Magisterarbeit, 2011
106 Seiten, Note: 1,0
Geschichte Europas - Neueste Geschichte, Europäische Einigung
1. Einleitung
2. Mafia – Ein thematisches Problem
2.1 Die Problematik der historischen Darstellung
2.2 Die Definitionsproblematik Mafia
3. Die `Ndrangheta in der traditionellen Phase (1860-1950)
3.1 Entstehungskontext und -Mythos
3.2 `Ndrangheta - Begriffliche Unklarheit als Spiegel der Unkenntnis
3.3 Das Parallelsystem `Ndrangheta
3.4 Ein archaisches und modernes System
3.5 Die Struktur der `Ndrangheta
4. Krise und Transformation der `Ndrangheta (1950-1970)
4.1 Soziale und ökonomische Veränderungen der Nachkriegszeit
4.2 Anzeichen des Aufschwungs
5. Der Aufstieg der `Ndrangheta in den siebziger Jahren
5.1 Soziale und politische Spannungen in Italien
5.1.1 `Ndrangheta und extreme Rechte
5.1.2 Aufstände in Kalabrien – Die Fatti di Reggio
5.2 Eine phantomhafte Industrialisierung
5.3 Repräsentative Beispiele der gescheiterten Industrialisierung
5.4 `Ndrangheta und Freimaurer
5.4.1 Eine reziproke Durchdringung
5.4.2 Die Santa als Adaptionsmodell an die Moderne
5.5 Innere Konflikte: 1974-1977
5.6 Die Bedeutung der Entführungsindustrie
5.7 Die Expansion illegaler Märkte
5.8 Die `Ndrangheta wird unternehmerisch
5.8.1 Die Autostrada del Sole
5.8.2 Der Hafen von Gioia Tauro
6. `Ndrangheta und Staat
6.1 `Ndrangheta und Politik in der Ersten Republik
6.2 Übergang in die Zweite Republik
7. Der weitere Aufstieg der `Ndrangheta
7.1 Friede und föderale Struktur von 1991
7.2 `Ndrangheta und Cosa Nostra
7.3 Omicidi eccellenti der `Ndrangheta
8. Die Expansion der `Ndrangheta
8.1 Die Unterwanderung des Gesundheitssystems
8.2 Unplanmäßige Ausbreitung
8.3 Kriminelle Kolonisation
8.4 Anmerkungen zur Lage in Kalabrien
9. Schlusswort
Die vorliegende Arbeit unternimmt den Versuch, ein Gesamtbild der `Ndrangheta zu konstruieren, wobei der Fokus insbesondere auf ihrem Aufstieg ab den 1970er Jahren liegt. Untersucht wird, wie sich die Organisation von einer traditionellen Mafia-Struktur zu einem global agierenden, unternehmerischen Machtgebilde transformierte, das soziale Institutionen unterwandert und tief in politische Beziehungsnetzwerke integriert ist.
Die Definitionsproblematik Mafia
„Mafia ist seit der Mitte des 19. Jahrhunderts bis zum heutigen Tag ein überaus häufig gebrauchtes Wort. Es handelt sich jedoch um einen vielschichtigen Begriff, der sich auf unterschiedliche Dinge bezieht, je nachdem in welchem Zusammenhang, unter welchen Umständen, mit welchen Intentionen und mit welchem Interesse er gebraucht wird. Es ist schwierig, eine Typologie oder eine Abfolge von in sich homogenen Phänomenen unter den Begriff Mafia zu bringen; und es ist genauso schwierig, sich dem Eindruck zu entziehen, dass gerade diese Weite und die Unbestimmtheit den Begriff so beliebt machen.“4
Die Begriffsbestimmung des Historikers Salvatore Lupo verweist auf die Bedeutungsvielfalt der Bezeichnung Mafia und auf die verschiedenen Ansätze, von denen die das Phänomen behandelnden wissenschaftlichen Disziplinen ausgehen. Daraus resultiert für Mafia eine Definitionsproblematik, der sich eine Studie über das Thema nicht entziehen kann. Angelehnt an die etwas versteiften Ansichten des deutschen Soziologen Henner Hess (1970), der Mafia durch mafioses Verhalten definierte, das um die beiden in der Gesellschaft des Mezzogiorno verankerten Schlüsselbegriffe Ehre und omertà kreiste, statt eine feste Organisationsstruktur anzunehmen, stellte sein italienischer Sozius Pino Arlacchi 1983 fest:
„Im Gegensatz zu dem, was von einem großen Teil der literarischen und journalistischen Publizistik zum Thema suggeriert wird, gibt es keine (und hat es auch nie gegeben) hierarchische und zentralisierte Organisationen, die mafia, `ndrangheta oder ehrenwerte Gesellschaft genannt wird und deren Mitglieder durch Schwüre gegenseitiger Treue und gegenseitigen Beistands miteinander verbunden sind, die während finsterer Zeremonien ausgeführt werden.“5
1. Einleitung: Die Einleitung skizziert die Problematik der Erforschung der kalabrischen Mafia und steckt den Rahmen der Studie ab, die sich auf den Aufstieg ab den siebziger Jahren konzentriert.
