Lizentiatsarbeit, 2013
124 Seiten
1. Einleitung
1.2. Die Begriffe ‚Antijudaismus‘ und ‚Antisemitismus‘
1.3. Literatur und Quellen
2. Ideengeschichtliche Grundlagen I – Die Schweiz auf dem Weg zur bürgerlichen ‚Nation‘ bis 1848
2.1 Vorstellungen von ‚Nation‘ und ‚Vaterland‘ in der Schweiz
2.2. Bürgerlichkeit und Souveränität – Individuelle vs. Kollektive Freiheit
2.3. Bürger und Bürgerrecht
2.4. Krise und Nationalismus in den 1840er Jahren
3. Ideengeschichtliche Grundlagen II – Aufklärung und Judenfeindlichkeit
3.1. Konservativ-traditioneller Antijudaismus
3.2. ‚Aufgeklärter‘ Antisemitismus
4. Die Juden in der Schweiz – die Rahmenbedingungen
4.1. Die Rechtsentwicklung bis 1848
4.2. Die Bundesverfassung von 1848
5. Erste internationale Verstimmungen nach 1848
5.1. Jüdische Flüchtlinge in der Schweiz 1848/49
5.2. Die französischen Interventionen von 1851/52
6. Der Weg zum Bundesbeschluss von 1856
6.1. Die Fälle Luzern und Zürich
6.2. Die Kantone und die ‚Judenfrage‘ im Jahre 1855
7. Die Handelsverträge der 1850er Jahre – und ihre Folgen
7.1. Der Handelsvertrag mit den USA
7.2. Die Handelsverträge mit Grossbritannien und Belgien
7.3. Die Agitation des amerikanischen Botschafters Theo S. Fay
7.4. Fays Denkschrift von 1859
7.5. Reaktionen auf Fays Denkschrift
8. Weitere interne Entwicklungen – Die Emanzipationskämpfe im Kanton Aargau 1861 – 1863
8.1. Politische Voraussetzungen
8.2. Die Debatte im Aargauer Grossen Rat
8.3. Volksproteste und Rücknahme des Emanzipationsgesetzes
8.4. Das Einschreiten der Bundesbehörden
9. Die Verträge mit Frankreich I – Die Verhandlungen 1863-64
9.1. Frankreichs Wende zum Freihandel
9.2. Bundesrätliche Sondierungen in der Schweiz
9.3. Aufnahme der Verhandlungen in Paris
9.4. Die letzte Verhandlungsphase
10. Die Verträge mit Frankreich II – Die Diskussionen in den Eidgenössischen Räten 1864
10.1. Die Botschaften und Berichte des Bundesrates und der Bundesversammlung
10.2. Die Debatte im Nationalrat
10.3. Die Debatte im Ständerat
10.4. Grundsätzliche Opposition eines Konservativen: Die Denkschrift Philipp Anton von Segessers
10.5. Die Replik von Bundespräsident Jakob Dubs
11. Die Teilrevision der Bundesverfassung von 1866
11.1. Die Reaktionen der Kantone
11.2. Die Haltung des Bundes
11.3. Obstruktion bis zuletzt: Der Fall Basel-Land
11.4. Die Annahme der Verfassungsrevision
12. Fazit: Jüdische Emanzipation im freisinnigen Bundesstaat
Diese Arbeit untersucht die Geschichte der jüdischen Emanzipation in der Schweiz zwischen der Gründung des modernen Bundesstaates 1848 und der Teilrevision der Bundesverfassung 1866. Der Fokus liegt dabei auf der Frage, welchen Einfluss der ausländische Druck auf die Entwicklung der schweizerischen Judengesetzgebung und die gleichzeitige Überwindung antijüdischer Ressentiments durch den liberalen Bundesstaat hatte.
2.1. Vorstellungen von ‚Nation‘ und ‚Vaterland‘ in der Schweiz
Die Diskussionen des 19. Jahrhunderts über die Gleichstellung der Juden fanden im Rahmen des Konzepts der Nation statt. Emanzipation hiess also (und heisst auch heute noch) volle Integration in einen Nationalstaat. Wie entstand der Begriff der ‚Nation‘, was meinte er, und wie wurde er ab dem 18. Jahrhundert in der Schweiz aufgegriffen und verstanden? Wie konnte er im Hinblick auf spezifisch schweizerische Traditionen für das Land adaptiert und weiterentwickelt werden? Und wie wirkte sich die Idee der ‚Nation‘ in der Schweiz auf den Status der Juden in dieser ‚Nation‘ aus?
Der Begriff der Nation bzw. der Nationalismus war, wie die Idee des Liberalismus, ein Kind der Aufklärung und speziell der Französischen Revolution. Beide waren im Namen von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit gegen die Werte des Ancien Régime gerichtet, waren antiständisch, antiaristokratisch und häufig antiklerikal, wobei der Liberalismus mehr das freie Individuum unter anderen freien (und gleichen) Individuen betonte, während der Nationalismus zwar auch von Freiheit sprach, dabei aber die Freiheit eines (wie auch immer geeinten) Kollektivs im Blick hatte. Innerhalb dieses nationalen Kollektivs war auch der Nationalismus egalitär, Vorrechte durch Geburt sollte es keine mehr geben. Diese nationale Vision einer Gesellschaft gleichberechtigter Staatsbürger musste einhergehen mit einer Abgrenzung gegen aussen. Die Frage, wer zu diesem Kollektiv gehörte, und vor allem, wer nicht, wurde schnell akut; ihre Beantwortung hing davon ab, nach welchen Grundsätzen die Zugehörigkeit zur eigenen nationalen Gemeinschaft definiert wurde.
