Magisterarbeit, 2006
119 Seiten, Note: 1,0
Vorwort
I Derrida
Einleitung
Dekonstruktion
Was Dekonstruktion nicht ist
Methodologie der Dekonstruktion
Dekonstruktion – eine Methode?
Das Passieren der Dekonstruktion
Dekonstruktion des Zeichens
Die différance
Grammatik und Etymologie der différance
In der Spur Heideggers
Das Verschwinden des transzendentalen Signifikats
Saussures Widerstreit: Differenzen ohne positive Einzelglieder
Spur und Schrift
Bestimmung der Spur
Der Spur auf der Spur
Die Materialität der Spur
Der Ursprung
Zusammenfassung
II Luhmann
Einleitung
Die Systemtheorie
System und Umwelt
Die Form als Differenz
System/Umwelt-Differenz
Autopoiesis durch Operationen
Beobachtung
Der blinde Fleck
Zeichen und Medien
Medium und Form
Sinn als Welthorizont
Sinn und Unsinn
Sinndimensionen
Sprache und Zeichen
Sprache als Kommunikationsmedium
III Vergleichsmomente
Vorbemerkungen
Die Operation „Vergleichen“
Literaturlage
Differenzbegriffe im Vergleich
Formkalkül vs. différance
Schwanitz’ Sinn/différance-Äquivalenzthese
Dekonstruktion als Beobachtung
Blinder Fleck und différance
Zeichenbegriffe im Vergleich
Das Zeichen
Schrift und Schrift
Zusammenfassung und Ausblick
Die vorliegende Magisterarbeit unternimmt einen theoretischen Vergleich zwischen der Dekonstruktion von Jacques Derrida und der Systemtheorie von Niklas Luhmann hinsichtlich ihres Verständnisses von Zeichen und Differenz. Ziel der Arbeit ist es, die Unterschiede sowie die leicht zu übersehenden Gemeinsamkeiten dieser beiden Ansätze herauszuarbeiten, um ein besseres Verständnis für die Logik beider Theorien und deren Lösungsversuche in Bezug auf die Problematik von Zeichen und Differenz zu ermöglichen.
Die différance
Man findet bei Derrida, wie sollte es auch anders sein, keine eindeutige, geschweige denn leicht verständliche Erklärung, worum es sich bei diesem seltsamen Kunstwort, der différance, eigentlich handelt. Derrida (2004) hat selbst anhand eines Essays versucht, das Geheimnis des Begriffes zu lüften, den er zuvor unreflektiert in seinem Buch zur Entwicklung einer Schriftwissenschaft, der Grammatologie, eingeführt hatte. Die Spur(!) des Begriffes – oder des (Un-)Begriffes, wie sich herausstellen wird – führt, soviel scheint eindeutig zu sein, in Derridas Verständnis von Sprache und Zeichen. Sprache (oder besser Repräsentation durch Zeichen) ist zunächst zweigeteilt in gesprochene Sprache einerseits und Schrift auf der anderen Seite. Dabei lehnt Derrida, wie bereits erwähnt, den Logozentrismus der Metaphysik und der abendländischen Rationalität, wonach das gesprochene Wort über der Schrift steht, grundsätzlich ab.
Die Bedeutung der Schrift sowie deren Eigenständigkeit scheint besonders bei Homophonen in Erscheinung zu treten. Eines dieser Homophone ist das von Derrida entwickelte Kunstwort différance, das in seiner graphischen Erscheinungsform mit dem a eine stillschweigende aber folgenschwere Verschiebung zur orthographisch korrekten Schreibweise mit e (différence) aufweist. Dabei ist dieser stumme Austausch von Vokalen im Französischen tatsächlich stumm; denn die beiden Substantivendungen –ence und –ance sind zwar graphisch, nicht jedoch phonetisch unterscheidbar – eben homophon. Derrida benutzt dies als Indiz, als Spur, die zumindest auf die Eigenständigkeit der Schrift neben dem gesprochenen Wort hinweisen soll.
I Derrida: In diesem Kapitel wird Derridas Verständnis von Zeichen und Differenz durch die Konzepte der Dekonstruktion, der *différance* und der Spur rekonstruiert.
II Luhmann: Dieses Kapitel erörtert die Grundbegriffe der Luhmannschen Systemtheorie, insbesondere die System/Umwelt-Differenz, Autopoiesis, Beobachtung sowie den Sinn- und Zeichenbegriff.
III Vergleichsmomente: Im letzten Teil werden die beiden Theorien in einen direkten Vergleich gesetzt, um Kompatibilitäten und fundamentale Differenzen insbesondere hinsichtlich der Begriffe Zeichen und Differenz zu eruieren.
Jacques Derrida, Niklas Luhmann, Dekonstruktion, Systemtheorie, Zeichen, Differenz, *différance*, System/Umwelt-Differenz, Beobachtung, Sinn, Schrift, Logozentrismus, Autopoiesis, Metaphysik, Formkalkül.
Die Arbeit untersucht vergleichend die Theorien von Jacques Derrida (Dekonstruktion) und Niklas Luhmann (Systemtheorie) hinsichtlich ihrer zentralen Begriffe Zeichen und Differenz.
Die Schwerpunkte liegen auf der Dekonstruktion des Zeichens, dem Konzept der *différance*, der System/Umwelt-Differenz bei Luhmann sowie der Frage, wie beide Autoren das Verhältnis von Sprache, Schrift und Beobachtung konzipieren.
Das Ziel ist nicht die Vereinigung der Theorien, sondern deren gegenüberstellende Analyse, um Gemeinsamkeiten und fundamentale Unterschiede in ihrer Logik aufzudecken und ein besseres Verständnis für beide Ansätze zu fördern.
Die Arbeit verfolgt eine rekursive Lektürestategie, bei der die Theorien zunächst einzeln rekonstruiert und anschließend im Vergleich kritisch aufeinander bezogen werden.
Der Hauptteil gliedert sich in die detaillierte Darstellung der dekonstruktiven Ansätze Derridas, der soziologischen Systemtheorie Luhmanns und einem abschließenden Vergleichskapitel, das insbesondere die Begriffe *différance* und Formkalkül sowie die Frage der "Dekonstruktion als Beobachtung" analysiert.
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Dekonstruktion, Systemtheorie, *différance*, System/Umwelt-Differenz, Zeichentheorie, Sinn, Schrift und Beobachtung zweiter Ordnung charakterisieren.
Die Autor setzt sich kritisch mit der Literatur auseinander, die Luhmanns Zeichenbegriff als unterreflektiert bezeichnet, und prüft, inwieweit Luhmann die Materialität des Zeichens in der Umwelt auslagert.
Während Derrida die Schrift (*écriture*) als radikalen, dekonstruktiven Oberbegriff für jegliche Zeichenverwendung versteht, nutzt Luhmann den Begriff im herkömmlichen Sinne als optisches Medium der Kommunikation, das zur Steigerung der systeminternen Reflexivität dient.
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