Bachelorarbeit, 2012
60 Seiten, Note: 3,00
1. Einleitung
2. Das Verlangen nach Gemeinschaft
2.1. Die mythische Rolle Mithras
2.2. Die Anhängerschaft
2.3. Die Organisation
2.4. Besonderheiten der Kulträume
2.5. Das Kultmahl
2.6. Zwischenfazit
3. Besonderheiten des Mithraskultes im Vergleich zu den anderen Mysterienkulte
3.1. Die gegenseitige Verpflichtung: Mithraskult als Männerbund
3.2. Die moralischen Werte
3.3. Mithraskult und die römischen Kaiser
3.4. Die Verbindung Mithras mit anderen Mysteriengöttern und mit den einheimischen Gottheiten
4. Fazit
Die vorliegende Arbeit untersucht den Mithraskult der römischen Kaiserzeit als soziales Phänomen, um zu erklären, warum er insbesondere für Militärangehörige und Beamte der kaiserlichen Verwaltung eine hohe Anziehungskraft besaß. Im Zentrum steht die Forschungsfrage, inwiefern der Kult durch die Reproduktion gesellschaftlicher Strukturen und die Förderung gemeinschaftsstiftender Werte erfolgreich in die Netzwerke der römischen Gesellschaft integriert wurde.
2.4. Besonderheiten der Kulträume
Nach Porphyrios bildete Zoroaster als erster ein Tempel zu Ehren Mithras. Im Bergland Persiens richtete er eine natürliche Höhle so ein, dass sie eine Abbildung des Kosmos wurde.98 Nach diesem vorgegebenen Schema wurden später alle Mithrasheiligtümer im Imperium gebaut.99 Die Archäologie hat bestätigt, dass das Mithräum als ein Model des Universums gedacht wurde.100 Was zeichnete also die Kultstätten Mithras und das Bild dieses Gottes, die dort vermittelt wurde, von denen anderer Götter aus? Was ergab sich daraus für die Kultteilnehmer?
Von den bis jetzt ausgegrabenen ca. 135 Kultstätten liegen die Schwerpunkte in Italien und an Rhein und Donau (Abb. 5). Vom östlichen Mittelmeerraum sind im Gegensatz dazu nur wenige Funde bekannt. Diese Tatsache ist etwas verwirrend angesichts der These, dass Mithras aus dem Osten kommt. Inwiefern der römische Mithraskult auf persische Ursprünge zurückzuführen ist, wird weiterhin in der Forschung diskutiert.101
Die Kultstätte spiegelt den Charakter der entsprechenden Kultgemeinschaft. Die Ausstattung wird durch das Ritual geformt und wirkt wiederum auf dieses zurück.102 Das Mithräum wurde oft mit Höhle (spelaeum) verglichen. Die Mehrheit der Mithräen wurden allerdings in künstlich geschaffenen Räumen – fensterlos und zum Teil unterirdisch angelegt. Angespielt wurde auf die zentrale Tat in der Legende, nämlich die Tötung des Stiers, die in einer Grotte stattfand und durch die Mithras zum „Schöpfer des Alls“ wurde.103
1. Einleitung: Einführung in die Merkmale der Mysterienkulte sowie Forschungsstand zur Entwicklung und Verbreitung des Mithraskultes in der römischen Kaiserzeit.
2. Das Verlangen nach Gemeinschaft: Analyse der soziologischen und mythologischen Grundlagen, der Anhängerschaft, der Kultorganisation, der Kulträume sowie der Bedeutung des Kultmahls für das Gemeinschaftsgefühl.
3. Besonderheiten des Mithraskultes im Vergleich zu den anderen Mysterienkulte: Untersuchung der Alleinstellungsmerkmale des Kultes, der geförderten moralischen Werte, des kaiserlichen Verhältnisses zum Mithraskult sowie der Verbindung zu anderen Gottheiten.
4. Fazit: Zusammenfassende Betrachtung der Attraktivitätsfaktoren des Mithraskultes, insbesondere seiner Funktion als soziales Kontrollmittel und Spiegel gesellschaftlicher Strukturen.
Mithraskult, Mysterienkulte, Römische Kaiserzeit, Sozialgeschichte, Männerbund, Kultmahl, Mithräum, Stiertötung, Tauroktonie, Soziale Kontrolle, Militär, Initiationsgrade, Religionsgeschichte, Antike, Gemeinschaftsbildung.
Die Arbeit untersucht den Mithraskult als ein soziales Phänomen und analysiert, warum dieser Kult für bestimmte gesellschaftliche Schichten im Römischen Reich so attraktiv war.
Die Schwerpunkte liegen auf der Organisation der Kultgemeinschaft, den rituellen Praktiken wie dem Kultmahl, der exklusiven Anhängerschaft und der Bedeutung von symbolischen Räumen (Mithräen).
Das Ziel ist es zu ergründen, warum der Kult für Soldaten und Angehörige der kaiserlichen Verwaltung besonders attraktiv erschien und wie er zur Stabilität der sozialen Ordnung beitrug.
Die Arbeit basiert auf einer interdisziplinären Analyse, die archäologische Befunde (Kultstätten, Reliefs), epigraphische Zeugnisse (Inschriften) sowie literarische Quellen einbezieht.
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der mythischen Rolle von Mithras, die soziologische Struktur der Anhängerschaft, die Funktion der Kulträume sowie den Vergleich mit anderen Mysterienkulten und der römischen Staatsreligion.
Wichtige Begriffe sind unter anderem Mithraskult, Männerbund, Soziale Kontrolle, Kultmahl, Mithräum und Römische Kaiserzeit.
Das Militär war der wichtigste Träger des Kultes, da die in den Mysterien geforderten Tugenden wie Disziplin und Loyalität direkt mit den Werten des römischen Heeres korrespondierten.
Das Kultmahl fungierte als zentrales verbindendes Element, das eine exklusive, intime Gemeinschaft stiftete und eine communio zwischen den Teilnehmern und der Gottheit ermöglichte.
Die strenge Geheimhaltung fungierte als bindendes Element, das die Grenze zwischen Eingeweihten und Außenstehenden markierte und das Gefühl der Zugehörigkeit und exklusiven Loyalität innerhalb der Gruppe massiv verstärkte.
Obwohl Mithras nie ein offizieller Staatsgott wurde, wurde der Kult besonders ab dem 3. Jahrhundert von den Kaisern in erheblichem Maße toleriert, teilweise sogar aktiv unterstützt, da Mithras als Gott der Loyalität und des Sieges (invictus) gut zum Selbstbild der Herrscher passte.
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