Bachelorarbeit, 2010
52 Seiten, Note: 1,3
Einleitung
1. Potentialität und Liminalität
1.1. D. W. Winnicott: Transitional Space / Potential Space / Intermediate Area
1.2. Grenzziehungen
1.2.1. Rahmung, Grenze, Schwelle, Brücke
1.2.2. Michel Foucault: Die Heterotopie als wirklicher Ort / Michel de Certeau: Räume und Orte
2. Theatrale Raumkonstitution
2.1. Das „theatralische Raumerlebnis“
2.2. Gespielter und bespielter Raum als Orte der Aufführung
2.3. Theater minus Text? Anmerkungen zum Begriff der Theatralität
3. Zusammenfassung
4. Ordnungsraum und Handlungsraum: Black Box, White Cube und Stadtraum als Orte der Aufführung
4.1. Black Box: Der Schwarzraum in der Kunst und als theatraler Raum
4.2. Ivana Müller: While We Are Holding it Together (2006)
4.2.1. Stillstand und Bewegung
4.2.2. „I imagine...“: Die Vor-Stellung im Hier und Jetzt
4.2.3. Entgrenzte Subjekte
4.3. White Cube: Die Idee des neutralen Raumes
4.4. Tino Sehgal: This is so Contemporary (2005)
4.4.1. „This is...“
4.4.2. Archiv und Performativität: Werk ohne Artefakt
4.4.3. Subversive Nutzung der Konvention?
4.5. Stadtraum: Funktion versus Bedeutung
4.6. Rimini Protokoll: Sonde Hannover (2002)
4.6.1. Der öffentliche Raum und die Aufführung
4.6.2. Ko-Präsenz und ‚Theaterpakt’
4.6.3. Aufmerksamkeit: Zur Performativität von Wahrnehmung
5. Schlussbetrachtung
Die Arbeit untersucht die Bedingungen der Möglichkeit theatraler Raumkonstitution und analysiert, wie unterschiedliche Orte – von der Black Box über den White Cube bis zum Stadtraum – durch performative Akte und spezifische Grenzziehungen als theatrale Räume konstituiert werden.
Black Box: Der Schwarzraum in der bildenden Kunst und als theatraler Raum
Unter Black Box verstehen Piloten, Theaterschaffende, Systemtheoretikerinnen und bildende Künstler ganz unterschiedliche Dinge. Hier soll es um den ‚schwarzen’ Theater- bzw. Museumsraum gehen. Wird von einer Box gesprochen, impliziert dies den Blick von außen auf etwas, dessen Funktionsweise nicht einsichtig oder nachvollziehbar ist. Da die Box in unserem Falle aber betreten werden kann, müsste eher von Black Space o. ä. gesprochen werden. Dass sich der Begriff sowohl in der bildenden als auch in der darstellenden Kunst durchgesetzt hat, mag an der charmanten Alliteration liegen.
2001 widmete sich eine Ausstellung im Kunstmuseum Bern der schwarzen Kiste. Mit der Überschrift Black Box – der Schwarzraum in der Kunst wurde dort der Schritt in den Würfel schon im Titel vollzogen. Ralf Beil beschreibt mit der Camera obscura und der Laterna magica zwei Vorformen, die er als Ausgangpunkt der Entwicklung sieht. Der Schwarzraum in der Kunst war seit jeher an die Vorstellung der Projektion, der Imagination und der Reflexion gebunden. In der begehbaren Camera obscura, einem abgeschirmten Raum des Erkenntnisgewinns und Ort der splendid Isolation, betrachtet der cartesianische Geist die zweidimensionale Abbildung der Welt, die sich ihm durch einen gebündelten Lichtstrahl darbietet und erklärt.
Einleitung: Die Einleitung führt in die Problematik des Theaterraums als flüchtigem, vielgestaltigem Ort ein und stellt die Thesen zur Raumkonstitution als Übergangsraum sowie zur konstitutiven Bedeutung der Grenze auf.
1. Potentialität und Liminalität: Dieses Kapitel erarbeitet theoretische Grundlagen zum "Dazwischen", insbesondere durch Winnicotts Konzept des Übergangsraums, und diskutiert Grenzziehungen als strukturierende Phänomene.
2. Theatrale Raumkonstitution: Hier wird der Begriff der Theatralität in Bezug auf Raum und Aufführung untersucht, wobei Max Herrmanns "theatralisches Raumerlebnis" und Fischer-Lichtes Aspekte der Aufführung zentral sind.
3. Zusammenfassung: Dieses Kapitel rekapituliert die Unterscheidung zwischen Ordnungs- und Handlungsraum sowie die Bedeutung der Liminalität für das Verständnis theatraler Räume.
4. Ordnungsraum und Handlungsraum: Black Box, White Cube und Stadtraum als Orte der Aufführung: Das Hauptkapitel analysiert die drei gewählten Räume anhand konkreter Inszenierungen, um zu zeigen, wie in diesen spezifischen Kontexten Theater als "Aufführung" stattfindet.
5. Schlussbetrachtung: Die Schlussbetrachtung synthetisiert die Ergebnisse und unterstreicht, dass die Theatralität nicht im Text verankert ist, sondern performativ durch die Interaktion und Wahrnehmung in mobilen, verhandelbaren Räumen entsteht.
Theatralität, Übergangsraum, Performativität, Grenzziehung, Aufführung, Black Box, White Cube, Stadtraum, Heterotopie, Liminalität, Raumkonstitution, Inszenierung, Wahrnehmung, Handlungsraum, Ordnungsraum.
Die Arbeit untersucht, wie Räume zu theatralen Orten werden und welche Bedingungen für die Entstehung einer "theatralen Situation" erforderlich sind.
Die Schwerpunkte liegen auf Raumtheorie (Ordnungs- vs. Handlungsraum), Liminalität, der Theorie des Übergangsraums nach Winnicott sowie der Analyse spezifischer Spielorte.
Das Ziel ist es, zu untersuchen, wie "wirklicher Ort" und "Möglichkeitsraum" im Zusammenspiel eine theatrale Raumkonstitution erzeugen.
Die Arbeit nutzt eine theoretisch-phänomenologische Analyse, die durch die Fallstudien von drei unterschiedlichen Raumtypen (Black Box, White Cube, Stadtraum) empirisch untermauert wird.
Im Hauptteil werden künstlerische Arbeiten wie die von Ivana Müller (Black Box), Tino Sehgal (White Cube) und Rimini Protokoll (Stadtraum) analysiert, um die Theorie der Raumkonstitution an der Praxis zu prüfen.
Wesentliche Begriffe sind Theatralität, Übergangsraum, Performativität, Liminalität und die Unterscheidung von Ordnungs- und Handlungsraum.
Die Black Box dient als Ausgangspunkt für die Untersuchung konventioneller, aber auch experimenteller Raumnutzung, bei der die funktionale Trennung zwischen Akteuren und Publikum kritisch hinterfragt wird.
Er wird als museale Konvention analysiert, deren vermeintliche Neutralität durch künstlerische Eingriffe (z.B. bei Tino Sehgal) subversiv genutzt und entlarvt wird.
Der Stadtraum wird durch die "narrativen Handlungen" des Einzelnen und dessen Wahrnehmung in einen Ort der Bedeutungsproduktion verwandelt, was den Stadtraum zu einer dynamischen Spielfläche macht.
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