Masterarbeit, 2011
115 Seiten, Note: 1,3
1. Einleitung
2. Das System
2.1 Zwischen Kontrolle und Kommerz – die Filmwirtschaft im NS-Regime
2.2 Der „Schirmherr“ und sein Film
2.3 Der Spielfilm im Dritten Reich
3. Die Stars
3.1 Zum Starbegriff
3.2 Zur Geschichte des Starsystems
3.3 Stars und ihre Funktion im Film des Dritten Reiches
3.4 Die gefeierte Diva – Zarah Leanders Karriere in Hitlers Deutschland
3.4.1 Das Reich braucht eine neue Diva – Die Ufa entdeckt Zarah Leander
3.4.2 Opportunistische Karrierefrau oder unangepasster Star? Zarah Leander und der Nationalsozialismus
3.4.3 Synchrone Kontinuität im Leander-Image
3.4.4 Diachrone Kontinuität im Leander-Image
3.5 Der kleine Mann als Star – Heinz Rühmann im Film der NS-Zeit
3.5.1 Heinz Rühmanns Karriere in der Weimarer Republik
3.5.2 Opportunismus oder innere Emigration? Heinz Rühmann und der Nationalsozialismus
3.5.3 Synchrone Kontinuität im Rühmann-Image
3.5.4 Diachrone Kontinuität im Rühmann-Image
4. Die Filme
4.1 Exkurs: Zur Renaissance des Propagandafilms um 1940
4.2 Zarah Leander in Die große Liebe (1942)
4.2.1 Entstehungskontext des Films
4.2.2 Der innerfilmische Starkult um Zarah Leander in Die große Liebe
4.2.3 Die große Liebe als Heimatfrontfilm
4.2.4 Die große Liebe als Melodram
4.2.5 Durchhalteschlager oder Trostlieder? Zur Bedeutung der Musik in Die große Liebe
4.3 Heinz Rühmann in Quax, der Bruchpilot (1941)
4.3.1 Heinz Rühmann und sein Flieger-Film. Zum Entstehungskontext
4.3.2 Erziehung zur Autorität – Quax, der Bruchpilot im Kontext der Wehrertüchtigungspropaganda
4.3.3 „Der notorische Zivilist.“ Widersprüchliche Tendenzen in Quax, der Bruchpilot
4.4 Heinz Rühmann in Die Feuerzangenbowle (1944)
4.4.1 Die Filmproduktion um 1943
4.4.2 Bombenstimmung im schalldichten Studio – Dreharbeiten in Babelsberg
4.4.3 Die Feuerzangenbowle als faschistischer Erziehungsfilm?
4.4.4 Gefährlicher Eskapismus? Die Feuerzangenbowle als widersprüchlicher Film
4.4.5 Die Feuerzangenbowle als Kultfilm
5. Das Publikum
5.1 Vorbemerkung zur Publikumsforschung
5.2 Meinungsforschung im Dritten Reich – „Meldungen aus dem Reich“ des Sicherheitsdienstes der SS (SD)
5.3 Exemplarische Rezeptionszeugnisse
6. Ergebnis: Harmlose Stars oder nützliche Idole? Die Rolle der Schauspieler Zarah Leander und Heinz Rühmann im Film des Dritten Reiches
Die Arbeit untersucht die Rolle und Wirkung der prominenten Filmstars Zarah Leander und Heinz Rühmann im Nationalsozialismus, um zu klären, inwieweit diese Schauspieler als „nützliche Idole“ das NS-Regime stützten oder ob ihre Filmrollen ambivalente Identifikationsangebote enthielten.
3.1 Zum Starbegriff
In diesem Abschnitt der Arbeit ist es notwendig, zunächst auf den Begriff und die Definition von Star und Starsystem einzugehen, um anschließend zu prüfen, wie die nationalsozialistische Filmpolitik dieses System anwandte und welche Funktion Stars wie Zarah Leander und Heinz Rühmann im Film des Dritten Reiches erfüllten.
Der inflationäre Gebrauch des Begriffs „Star“ („Filmstar“, Rockstar“, „Politstar“) und die Hochkonjunktur medialer Star-Kreation („Deutschland sucht den Superstar“, „Popstars“ u.a.) deuten die Schwierigkeit der Begriffsklärung an. Auch die wissenschaftliche Definition erweist sich als unwegsam. Die phänotypische Vielfalt und Komplexität scheinen die Schaffung einer konsistenten Theorie des Stars zu erschweren. Während die Forschung der vergangenen Jahrzehnte sich meist auf Startypologien (Patalas 1963) oder differenzierte Einzelstudien (Levy 1988) konzentrierte, so versuchen neuere Publikationen, allgemeingültige, überzeitliche Kategorien für das Phänomen Star (Korte/Faulstich 1997) und eine im Speziellen auf das Medium Film bezogene Definition zu entwickeln (Lowry/Korte 2000).