Anders als in Deutschland, Frankreich oder England konnten die Schweizer Nationsgründer nicht auf das ethno-nationale Paradigma zurückgreifen, um ihren Anspruch zu legitimieren, dass die Schweiz eine Nation im Sinne des 19. Jahrhunderts war. Das Konzept der ‚Erbgemeinschaft‘, die auf gemeinsamer Abstammung, gleicher Kultur und vor allem gleicher Sprache basierte, war für die Schweiz aufgrund ihrer ‚multikulturellen‘ Verfasstheit nicht geeignet. Das schuf die Notwendigkeit, die Gemeinsamkeiten, die den Schweizern als Bürger einer distinkten Nation zukommen sollten, in anderen Gebieten zu suchen, die Authentizität versprachen, d.h. die die Schweiz von anderen Nationen abgrenzen konnten.
1. Einleitung: Definiert das Thema der jüdischen Emanzipation in der Schweiz und stellt die zentralen Forschungsfragen zur Rolle des ausländischen Drucks und der inneren schweizerischen Verhältnisse.
2. Ideengeschichtliche Grundlagen I – Die Schweiz auf dem Weg zur bürgerlichen ‚Nation‘ bis 1848: Analysiert, wie der Schweizer Nations- und Vaterlandsbegriff vor 1848 definiert wurde und welche Rolle der Bürgerstatus dabei spielte.
3. Ideengeschichtliche Grundlagen II – Aufklärung und Judenfeindlichkeit: Untersucht die Transformation religiösen Antijudaismus im Lichte aufklärerischer und bürgerlicher Diskursstrukturen.
4. Die Juden in der Schweiz – die Rahmenbedingungen: Beschreibt die rechtliche Situation der jüdischen Bevölkerung vor und nach der Bundesstaatsgründung von 1848.
5. Erste internationale Verstimmungen nach 1848: Thematisiert diplomatische Konflikte, die durch jüdische Flüchtlinge und ausländische Interventionen entstanden.
6. Der Weg zum Bundesbeschluss von 1856: Beleuchtet die internen rechtlichen Auseinandersetzungen zwischen den Kantonen und dem Bund bezüglich der jüdischen Gleichberechtigung.
7. Die Handelsverträge der 1850er Jahre – und ihre Folgen: Analysiert den entscheidenden Einfluss internationaler Verträge mit den USA, Grossbritannien und anderen Mächten auf die jüdische Rechtslage in der Schweiz.
8. Weitere interne Entwicklungen – Die Emanzipationskämpfe im Kanton Aargau 1861 – 1863: Dokumentiert das Scheitern und die Rücknahme von Emanzipationsgesetzen im Kanton Aargau durch Volksproteste.
9. Die Verträge mit Frankreich I – Die Verhandlungen 1863-64: Beschreibt die Verhandlungsführung und den massiven ausländischen Druck für eine zügige Emanzipation.
10. Die Verträge mit Frankreich II – Die Diskussionen in den Eidgenössischen Räten 1864: Detailliert die politischen Debatten über Souveränität und die religiöse Gleichberechtigung in den Eidgenössischen Räten.
11. Die Teilrevision der Bundesverfassung von 1866: Erläutert den erfolgreichen Weg zur endgültigen Beseitigung konfessioneller Schranken bei der Niederlassungsfreiheit.
12. Fazit: Jüdische Emanzipation im freisinnigen Bundesstaat: Fasst zusammen, wie liberale Prinzipien letztlich über den Föderalismus siegten und das jüdische Bürgertum integriert wurde.
Judenemanzipation, Schweiz, 19. Jahrhundert, Bundesverfassung 1848, Handelsverträge, Antijudaismus, Antisemitismus, Föderalismus, Kanton Aargau, Niederlassungsfreiheit, Aufklärung, liberale Politik, Souveränität, Religionsfreiheit.
Die Arbeit untersucht den Prozess der rechtlichen Gleichstellung der Juden in der Schweiz von 1848 bis 1866, wobei sie insbesondere den Einfluss ausländischer Handelsverträge und den inneren Widerstand durch kantonalen Föderalismus beleuchtet.
Die Schwerpunkte liegen auf der Ideengeschichte der Nation, der Transformation judenfeindlicher Ressentiments, der internationalen Diplomatie und den innenpolitischen Emanzipationskämpfen, insbesondere im Kanton Aargau.
Die Arbeit fragt, wie der ausländische Druck auf die Eidgenossenschaft wirkte und welche Rolle der strukturkonservative Föderalismus als Hemmschwelle bei der jüdischen Emanzipation spielte.
Der Autor führt eine historisch-analytische Untersuchung durch, die auf der Analyse offizieller Dokumente, Protokolle der Bundesversammlung, zeitgenössischer Flugschriften und wissenschaftlicher Fachliteratur basiert.
Im Zentrum stehen die diplomatischen Verhandlungen mit ausländischen Mächten wie den USA und Frankreich sowie die schwierigen innenpolitischen Emanzipationsversuche im Kanton Aargau.
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Judenemanzipation, Handelsverträge, Antijudaismus, Kantonsautonomie und die Entwicklung des modernen schweizerischen Bundesstaates beschreiben.
Der Kanton Aargau fungierte als Fallbeispiel für den Widerstand gegen die Emanzipation, da dort aufgrund der jüdischen Ansässigkeit im Surbtal die rechtlichen Fragen zur Einbürgerung besonders früh und intensiv debattiert wurden.
Da die Schweiz wirtschaftlich auf diese Verträge angewiesen war und die ausländischen Partner diskriminierende Ausnahmegesetze gegen ihre eigenen Bürger in der Schweiz ablehnten, erzwang der Vertragspartner den Abbau dieser Hindernisse auf nationaler Ebene.
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