Examensarbeit, 2012
41 Seiten, Note: 3,0
Einleitung
1 Migration und Schule
1.1 Migration und Multikulturalität in Deutschland
1.2 Migrantenkinder in der Schule
1.3 Interkulturelles Lernen
2 Migration und Identität
2.1 Ausbildung eines Identitätsgefühls bei Kinder und Jugendlichen
2.2 Identität bei Migrantenkindern
2.3 Interkulturelles Lernen und Identität im Sachunterricht
3 Unterrichtseinheit und Unterrichtsbedingungen
3.1 Klasse, Schule, Familienherkunft und Wohnumgebung der befragten Schüler und Schülerinnen
3.2 Exkurs: Kasachstandeutsche Aussiedler: Heterogenität innerhalb einer Migrantengruppe
3.3 Ein Buch zu den Herkunftsländern unserer Familien
4 Die Untersuchung
4.1 Der Fragebogen
4.2 Ergebnisse
4.3 Schlüsse
Die vorliegende Arbeit untersucht, inwieweit das Thematisieren von Herkunftsländern innerhalb einer multikulturellen Grundschulklasse von den Kindern als identitätsstiftendes Angebot wahrgenommen und angenommen wird. Die zentrale Forschungsfrage fokussiert dabei darauf, ob durch einen interkulturellen Sachunterricht der Prozess der Identitätsbildung unterstützt werden kann und welche methodischen Vorgehensweisen dabei zielführend sind.
3.3 Ein Buch zu den Herkunftsländern unserer Familien
Als Lehreranwärter unterrichtete ich im ersten Halbjahr des Schuljahrs 2011/2012 Sachunterricht in der Klasse 4c. Die vielfältigen Migrationshintergründe in der Klasse kamen für mich zuerst in Gesprächen außerhalb des Unterrichts zum Vorschein. Mir war allerdings nicht klar, ob alle Schüler und Schülerinnen der Klasse über die Familienhintergründe ihrer Mitschüler orientiert waren. Ich hielt es für pädagogisch gewinnbringend, diese zu thematisieren. Gleichzeitig verlautete von Seiten der Schulleitung, dass Vorbereitungen für ein Schulfest unter dem Motto ‚Kinder dieser Welt’ getroffen werden sollten.
Der Unterricht war damit auf alle Schülerinnen und Schüler ausgerichtet, sollte aber gezielt auf diejenigen mit nichtdeutschem Familienhintergrund eingehen und besondere, zusätzliche Ziele für diese Gruppe anstreben im Sinn von „Verständnis von individueller Förderung, das unter diesem Begriff auch Ernstnehmen und Stärkung der bikulturellen und bilingualen Identität versteht.“ Unter Berufung auf Holzbrecher sollte der Unterricht zuerst über die Herkunftsländer informieren.
Methodisch wurde nach den in Abschnitt 2.3 aufgezeigten, von Schader für besonders günstig bei Interkulturellem Unterricht befundenen Unterrichtsformen gearbeitet. Begonnen wurde zunächst in Kleingruppen, wobei die Schüler aus Kasachstan eine Vierergruppe bildeten. Da je zwei Schülerinnen und Schüler mit familiären Wurzeln in Vietnam und Nigeria in der Klasse waren, bildeten diese eine Arbeitspartnerschaft. Die Schüler und Schülerinnen mit Eltern, die aus Russland, Brasilien, Litauen, und Thailand stammen, wählten unter den verbliebenen Kindern Sekretäre, die sie unterstützen sollten. An der Tafel wurden nun tabellarische Länderportraits erstellt.
Einleitung: Diese Einleitung stellt das Phänomen der Migration vor neue Herausforderungen für die deutsche Schule und führt in die Absicht ein, durch eine Unterrichtseinheit das Thematisieren von Herkunftsländern als identitätsstiftendes Angebot zu prüfen.
1 Migration und Schule: Dieses Kapitel skizziert die historische Entwicklung der Migration in Deutschland, benennt die besonderen Schwierigkeiten von Migrantenkindern im Schulwesen und führt in die Konzepte des interkulturellen Lernens ein.
2 Migration und Identität: Hier wird der Prozess der Identitätsbildung bei Kindern und Jugendlichen beleuchtet, wobei insbesondere auf die spezifischen Schwierigkeiten und Chancen der Identitätsfindung bei Migrantenkindern im schulischen Kontext eingegangen wird.
3 Unterrichtseinheit und Unterrichtsbedingungen: Dieses Kapitel beschreibt die spezifischen Rahmenbedingungen der untersuchten Klasse 4c, einschließlich eines Exkurses zur Gruppe der Kasachstandeutschen sowie die Konzeption und Durchführung der Unterrichtseinheit zu den Herkunftsländern der Familien.
4 Die Untersuchung: Abschließend werden der methodische Aufbau des Fragebogens zur Evaluation des Unterrichts, die erzielten Ergebnisse sowie daraus gezogene Schlüsse für die interkulturelle pädagogische Arbeit dargestellt.
Migration, Identitätsbildung, Interkulturelles Lernen, Grundschule, Sachunterricht, Migrationshintergrund, bikulturelle Sozialisation, Transkulturalität, Aussiedler, Integration, Herkunftsländer, Schulpädagogik, Identitätskrise, Unterrichtsbedingungen, Mehrsprachigkeit
Die Arbeit befasst sich mit den Möglichkeiten des interkulturellen Lernens an Grundschulen, speziell mit der Frage, wie durch das Thematisieren von Herkunftsländern die Identitätsbildung von Kindern mit Migrationshintergrund gefördert werden kann.
Zentrale Themen sind die theoretischen Grundlagen der Identitätsentwicklung, die Herausforderungen durch Migration im deutschen Schulsystem sowie die praktische Gestaltung und Evaluation einer konkreten Unterrichtseinheit.
Das Hauptziel besteht darin zu überprüfen, inwieweit Schülerinnen und Schüler das Thematisieren ihrer familiären Herkunftsländer als identitätsstiftendes und wertschätzendes Angebot im Unterricht annehmen.
Die Untersuchung basiert auf der Durchführung einer Unterrichtseinheit und deren nachträglicher Evaluation durch Fragebögen, die sowohl an Schülerinnen und Schüler mit als auch ohne Migrationshintergrund ausgegeben wurden.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Aufarbeitung zu Migration und Identität, die Beschreibung der spezifischen Unterrichtsklasse und der durchgeführten Unterrichtseinheit sowie die Auswertung der erhobenen Daten.
Schlüsselbegriffe sind Identitätsbildung, interkulturelles Lernen, Migrationshintergrund, Sachunterricht, bikulturelle Sozialisation und Integration.
Aussiedler, insbesondere kasachstandeutsche Kinder, bilden die größte Gruppe mit Migrationshintergrund in der untersuchten Klasse 4c und dienen als Fallbeispiel für komplexe Migrationsgeschichten.
Die Auswertung ergab, dass die angeregte Kommunikation über Herkunftsländer über den Unterricht hinaus kaum stattfand, was möglicherweise an der allgemeinen Einstellung der Schüler zum Unterricht oder an der begrenzten Reichweite der initialen Unterrichtsphase lag.
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