Masterarbeit, 2010
111 Seiten, Note: 1,8
I. Einleitung
1. Allgemeine Einführung
2. Fragestellung und Aufbau
3. Forschungsüberblick
II. Antijudaismus im Mittelalter
1. Die Situation der Juden im Mittelalter
2. Die Sicut-Judeis-Bullen
3. Das vierte Laterankonzil
4. Antijudaismus – Antisemitismus
III. Luther und die Juden
1. Grundzüge und Entwicklung von Luthers Antijudaismus (1513-1546)
2. Die Römerbriefvorlesung (1515-1516)
3. Dass Jesus Christus ein geborner Jude sei (1523)
4. Von den Juden und ihren Lügen (1543)
5. Bruch oder Kontinuität?
6. Rezeption von Luthers Judenschriften
IV. Calvin und die Juden
1. Antijudaismus bei Calvin in der bisherigen Forschung
2. Begegnungen Calvins mit Juden
3. Die Juden in Calvins Kommentar zum Brief des Apostels Paulus an die Römer
a. Der Römerbrief
b. Die Prädestinationslehre
c. Die Juden in Calvins Prädestinationslehre
4. Calvins Abhandlung: Ad quaestiones et obiecta Iudaei cuiusdam
a. Vorlagen und Datierung
b. Aufbau und Fragestellung
V. Vergleich zwischen Luther und Calvin
1. Der Kontakt mit Juden
2. Die Judenschriften
a. Die Anzahl der Judenschriften
b. Rezeption
c. Anrede und Argumentation
d. Vorwürfe gegen die Juden
3. Der Römerbrief
4. Die Prädestinationslehre
VI. Schlussfolgerung
Die vorliegende Arbeit untersucht die antijüdischen Positionen der Reformatoren Martin Luther und Johannes Calvin und vergleicht diese kritisch miteinander. Ziel ist es, die Ursachen für die unterschiedliche Intensität und Ausprägung ihrer jeweiligen Judenschriften zu ergründen und die theologischen Begründungen in den historischen Kontext der Reformationszeit einzuordnen.
3. Dass Jesus Christus ein geborner Jude sei (1523)
In dieser Schrift prangert Martin Luther die Kirche an, wie sie mit den Juden umgeht, denn wieso sollten sich Juden zum Christentum bekehren, wenn sie von der Kirche trotz allem schlecht behandelt werden? Sie werden auch nicht anhand der Hl. Schrift belehrt, sondern nur durch „Geschwätz“. Luther hat von etlichen frommen, getauften Juden gehört, dass sie sich wohl nie hätten taufen lassen, wenn sie nicht das Evangelium vernommen hätten. Hier sollte man bedenken, dass Luthers Kritik weniger aus einer positiveren Sicht auf das Judentum herrührt, sondern vielmehr dazu gedacht ist, die katholische Kirche zu diffamieren.
Der direkte Auslöser für die Schrift sind Gerüchte von römisch-katholischer Seite, die Luther der Häresie und Ketzerei bezichtigten: „Eyn newe lugen ist aber uber mich aus gangen: Ich soll gepredigt und geschrieben haben, Das Maria, die mutter Gottis, sey nicht iunckfraw gewesen fur und nach der gepurt, Sondernn sie habe Christum vonn Joseph und darnach mehr kinder gehabt. Uber das alles soll ich auch eyn new kezterey gepredigt haben, nemlich, das Christus Abrahams samen sey.”
Der apologetische Zweck der Abhandlung ist es, anhand der Heiligen Schrift, die Jungfrauengeburt Christi zu beweisen. Luthers primäre Adressaten sind demnach nicht die Juden, sondern die Christen, die diesen Gerüchten unter Umständen Glauben schenken. Luther macht jedoch auch keinen Hehl daraus, dass er sich eine positive Nebenwirkung auf Seiten der Juden wünscht.
I. Einleitung: Die Einleitung legt den Grundstein für die Untersuchung, indem sie das Verhältnis von Christen und Juden in der Reformationszeit thematisiert und die Forschungsfragen sowie den methodischen Aufbau der Arbeit darlegt.
II. Antijudaismus im Mittelalter: Dieses Kapitel liefert den notwendigen historischen Kontext zum Antijudaismus im Mittelalter, inklusive der Rolle der Kirche und der Entstehung von Vorurteilen wie dem Ritualmordvorwurf.
III. Luther und die Juden: Hier wird die Entwicklung von Luthers Haltung analysiert, von seinen frühen, eher freundlicheren Schriften bis hin zur radikalen Judenfeindlichkeit in seinen Spätschriften und deren Rezeption.
IV. Calvin und die Juden: Dieses Kapitel untersucht Calvins deutlich weniger präsente Auseinandersetzung mit dem Judentum, wobei insbesondere sein Römerbriefkommentar und die Abhandlung Ad quaestiones et obiecta Iudaei cuiusdam ausgewertet werden.
V. Vergleich zwischen Luther und Calvin: Der Hauptteil vergleicht systematisch die Kontakte, die Judenschriften, die Argumentationsweisen und die theologischen Vorwürfe der beiden Reformatoren.
VI. Schlussfolgerung: Die Schlussfolgerung synthetisiert die Ergebnisse und ordnet die antijüdischen Positionen in den theologischen sowie historischen Rahmen ihrer Zeit ein.
Martin Luther, Johannes Calvin, Antijudaismus, Reformation, Judenmission, Römerbrief, Prädestination, Theologie, Kirchengeschichte, Judentum, Christentum, Mittelalter, Antisemitismus, Reformationszeit, Schriftverständnis.
Die Arbeit analysiert und vergleicht die Haltungen der Reformatoren Martin Luther und Johannes Calvin gegenüber dem Judentum, wobei sie die theologischen und historischen Hintergründe beleuchtet.
Die zentralen Felder umfassen die Entwicklung des Antijudaismus von der mittelalterlichen Zeit bis zur Reformation, die Auslegung biblischer Texte (insbesondere des Römerbriefs) sowie die Rolle der Prädestination.
Ziel ist es zu verstehen, warum Luther eine so ausgeprägte Judenfeindlichkeit entwickelte, während Calvin sich deutlich weniger zu diesem Thema äußerte, und ob dies lediglich auf unterschiedliche Persönlichkeiten oder sozio-kulturelle Faktoren zurückzuführen ist.
Die Arbeit nutzt eine historisch-theologische Methode, indem sie primäre Schriften der Reformatoren in ihrem Kontext analysiert und durch den Rückgriff auf zeitgenössische Forschungsergebnisse interpretiert.
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Auseinandersetzung mit Luthers verschiedenen Judenschriften, einer Untersuchung von Calvins Position anhand seines Römerbriefkommentars und einen anschließenden thematischen Vergleich beider Reformatoren.
Die Arbeit wird vor allem durch Begriffe wie Reformation, Antijudaismus, Theologiegeschichte, Reformatorische Schriften und Konfessionsgeschichte charakterisiert.
Während Luther anfangs von einer Konversion der Juden überzeugt war und diese aktiv zu missionieren versuchte, zeigt sich bei ihm später eine pessimistische Ablehnung, die Calvin eher durch seine strikte Prädestinationslehre und ein grundsätzlicheres Desinteresse am Dialog ersetzte.
Der "Sieben-Punkte-Plan" wird als eines der drastischsten Beispiele für Luthers antijüdische Radikalisierung gesehen, da er konkrete, eliminatorische Maßnahmen forderte, die bis heute kontrovers diskutiert und in der Rezeptionsgeschichte missbraucht wurden.
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