Dabei kristallisieren sich drei Grundkonstanten des Stars heraus: „Erfolg“, „Image“ und „Kontinuität.“ Während „Erfolg“, die nicht näher definierte Voraussetzung ist, die der Star sich selbst erarbeiten muss, so wird das „Image“ im Wesentlichen durch die „individuellen und kollektiven, psychischen und soziokulturellen Vorgänge im Rezeptionsbereich“ gebildet. Der Begriff „Kontinuität“ fungiert dabei als eine Art Überkategorie und wird nach Korte/Faulstich in eine synchrone und eine diachrone Dimension unterteilt. Diachrone Kontinuität bezeichnet die Beständigkeit von „Erfolg“ und „Image“ über die Filmrollen und Karriereabschnitte hinweg, synchrone Kontinuität meint die konstante Relation zwischen Filmrolle und privater Persönlichkeit des Stars, zwischen inner- und außerfilmischem Bild in der Öffentlichkeit. Lowry/Korte betonen allerdings die Notwendigkeit eines Momentes der Rätselhaftigkeit, das notwendig sei, um das Interesse an der Person des Stars und eine Spannung zwischen Nähe und Distanz aufrechtzuerhalten: So muss ein Star, wenn er fürs Publikum interessant und wirksam sein soll, gleichzeitig „menschlich“ und „göttlich“, normal und außergewöhnlich, typisch und einzigartig sein. Der Star muss nahe genug am Publikum sein, um seine Gefühle und Befindlichkeiten zu verkörpern, diese jedoch auch in einer besonders exponierten, konzentrierten und exaltierten Form präsentieren.
1. Einleitung: Die Arbeit stellt die Forschungsfrage nach der Funktion von Zarah Leander und Heinz Rühmann als Stars im NS-Regime und führt in das Konzept der „unsichtbaren“ Propaganda ein.
2. Das System: Dieses Kapitel erläutert die nationalsozialistische Filmpolitik, die Zensur und die wirtschaftliche Organisation des Kinos im Dritten Reich.
3. Die Stars: Hier werden der theoretische Starbegriff sowie der systematische Aufbau von Starkult als Instrument der Propagandasteuerung untersucht.
4. Die Filme: Der Hauptteil analysiert ausgewählte Filme (Die große Liebe, Quax, der Bruchpilot, Die Feuerzangenbowle) im Hinblick auf mehrdeutige Identifikationsangebote.
5. Das Publikum: Dieses Kapitel untersucht exemplarisch anhand von Zeitzeugenberichten, wie das Publikum die Filme im Kontext von Krieg und Propaganda tatsächlich wahrnahm.
6. Ergebnis: Harmlose Stars oder nützliche Idole? Die Rolle der Schauspieler Zarah Leander und Heinz Rühmann im Film des Dritten Reiches: Die Arbeit schließt mit einer Bewertung der Ambivalenz zwischen privater Karriere, Systemkonformität und der Wirkung auf die Zuschauer.
Zarah Leander, Heinz Rühmann, Nationalsozialismus, NS-Filmpolitik, Starsystem, Propaganda, Unterhaltungskino, Identifikationsfiguren, Mediale Mobilmachung, Kontinuität, Filmgeschichte, Ufa, Zeitzeugenforschung, Die Feuerzangenbowle, Die große Liebe
Die Arbeit untersucht die Rolle der Stars Zarah Leander und Heinz Rühmann im nationalsozialistischen Filmwesen und hinterfragt deren Bedeutung als Propagandainstrumente im Gegensatz zu ihrer Funktion als reine Unterhaltungskünstler.
Die Schwerpunkte liegen auf der Analyse der nationalsozialistischen Filmpolitik, der Entstehung und Lenkung von Starkult, der filmischen Inszenierung von Identifikationsfiguren und der realen Rezeption dieser Filme durch das Publikum während des Krieges.
Die zentrale Forschungsfrage zielt darauf ab zu klären, inwieweit Leander und Rühmann bewusst eingesetzte „nützliche Idole“ des Regimes waren oder ob ihre Rollen widersprüchliche Potenziale boten, die den intendierten Zielen der NS-Propaganda entgegenstanden.
Es erfolgt eine Kombination aus filmwissenschaftlicher Analyse (Makro- und Mikroanalysen), der Untersuchung filmhistorischer Zusammenhänge und der Auswertung zeithistorischer Quellen wie Tagebüchern und Feldpostbriefen für die Rezeptionsforschung.
Im Hauptteil steht die detaillierte Filmanalyse von Werken wie „Die große Liebe“, „Quax, der Bruchpilot“ und „Die Feuerzangenbowle“ im Zentrum, wobei insbesondere deren Produktionskontext, Rollentypen und die Bedeutung der Musik beleuchtet werden.
Zu den Kernbegriffen gehören Starkult, NS-Filmpolitik, Zarah Leander, Heinz Rühmann, Propaganda, Identifikationsfiguren, Rezeptionsforschung und das Konzept der „unsichtbaren“ Propaganda.
Sie wurde als internationale Diva mit exotischer Ausstrahlung inszeniert, deren Rollen häufig eine Flucht in eine luxuriöse, vom NS-Alltag losgelöste Welt boten, die jedoch am Ende stets den ideologiekonformen Rückzug ins Private vorsah.
Rühmann verkörperte den „kleinen Mann“, der sich durch Alltagswidrigkeiten schlägt, aufmuckt, aber letztlich durch Erziehungsprozesse in das System der Ordnung und Disziplin integriert wird, was ihn als „nützliches Idole“ für das NS-System prädestinierte.
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