Magisterarbeit, 2008
110 Seiten, Note: 1,3
1 Einleitung: Problemstellung, Methodik und Ziel
2 Darstellung der Figur, ihrer Handlungen und ihres Verhältnisses zu anderen Figuren
2.1 Die Königin Ginover in hof und stat
2.1.1 Ginover, die byderbe, elementarer Bezugspunkt des 'Prosa-Lancelot'
2.1.2 Die Furt der Königin
2.1.3 Die entrechtete, aber innig geliebte Königin
2.1.4 Ginovers Darstellung ihrer Beziehung zu Lancelot in der Öffentlichkeit
2.1.5 Feindseligkeiten gegenüber der Königin
2.1.6 Dissonanzen zwischen der Königin und den Rittern der Tafelrunde
2.1.7 'Ginover in Gefahr'
2.1.8 Die Aufdeckung des Ehebruchs
2.1.9 Eine erste Profilierung
2.2 Ginover als Artus Ehegattin
2.2.1 Das einmütige Ehepaar
2.2.2 Herrscherehe als Formalität
2.2.3 Beiderseitige Untreue
2.2.4 Ginover als verstoßene Ehefrau
2.2.5 Das versöhnte Herrscherpaar
2.2.6 Artus riskiert Ginovers Verlust
2.2.7 Artus, Ginover und Lancelot
2.2.8 Ginover und Artus im finalen 'Tod des Königs Artus'
2.2.9 Die Profilierung der Figur als Artus' Ehegattin
2.3 Ginover und Lancelot
2.3.1 Die Lancelot-Ginover-Minne im Spiegel der Forschung
2.3.2 Ritter der Königin
2.3.3 Lancelot im Minnebann
2.3.4 Identifikation Lancelots als Minnediener
2.3.5 Die Erfüllung der Liebe
2.3.6 Zwischenfazit 1
2.3.7 Neue Perspektiven für das Liebespaar?
2.3.8 Mynne, die alle die lút wol ansehen mögen
2.3.9 Die Karrenritter-Episode
2.3.10 Versicherung der Liebesbindung
2.3.11 Zwischenfazit 2
2.3.12 Die Beziehung im Schatten des Grals
2.3.13 Das Turnier zu Camelot
2.3.14 Lancelot im falschen Bett
2.3.15 Die Ginover-Minne als Teufelswerk
2.3.16 Ginover und Lancelot im finalen 'Tod des Königs Artus'
2.3.17 Zwischenfazit 3
2.3.18 Profilierung der Figur im Rahmen der Lancelot-Ginover-Minne
2.4 Ginovers Verhältnis zu weiteren Figuren
2.4.1 Gawan, lieber nefe Ginovers
2.4.2 Galahot und Ginover: trach und serpant
2.4.3 Die Frau von Maloaut, Ginovers Vertraute
2.4.4 Die falsche Minne von Hectors Freundin
2.4.5 Ginovers Beziehung zu Hector, Bohort und Lionel
2.4.6 Das heilkundige Fräulein als Gegenbild Ginovers
2.4.7 König Claudas' Vernichtung
2.4.8 Ginovers Hilflosigkeit angesichts Mordrets Bestrebungen
2.4.9 Zusammenstellung der weiteren Aspekte der Ginover-Figur
3 Schluss: Fazit & Ausblick
Diese Arbeit untersucht die vielschichtige Figur der Königin Ginover im mittelhochdeutschen 'Prosa-Lancelot'. Ziel ist es, ihr komplexes Profil jenseits von Schwarz-Weiß-Malerei zu erfassen, indem ihre Rolle im Spannungsfeld zwischen ihrer Funktion als Königin am Artushof und ihrer geheimen Liebesbindung zu Lancelot analysiert wird.