2. Mafia – Ein thematisches Problem: Dieses Kapitel erläutert die methodischen Schwierigkeiten bei der historischen Quellenlage und die komplexe Definitionsfrage des Begriffs Mafia.
3. Die `Ndrangheta in der traditionellen Phase (1860-1950): Die Untersuchung der frühen Entwicklungsgeschichte und die Identifizierung der `Ndrangheta als archaisches, klientelistisches System stehen hier im Mittelpunkt.
4. Krise und Transformation der `Ndrangheta (1950-1970): Hier wird der gesellschaftliche Wandel der Nachkriegszeit beleuchtet, der die traditionelle Mafia in eine Krise stürzte und den Grundstein für ihre Transformation legte.
5. Der Aufstieg der `Ndrangheta in den siebziger Jahren: Das zentrale Kapitel analysiert die sprunghafte Machtexpansion durch staatliche Investitionsprojekte, die Integration in politische Netzwerke und die Gründung der "Santa".
6. `Ndrangheta und Staat: Dieser Abschnitt thematisiert die symbiotische Beziehung zwischen Mafia und staatlichen Akteuren sowie die Verflechtung mit politischen Systemen bis in die Ära nach dem Ende der Ersten Republik.
7. Der weitere Aufstieg der `Ndrangheta: Hier werden die Modifikationen der Organisationsstruktur durch die Pax Mafiosa von 1991 und die zunehmende Rolle als "unternehmerische Mafia" analysiert.
8. Die Expansion der `Ndrangheta: Das letzte inhaltliche Kapitel untersucht die räumliche Ausbreitung über Kalabrien hinaus, die Unterwanderung von Institutionen wie dem Gesundheitswesen und die kriminelle Kolonisation neuer Gebiete.
9. Schlusswort: Das Schlusswort fasst die zentralen Erkenntnisse zusammen und betont die historische Kontinuität der Symbiose zwischen Mafia, Politik und Wirtschaft.
`Ndrangheta, organisierte Kriminalität, Mezzogiorno, Kalabrien, Transformation, Klientelismus, Unternehmerische Mafia, Santa, Politikverflechtung, Pax Mafiosa, Cosa Nostra, Drogenhandel, Institutionelle Infiltration, Sozialer Wandel, Reggio Calabria
Die Arbeit analysiert die historische Entwicklung und den Aufstieg der kalabrischen Mafia-Organisation `Ndrangheta, insbesondere den Übergang von einer traditionellen, ländlich geprägten Struktur hin zu einem modernen, ökonomisch und politisch tief verwurzelten Machtfaktor.
Zu den Kernbereichen gehören die sozioökonomischen Bedingungen der Nachkriegszeit, die Rolle der `Ndrangheta in politischen Bündnissen, die Bedeutung der "Santa" als Modernisierungsstrategie sowie die Unterwanderung öffentlicher Institutionen und Infrastrukturprojekte.
Ziel ist es, ein möglichst fundiertes Gesamtbild der Entwicklung der `Ndrangheta zu erstellen und aufzuzeigen, wie sie trotz staatlicher Versuche der Bekämpfung ihr Machtpotenzial durch Anpassung an moderne wirtschaftliche Gegebenheiten stetig ausbauen konnte.
Die Studie stützt sich auf eine historische und soziologische Analyse, unter Verwendung zahlreicher Fachpublikationen, juristischer Dokumente, Prozessakten sowie soziologischer Untersuchungen über das Phänomen Mafia.
Der Hauptteil konzentriert sich auf die 1970er Jahre als Wendepunkt ("Qualitätssprung") und analysiert detailliert, wie staatliche Subventionen und große Infrastrukturprojekte, wie der Bau der Autobahn und des Hafens in Gioia Tauro, als Katalysatoren für die kriminelle Expansion und Kapitalakkumulation fungierten.
Die zentralen Schlagworte sind `Ndrangheta, Transformation, Klientelismus, Unternehmerische Mafia, Politikverflechtung, Institutionelle Infiltration, Reggio Calabria und der sozioökonomische Kontext des Mezzogiorno.
Die Studie zeigt auf, dass verdeckte Freimaurerlogen als diskrete Schnittstellen dienten, über die sich Mafiosi mit Vertretern aus Politik, Wirtschaft und Verwaltung vernetzen konnten, um so ihre Interessen auf nationaler Ebene zu institutionalisieren.
Die "Santa" wird als interne Enklave beschrieben, die es der Organisation ermöglichte, auf die veränderten Anforderungen der modernen Wirtschaft und Politik zu reagieren, indem sie eine elitäre Struktur schuf, die direkten Einfluss auf legale gesellschaftliche Eliten nehmen konnte.
Taurianova dient als exemplarisches Fallbeispiel für die totale Unterwanderung kommunaler Institutionen durch eine kriminelle "Dynastie" und veranschaulicht, wie eine Gemeinde unter mafiosem Diktat in eine korrupte Mafiaökonomie transformiert werden kann.
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