Bachelorarbeit, 2010
87 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
2. Vorhandene Quellen zur Musikerziehung
3. Erziehungsvorstellung im „Dritten Reich“
3.1 Allgemeine pädagogische Leitlinien und Erziehungsvorstellungen
3.2 „Musische Erziehung“ als eine Leitidee der NS-Erziehung
4. Musik und Politik im „Dritten Reich“
4.1 Funktionaler Einsatz von Musik im Nationalsozialismus
4.1.1 Hitlers Propagandatheorie der Massenpsychologie
4.1.2 Subtiler Einsatz von Propaganda als Prinzip des Propagandaministers
4.1.3 Das Zusammenwirken von Musik und NS-Ideologie zur Schaffung einer „Gesinnungsgemeinschaft“
4.2 Unstimmigkeiten und Unklarheiten in der Musikpolitik
4.3 Gründe für die Vereinnahmung der Musikerziehung durch die Nationalsozialisten
4.4 Fritz Jöde als Fallbeispiel eines „unpolitischen“ Musikpädagogen
4.5 Historischer Kontext der Musikerziehung
5. Musikerziehung in der Hitlerjugend
5.1 Historische Entwicklung der Musikarbeit in der Hitlerjugend
5.2 Gliederung der Musikarbeit der Hitlerjugend nach Wolfgang Stumme
5.3 Die Musik als Vermittlerin eines Gemeinschaftsgefühls
5.4 Singen in der Hitlerjugend
5.4.1 Funktion der Lieder: Indoktrination durch Singen
5.4.2 Das Liedgut in der Hitlerjugend
5.4.3 Wirkung der Lieder und des Singens im „Dritten Reich“
5.4.4 Langzeitwirkung der Lieder
5.5 Instrumentalmusik in der HJ
5.6 Die Verantwortung der Musikerzieher in der Hitlerjugend
6. Fazit
Die Arbeit analysiert die Rolle der Musik als funktionales Instrument der nationalsozialistischen Erziehung, insbesondere am Beispiel der Hitlerjugend. Dabei wird untersucht, wie Musik zur Verbreitung und Verinnerlichung der NS-Weltanschauung eingesetzt wurde und inwiefern dabei an vor 1933 bestehende Strukturen der Jugendmusikbewegung angeknüpft wurde.
4.1.1 Hitlers Propagandatheorie der Massenpsychologie
Man kann davon ausgehen, dass sich Hitler bei seiner Propagandakonzeption auf die Theorie der „Massenspychologie“, die in den 1890er Jahren von Le Bon formuliert wurde, berief.
Le Bon zählt als Hauptmerkmale des Einzelnen in der Masse das Schwinden der bewussten Persönlichkeit, die Vorherrschaft des unbewussten Wesens, die Leitung der Gedanken und Gefühle durch Beeinflussung und Übertragung in der gleichen Richtung und die Neigung zur unverzüglichen Verwirklichung der eingeflößten Ideen auf. Der einzelne ist nicht mehr er selbst, er ist ein Automat geworden, dessen Betrieb sein Wille nicht mehr in der Gewalt hat. Somit sei der Mensch in einer Masse nicht mehr in der Lage rational zu denken und reagiere auf Sachargumente nur verhalten, während visuelle Reize und griffige Parolen umso stärker aufgenommen würden. Hitler leitet seine Propagandatechnik aus dem vorgeblichen Verhalten der Masse ab:
Die Aufnahmefähigkeit der großen Masse ist nur sehr beschränkt, das Verständnis klein, dafür jedoch die Vergesslichkeit groß. Aus dieser Tatsache heraus hat sich jede wirkungsvolle Propaganda auf nur wenige Punkte zu beschränken und diese schlagwortartig solange auszuwerten, bis auch bestimmt der letzte unter einem solchem Worte das Gewollte sich vorzustellen vermag.
1. Einleitung: Einführung in die Thematik der Musikarbeit im Nationalsozialismus und die Relevanz von Zeitzeugenaussagen bei der kritischen Aufarbeitung.
2. Vorhandene Quellen zur Musikerziehung: Diskussion der methodischen Schwierigkeiten bei der Auswertung von Quellen aus einer Diktatur und dem Stellenwert von Erfahrungsberichten.
3. Erziehungsvorstellung im „Dritten Reich“: Analyse der totalitären Erziehungsansprüche und der Instrumentalisierung der Jugend durch die Nationalsozialisten.
4. Musik und Politik im „Dritten Reich“: Untersuchung des funktionalen Einsatzes von Musik als Propagandamittel und der Rolle der Musik in der NS-Ideologie.
5. Musikerziehung in der Hitlerjugend: Detaillierte Analyse der musikalischen Praxis, des Singens, der Instrumentalausbildung und der ideologischen Steuerung in der HJ.
6. Fazit: Zusammenfassende Bewertung des funktionalen Musikmissbrauchs und der langfristigen psychologischen Wirkung auf die damalige Jugend.
Nationalsozialismus, Musikerziehung, Hitlerjugend, Propaganda, Gemeinschaftsgefühl, Indoktrination, Volkslied, Jugendmusikbewegung, Massenpsychologie, Musikpädagogik, Ideologie, Zeitzeugen, NS-Regime, Musische Erziehung, Singen
Die Arbeit untersucht, wie Musik und musikalische Erziehung im Nationalsozialismus instrumentalisiert wurden, um Kinder und Jugendliche ideologisch zu beeinflussen.
Zentrale Themen sind die Propagandatechniken, die Rolle des gemeinsamen Singens in der Hitlerjugend, die Kontinuitäten zur Jugendmusikbewegung der Weimarer Republik sowie die Langzeitwirkungen auf die damalige Generation.
Es wird gefragt, ob und inwieweit Musik von den Nationalsozialisten zielgerichtet für die Erziehung eingesetzt wurde und welche Rolle sie bei der Verinnerlichung der NS-Weltanschauung spielte.
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse sowie der Auswertung von Zeitzeugenerinnerungen und biographischen Berichten, um ein differenziertes Bild des Alltags im „Dritten Reich“ zu zeichnen.
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Erziehungsidealen, die Analyse der Musikpolitik unter Hitler und Goebbels sowie eine tiefgehende Betrachtung der Musikerziehung speziell in der Hitlerjugend.
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Nationalsozialismus, Musikerziehung, Hitlerjugend, Propaganda, Indoktrination und Gemeinschaftsgefühl beschreiben.
Jöde wird als Fallbeispiel für einen Musikpädagogen genutzt, dessen vermeintlich „unpolitische“ Haltung kritisch hinterfragt wird, wobei er als Überlebenstaktiker und Opportunist dargestellt wird, der sich dem Regime anpasste.
Singen galt als das wichtigste Erziehungsmittel, um ein emotionales Gemeinschaftsgefühl zu erzeugen, das Denken der Jugendlichen zu beeinflussen und regionale Unterschiede zugunsten der Volksgemeinschaft zu überwinden.
Die „Musische Erziehung“ wird nicht als rein fachliches Konzept, sondern als Hilfsmittel weltanschaulicher Schulung identifiziert, das keine einheitliche pädagogische Didaktik besaß, sondern sehr unpräzise blieb.
Viele Zeitzeugen berichten von einer bis heute anhaltenden, teils belastenden Wirkung, da die Lieder in der Kindheit suggestiv verankert wurden und oft automatisch im Gedächtnis präsent bleiben.
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