Bachelorarbeit, 2013
62 Seiten, Note: 2,5
1 Einleitung
2 Ausgangssituation vor dem GKV-Wettbewerbsstärkungsgesetz 2004
2.1 Reformentwicklungen seit 1989
2.2 Gründe für die Reform 2004
2.3 Reformvorschläge
3 Selbstbeteiligungen als Steuerungsinstrument
3.1 Formen der Selbstbeteiligung
3.1.1 Nicht-monetäre Selbstbeteiligungen
3.1.2 Monetäre Selbstbeteiligung
3.2 Funktionen von Selbstbeteiligungen
3.2.1 Finanzierungsfunktion
3.2.2 Steuerungsfunktion
3.3 Wirksamkeit von Selbstbeteiligungen
3.4 Selbstbeteiligungen im internationalen Kontext
4 Die Praxisgebühr als direkte Selbstbeteiligung
4.1 Ziel und Funktion der Praxisgebühr
4.2 Erhebungsregelungen und soziale Aspekte
5 Effekte der Praxisgebühr
5.1 Verhalten der Versicherten nach Einführung der Praxisgebühr
5.1.1 Häufigkeit der Arztbesuche
5.1.2 Verhalten nach Sozialstatus
5.1.3 Verhalten nach Gesundheitszustand
5.2 Effekte auf die Ärzte
5.2.1 Der Hausarzt als Lotse
5.2.2 Auswirkungen auf die Fachärzte
5.2.3 Einzug der Praxisgebühr
5.3 Auswirkungen auf die gesetzlichen Krankenkassen
6 Kritische Reflexion
6.1 Effekte der Praxisgebühr
6.2 Finanzierungswirkung
6.3 Kosten- und Bürokratiefaktor
7 Fazit
Die Arbeit analysiert die Einführung, Funktionsweise und Effekte der Praxisgebühr in Deutschland zwischen 2004 und 2012. Ziel ist es zu prüfen, ob die mit der Gebühr verbundenen Erwartungen hinsichtlich der Steuerung des Patientenverhaltens und der finanziellen Entlastung der gesetzlichen Krankenversicherung erfüllt wurden.
3.1 Formen der Selbstbeteiligung
Selbstbeteiligungen lassen sich in monetäre und abweichend von der allgemeinen Definition auch in nicht-monetäre Formen gliedern. Nicht monetäre Selbstbeteiligungen bezeichnen dabei im Wesentlichen die Zeit- und Wegekosten die dem Erkrankten für die Diagnostik und Behandlung seiner Gesundheitsstörung entstehen. Diese indirekten Kosten werden in den Fachkreisen auf Grund des in der allgemeinen Definition enthaltenen, grundsätzlich monetären Charakters von Selbstbeteiligungen, nicht ganz unumstritten zu diesen gezählt.
3.1.1 Nicht-monetäre Selbstbeteiligungen
Patientenquittung
Unter die nicht-monetäre Selbstbeteiligung wird die ebenfalls mit dem GKV-Wettbewerbsstärkungsgesetz 2004 eingeführte Patientenquittung gezählt. Diese ist nicht mit einer direkten Zahlung verbunden, soll jedoch dem Versicherten in Form einer Einzelquittung bzw. eines Quartalsauszuges die tatsächlich entstandenen Kosten seiner Behandlung visualisieren. Die Patientenquittung wird nur auf Anforderung des Patienten erstellt und in der Regel gegen Entrichtung einer Verwaltungsgebühr zugestellt. Damit hat diese Selbstbeteiligung keine Vorfeldsteuerungswirkung soll aber für nachfolgende Konsultationsentscheidungen sensibilisieren.
Opportunitätskosten
In die gleiche Kategorie zählen s.g. Opportunitätskosten, die den zeitlichen Aufwand, die zurückzulegenden Wege und ggf. zu ertragenen Schmerzen während einer Behandlung beschreiben. Versicherte müssen für Diagnostik und Behandlung Zeit aufwenden und Wege zu den Behandlern zurücklegen, die ohne Erkrankung nicht anfallen würden – sie müssen Ressourcen aufwenden, deren Verwendung häufig nicht oder nur in begründeten Einzelfällen teilweise ersetzt werden. Ein Ausgleich der durch Schmerzen und/oder Nebenwirkungen der Behandlung eingeschränkten Lebensqualität erfolgt nicht.
