-Forschung ein, die den theoretischen Gehalt seines Geschichtsbuchs zugunsten biographischer Interpretationen vernachlässigt hat.
2. Werkzugriff: In diesem Kapitel wird die Genese des Werkes, die Herausforderungen der editorischen Aufarbeitung und Kracauers sprachliche Entscheidungen thematisiert.
3. Vor den letzten Dingen: Hier werden die zentralen Kategorien von Kracauers Geschichtsdenken, wie der Geschichtsbegriff und die methodologischen Bedingungen des historischen Arbeitens, systematisch dargelegt.
4. Spurensuche: Dieses Kapitel verknüpft Kracauers späteres Geschichtsdenken mit Motiven und Positionen aus seinem Frühwerk und dessen intellektueller Biographie.
5. Abschließende Betrachtung: Eine Zusammenfassung der Ergebnisse, die Kracauers "History" als einen ernstzunehmenden Beitrag zur Wissenschaftstheorie rehabilitiert.
6. Quellen und Literatur: Ein Verzeichnis der verwendeten Primär- und Sekundärquellen.
Siegfried Kracauer, Geschichte, Geschichtsschreibung, Geschichtsphilosophie, Historismus, Methodologie, Epistemologie, historische Realität, Erzählung, Moderne, Exterritorialität, Zeitlichkeit, Kontingenz, Sinnverlust.
Die Arbeit untersucht das Werk "History - The Last Things Before the Last" von Siegfried Kracauer. Ziel ist es, den theoretischen Gehalt des Buches von der oft dominierenden rein biographischen Lesart zu befreien und als Beitrag zur Wissenschaftstheorie zu würdigen.
Zentrale Themen sind der Geschichtsbegriff Kracauers, die methodischen Bedingungen historiographischer Arbeit, der Vergleich zwischen historischer Realität und narrativer Erzählung sowie die Kontinuität seines Denkens von der Weimarer Zeit bis zu seinem Spätwerk.
Das primäre Ziel ist es, das Geschichtsverständnis Kracauers aus dem Werk selbst heraus zu erschließen und als eigenständigen, reflektierten Beitrag zur Philosophie der Geschichte und Geschichtstheorie zu begründen.
Die Arbeit verfolgt einen werkimmanenten Interpretationsansatz, der durch eine genealogische Spurensuche im Frühwerk Kracauers ergänzt wird, um die Entwicklung seiner Theoreme nachzuvollziehen.
Der Hauptteil analysiert detailliert Kracauers Definition von Geschichte als "Bereich eigenen Anspruchs", seine Skepsis gegenüber naturwissenschaftlichen Gesetzmäßigkeiten in der Geschichtswissenschaft und die Verbindung zwischen seinem theoretischen Geschichtsverständnis und seinen früheren soziologischen sowie literarischen Arbeiten.
Die zentralen Begriffe sind Kracauers Geschichtstheorie, Geschichtsschreibung als Erzählung, der Umgang mit historischer Kontingenz und die methodologische Reflexion des Historikers.
Kracauers Entscheidung, sein Spätwerk in Englisch zu verfassen, wird als existentiell bedingt, aber auch als Chance begriffen, Gedanken neu zu formulieren, wobei die Übersetzung durch Karsten Witte als entscheidend für die Wahrung der Ambiguität und Begrifflichkeit des Autors hervorgehoben wird.
Die Biographie wird als praktische Vorwegnahme seiner späteren geschichtstheoretischen Positionen identifiziert, insbesondere hinsichtlich der Verbindung von gesellschaftskritischer Analyse und literarischer Erzählweise.
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