Die Furt der Königin
Im dritten Kapitel 'Die Dolorose Garde' des ersten Bandes ist eine Episode von der Namensgebung einer Furt eingefügt, die zu den Erinnerungen an ein Artus-Geschehen außerhalb der Lancelot-Handlung gehört und "der Artuswelt 'historisches' Relief verleiht". Die Furt hieß so, weil die Königin sie als erste entdeckt hatte, und zwar während Artus gegen sieben Könige Krieg führte. Diese entdeckten eines Morgens sein Lager; bei ihrem Überfall hatte die Königin solche Angst, dass sie durch den Humber ritt und so die Furt entdeckte. König Urien wollte ihr folgen, aber Key widerspricht:
"Nu riten wir uber das waßer", sprach der konig Friens. "Der muß geuneret syn", sprach Key der truchses, "der dalang daruber gerytt, er hab dann zu allererst jostiert, der man wiedder den synen..."
Lässt sich in dem Motiv – wären die Ritter Ginover durch das Wasser gefolgt, hätte es Schande über sie gebracht – eine Andeutung eines mangelhaften Verhaltens und des Schadens lesen, der daraus einem ihr folgenden Ritter erwachsen kann, zumal in der Auslegung Artus' schicksalsweisender Träume auf Carduel Wasser die weltlichen Sünden bedeutet? Allerdings ist dieses im 'Prosa-Lancelot' dominante Element äußerst unterschiedlich belegt: Da Lancelot im Lac aufwächst, wird er ein Kind der Welt, ist aber keineswegs identisch mit dem Teufel, der ja auch im Wasser wohnt. Wir finden Wasser vielfach im Sinne der geläufigen Vorstellungen sowohl eines Höllenpfuhls, als auch eines Hindernisses, das es mittels Brücke oder Schiff zu überqueren gilt, oder aber eines erfrischenden Flusses oder einer Quelle, bei der insbesondere ein verwundeter Ritter Erquickung und Ruhe findet.
1 Einleitung: Problemstellung, Methodik und Ziel: Einführung in den 'Prosa-Lancelot' und die methodische Herangehensweise zur Untersuchung der Ginover-Figur.
2 Darstellung der Figur, ihrer Handlungen und ihres Verhältnisses zu anderen Figuren: Analyse von Ginovers Rolle als Königin, Ehefrau, Geliebte und ihrem Umgang mit anderen Figuren am Artushof.
3 Schluss: Fazit & Ausblick: Zusammenfassende Profilierung der Ginover-Figur als vielschichtige, herrschaftsstützende und doch durch ihre Minne gefährdete Persönlichkeit.
Prosa-Lancelot, Ginover, Artus, Lancelot, Minne, Rittertum, Herrschaft, byderbekeit, Gral, Literaturwissenschaft, mittelhochdeutsch, Minneherrin, Figurenprofil, Hofgesellschaft, Ehebruch.
Die Arbeit analysiert die Figur der Königin Ginover im mittelhochdeutschen 'Prosa-Lancelot', um ihr vielschichtiges Profil und ihre Bedeutung für das epische Geschehen zu entschlüsseln.
Zu den Schwerpunkten zählen die Rolle der Königin als Herrscherin am Hof, die ambivalente Natur ihrer Minnebeziehung zu Lancelot sowie ihr Einfluss auf das Artusreich.
Es soll die Vielseitigkeit bzw. Vielgesichtigkeit der Ginover-Figur profiliert werden, indem ihre Darstellung und ihre Beziehungen zu anderen Akteuren untersucht werden.
Die Autorin verwendet einen philologisch-empirischen Ansatz, der auf der Analyse von Belegen innerhalb der chronologischen 'gelebten Zeit' des Romans basiert.
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Ginovers Rolle als Königin im höfischen Kontext, ihre Beziehung zu Artus als Ehefrau, ihre Minnebeziehung zu Lancelot sowie ihr Verhältnis zu weiteren zentralen Figuren.
Wichtige Schlagworte sind Minne, Herrschaft, byderbekeit, Artuswelt, ere und die Analyse des mittelhochdeutschen 'Prosa-Lancelot'.
Ginover versteht ihre Rolle primär als Herrscherin, deren Ziel die Sicherung der Artusherrschaft ist; ihre Minne zu Lancelot bleibt dieser übergeordneten Priorität unterworfen.
Träume fungieren oft als Vorausdeutungen auf Krisen im Liebesverhältnis, die das Unvermögen der Figuren unterstreichen, die Situationen ohne Verleumdungen oder Missverständnisse zu klären.
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