Bachelorarbeit, 2013
57 Seiten, Note: 1
1 Einleitung
1.1 Fragestellung und Ziel der Arbeit
2 Foucaults Konzept von Macht
2.1 Disziplinarmacht
2.2 Panoptismus
2.3 Disziplinargesellschaft
2.4 Bio-Macht und Sexualitätsdispositiv
2.4.1 Bio-Macht
2.4.2 Sexualitätsdispositiv
2.5 Gouvernmentalität
2.6 Zusammenfassung Macht
3 Frauen Empowerment durch Mikrokredite
3.1 Die Geschichte des (Mikro)-Kredits
3.2 Die „Entdeckung der Frauen“
3.3 Polarisierung im Entwicklungskontext
3.4 Entwicklungspolitischer und ökonomischer Wandel im historischen Kontext
3.4.1 Bedeutungsgewinn der NGOs als Entwicklungsagenten
3.5 Veränderungen im Entwicklungsdispositiv
3.6 Empowerment: Die Problematik des Empowerment-Konzepts
3.6.1 Verschiedene Machtansätze
3.6.2 Was also ist Empowerment?
3.6.3 Bedeutungsverschiebung im Entwicklungsdiskurs
3.7 Das Konzept der Mikrokredite
3.7.1 Das Grameen Modell
3.7.2 Disziplinierung durch Kredite – eine panoptische Machttechnologie
3.7.3 Empowerment durch Mikrokredite: Konzeptueller Rahmen
4 Der Mikrofinanz-Boom: Ein Makrophänomen mit Auswirkungen auf die Mikroebene Fallbeispiel Indien
5 Zusammenfassung der kritischen Gesichtspunkte
6 Fazit
Die Arbeit untersucht, ob das ökonomische Modell der Mikrofinanzierung eine tragfähige Strategie für das komplexe Konzept des Frauen-Empowerments darstellt. Dabei wird kritisch hinterfragt, ob Mikrokredite über eine bloße wirtschaftliche Besserstellung hinausgehen können oder ob sie vielmehr als neoliberale Disziplinierungsinstrumente fungieren, die Machtbeziehungen unter Berücksichtigung heterogener soziokultureller Realitäten langfristig eher verfestigen als umformen.
3.7.2 Disziplinierung durch Kredite – eine panoptische Machttechnologie
Disziplin beginnt mit der Formierung von Peergroups zu jeweils fünf Personen, die ähnlich wie ein Kreditausschuss operieren und über die Vergabe von Krediten und deren Verwendungszweck diskutieren sowie überwachend, kontrollierend und problemlösend wirken sollen. Allerdings kommt immer mehr Kritik, dass die Gruppenbildung hauptsächlich der Rückzahlung der Kredite dient. Khandker formuliert es so, dass die Gruppenkreditvergabe im Wesentlichen Gruppenzwang und -druck verwendet, um zu überwachen und Verträge durchzusetzen. Diese Struktur bietet einen Anreiz für die KreditnehmerInnen, ihre Schulden zurückzuzahlen und erleichtert es, „gute“ von „bösen“ KreditnehmerInnen zu unterscheiden. All dies wäre sonst zu kostspielig für die Bank (vgl. Khandker, 1994: 2).
Dank dem System der gegenseitigen Überwachung wird Disziplinierung höchst effizient. Die Formierung zu Peergroups beziehungsweise das Gruppenvergabe-Modell stellt eine, nach panoptischen Mustern verfahrende, Disziplinartechnik dar. Ich werde nun versuchen, diese in mehrere Phasen oder Stufen gegliedert darzustellen:
1 Einleitung: Diese Einleitung stellt das Forschungsvorhaben vor, Mikrokredite kritisch anhand von Foucaults Machtbegriff auf ihr Potenzial für echtes Empowerment und Armutsreduktion zu untersuchen.
2 Foucaults Konzept von Macht: Hier werden die theoretischen Grundlagen der Machtanalyse, insbesondere Disziplinarmacht, Panoptismus, Bio-Macht und Gouvernementalität, als methodischer Rahmen eingeführt.
3 Frauen Empowerment durch Mikrokredite: Dieses Hauptkapitel beleuchtet die historische Entwicklung, die Problematik des Empowerment-Begriffs und analysiert, wie Mikrokredite als panoptische Machttechnologien wirken.
4 Der Mikrofinanz-Boom: Ein Makrophänomen mit Auswirkungen auf die Mikroebene Fallbeispiel Indien: Anhand Indiens wird aufgezeigt, wie der Mikrofinanz-Boom trotz der Zielsetzung von Empowerment zu einer Feminisierung der Armut und einer neoliberalen Disziplinierung führen kann.
5 Zusammenfassung der kritischen Gesichtspunkte: In diesem Kapitel werden die verschiedenen Kritikpunkte an Mikrofinanzprogrammen, insbesondere die mangelnde Evidenz für positive Auswirkungen auf Genderbeziehungen, systematisch zusammengefasst.
6 Fazit: Das Fazit stellt fest, dass der derzeitige Mikrofinanz-Ansatz oft einer neoliberalen Marktrationalität folgt und eine tiefergehende Veränderung von Machtstrukturen zugunsten einer ökonomischen Standardisierung verdrängt.
Mikrokredite, Empowerment, Foucault, Disziplinarmacht, Mikrofinanz, Gender, Macht, Neoliberalismus, Armut, Entwicklung, Indien, Überwachung, Panoptismus, Gouvernementalität, Finanzialisierung
Die Arbeit analysiert kritisch das Konzept des Frauen-Empowerments durch das Modell der Mikrofinanzierung unter Rückgriff auf die Machttheorie von Michel Foucault.
Zu den zentralen Themen gehören die Machtverhältnisse in der Entwicklungszusammenarbeit, die Rolle des Staates und von NGOs, die Disziplinierung durch Kreditgruppen sowie die kritische Reflexion des neoliberalen Paradigmas der finanziellen Nachhaltigkeit.
Die Arbeit fragt, ob Mikrokredite eine echte Empowerment-Strategie darstellen, die Machtbeziehungen transformieren kann, oder ob sie primär als Instrument zur Integration in globale Finanzmärkte dienen.
Die Autorin nutzt eine diskursanalytische Herangehensweise, basierend auf Foucaults Konzepten zur Machtanalyse (genealogische Phase), um die Praktiken der Mikrofinanzierung zu dekonstruieren.
Der Hauptteil befasst sich mit der Genese des Mikrokreditmodells, der Dekonstruktion des Empowerment-Begriffs und der Analyse der Kreditvergabe als panoptische Disziplinierungstechnik.
Kernbegriffe sind Mikrokredite, Empowerment, Foucault, Disziplinarmacht, Neoliberalismus und Mikrofinanz.
Indien dient als Fallstudie für den massiven Mikrofinanz-Boom seit den 1990er Jahren, um die negativen Auswirkungen wie Überschuldung und Disziplinierung in der Praxis zu belegen.
Die Autorin schlussfolgert, dass der aktuelle, meist unkritisch befürwortete Lösungsansatz der Mikrofinanzierung eine neoliberale Herrschaftstechnik darstellt, die den Fokus von echtem gesellschaftlichem Wandel auf eine ökonomische Selbstregulierung verlagert.
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