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die historische Entwicklung der gesetzlichen Krankenversicherung in Deutschland ein und skizziert die Einführung des GKV-Modernisierungsgesetzes 2004 sowie die zentrale Forschungsfrage der Thesis.
2 Ausgangssituation vor dem GKV-Wettbewerbsstärkungsgesetz 2004: Hier werden die gesundheitspolitischen Rahmenbedingungen und vorangegangenen Reformbemühungen dargestellt, die den Bedarf für strukturelle Veränderungen in der GKV begründeten.
3 Selbstbeteiligungen als Steuerungsinstrument: Dieses Kapitel definiert verschiedene Formen monetärer und nicht-monetärer Selbstbeteiligungen und analysiert deren theoretische Funktionen zur Steuerung und Finanzierung im Gesundheitswesen.
4 Die Praxisgebühr als direkte Selbstbeteiligung: Hier wird die Einführung der Praxisgebühr als spezifisches Instrument beschrieben, inklusive der Erhebungsregelungen und der Zielsetzung der finanziellen Mitverantwortung.
5 Effekte der Praxisgebühr: Das Kapitel untersucht detailliert die Auswirkungen auf das Verhalten der Versicherten, die Rolle des Hausarztes, die Situation der Fachärzte sowie die finanzielle Bilanz der Krankenkassen.
6 Kritische Reflexion: Eine kritische Auseinandersetzung mit der Wirksamkeit der Praxisgebühr im Hinblick auf Steuerungseffekte sowie die bürokratischen Belastungen für das Gesundheitssystem.
7 Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass die Praxisgebühr ihre Steuerungsziele kaum erreichte, während sie sich als Finanzierungsinstrument für Krankenkassen bewährte, jedoch das Arzt-Patienten-Verhältnis belastete.
Praxisgebühr, GKV-Modernisierungsgesetz, Selbstbeteiligung, Patientenverhalten, Arzt-Patienten-Verhältnis, Finanzierung, Gesetzliche Krankenversicherung, Steuerungsinstrument, Moral Hazard, Hausarzt, Facharzt, Bürokratie, Gesundheitsreform, Zuzahlung, Gesundheitsausgaben.
Die Arbeit analysiert die Auswirkungen der zwischen 2004 und 2012 in Deutschland existierenden Praxisgebühr auf die Patienten, die Ärzte und das gesetzliche Krankenversicherungssystem.
Die Schwerpunkte liegen auf der Entwicklung der GKV-Reformen, den Funktionen von Selbstbeteiligungssystemen, dem tatsächlichen Konsultationsverhalten der Versicherten und der ökonomischen Bilanz der Praxisgebühr.
Die Arbeit untersucht, ob die Praxisgebühr ihre gesteckten Ziele – die Steuerung des Patientenverhaltens und die Entlastung der GKV-Finanzen – erreichen konnte und ob sie sich als Instrument bewährt hat.
Die Autorin nutzt eine fundierte Literaturanalyse sowie die Auswertung statistischer Daten und empirischer Studien, um die Effekte der Praxisgebühr zu evaluieren.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Herleitung von Selbstbeteiligungen, eine detaillierte Analyse der Erhebungsregelungen sowie eine empirische Betrachtung der Verhaltensänderungen bei Patienten und der administrativen Folgen für Arztpraxen.
Die wichtigsten Begriffe sind Praxisgebühr, Steuerungswirkung, Finanzierung der GKV, Patientenverhalten, Überweisungspraxis und Bürokratieaufwand.
Die Hausärzte übernahmen die Rolle des "Lotsen", allerdings war der administrative Aufwand für den Einzug und die Quittierung der Gebühr erheblich und führte zu zeitlichen Belastungen im Arzt-Patienten-Gespräch.
Die Praxisgebühr wurde zum 31.12.2012 abgeschafft, da sie sich als steuerungspolitisch weitgehend wirkungslos erwies und die gewünschte Reduzierung unnötiger Arztbesuche nicht nachhaltig erzielen konnte.
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