Bachelorarbeit, 2011
69 Seiten, Note: 1
1. Einleitung
2. Bindung in der Kindheit
2.1 Bindung und ihre Funktion
2.2 Unterschiedliche Bindungsqualität und ihre Erhebungsmethoden
2.3 Bedürfnisse als Motor für den Aufbau und die Entwicklung von Bindung
2.4 Der Verlust primärer Bezugspersonen
3. Traumatisierungserfahrungen innerhalb der Familie
3.1 Definition: Trauma
3.2 Risikofaktoren für traumatische Erfahrungen
3.3 Auswirkungen
4. Vollzeitpflege – Pflegekinder und ihre Familien
4.1 Rechtliche Grundlagen
4.2 Statistische Daten im Pflegekinderwesen
4.3 Die Herkunftsfamilie und Kontakte zu ihrem Kind
4.4 Das Konzept der Ersatzfamilie und die Theorie der Integration
5. Bindungsentwicklung in der Ersatzfamilie
5.1 Bindung und Trauma
5.2 Das Gelingen von Pflegebeziehungen
5.3 Scheiternde Pflegebeziehungen
6. Bedeutung für die sozialpädagogische Arbeit bei Pflegekindern
7. Fazit
Die vorliegende Arbeit untersucht, inwieweit es Pflegekindern möglich ist, nach traumatischen Erfahrungen in ihrer Herkunftsfamilie neue, intensive und stabile Bindungen innerhalb einer Ersatzfamilie aufzubauen und welche Anforderungen dies an die beteiligten Akteure stellt.
3.1 Definition: Trauma
Traumata (griechisch: Verletzung, Wunde, Gewalteinwirkung) sind Verletzungen nach einer physischen oder psychischen Gewaltausübung. Trauma und Gewalt sind daher zwei Themenbereiche, die eng miteinander verbunden sind. Es sind zwei unbestimmte Begriffe, die nicht eindeutig definierbar sind.
Im strafrechtlichen Verständnis ist Gewalt im Allgemeinen „jedes Mittel, mit dem auf den Willen oder das Verhalten eines anderen durch ein gegenwärtiges empfindliches Übel eine Zwangswirkung ausgeübt wird“45. Krall bezeichnet Gewalt als eine schädigende Handlung und/oder Prozess, welche/r innerhalb der Familie eine der zentralen und häufigsten Ursachen für körperliche und seelische Verletzungen bei Kindern ist. Dennoch muss darauf hingewiesen werden, dass es zu einer verzerrenden Darstellung kommt, wenn die Anzahl der Kinder und Jugendlichen mit Gewalterfahrungen innerhalb der Familie mit den traumatisierten gleichgesetzt werden46. Laut Krall werden „traumatische Menschen (...) mit der Erfahrung konfrontiert, in einer belastenden Situation schutzlos, ohnmächtig und hilflos anderen Menschen oder Ereignissen (Gewalttäter, Krankheiten, Krieg, etc.) ausgeliefert zu sein.“47 Traumatisierungen gehen einher mit Stress, Verlust und Deprivation.
Tyson und Tyson bezeichnen den Begriff als „eine existentiell bedrohliche, überwältigende Lebenssituation, die die Fähigkeit des Ichs zur Organisation und Regulation überfordert und so mit einem Zustand der Ohnmacht einhergeht“48. Shengold benennt es mit dem Begriff „Seelenmord“49.
Nienstedt und Westermann definieren Trauma wie folgt: „Von traumatisch verletzenden Erfahrungen sprechen wir dann, wenn von Eltern die elementarsten Bedürfnisse des Kindes nicht wahrgenommen und respektiert werden und wenn das Kind von seinen Eltern überwältigt wird und sie dadurch als Schutzobjekt verliert“50.
1. Einleitung: Hinführung zum Thema der Bindungsentwicklung bei Pflegekindern und Definition der zentralen Fragestellung.
2. Bindung in der Kindheit: Erläuterung der bindungstheoretischen Grundlagen, der Bedeutung von Bindungsrepräsentationen und der Rolle von Bedürfnissen für die psychische Entwicklung.
3. Traumatisierungserfahrungen innerhalb der Familie: Analyse der Ursachen und Auswirkungen von Traumata auf die kindliche Entwicklung sowie der damit verbundenen Risikofaktoren.
4. Vollzeitpflege – Pflegekinder und ihre Familien: Darstellung der rechtlichen Grundlagen sowie statistischer Daten und der Bedeutung des Kontakts zur Herkunftsfamilie.
5. Bindungsentwicklung in der Ersatzfamilie: Untersuchung von empirischen Studien zur gelingenden Integration sowie Analyse der Faktoren für erfolgreiche bzw. scheiternde Pflegebeziehungen.
6. Bedeutung für die sozialpädagogische Arbeit bei Pflegekindern: Ableitung praktischer Anforderungen an Jugendämter, Pflegekinderdienste und Pflegeeltern für die professionelle Begleitung.
7. Fazit: Zusammenfassende Beantwortung der Forschungsfrage und Ausblick auf die Notwendigkeit professioneller Unterstützung.
Pflegekinder, Vollzeitpflege, Bindungstheorie, Traumatisierung, Ersatzfamilie, Integration, Jugendhilfe, Kindeswohl, Bindungsrepräsentation, Pflegeeltern, Bindungsstörungen, Sozialpädagogik, Erziehungshilfe, Herkunftsfamilie, psychische Entwicklung.
Die Arbeit beschäftigt sich mit den sozialpädagogischen Aufgaben bei Pflegekindern und der Frage, ob und wie nach traumatischen Kindheitserfahrungen in der Ersatzfamilie neue, stabile Bindungen aufgebaut werden können.
Die zentralen Themen sind Bindungstheorie, der Einfluss von Traumata auf die kindliche Entwicklung, das rechtliche System der Vollzeitpflege sowie die Bedingungen für ein Gelingen oder Scheitern von Pflegebeziehungen.
Das Ziel ist es, die Möglichkeiten und Voraussetzungen für eine erfolgreiche Integration in einer Ersatzfamilie wissenschaftlich fundiert zu beleuchten und daraus Anforderungen für die Praxis der Jugendhilfe abzuleiten.
Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die relevante psychologische und pädagogische Fachliteratur auswertet und existierende empirische Studien (z.B. von Nowacki, Gassmann) zur Analyse der Forschungsfrage heranzieht.
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung von Bindung und Trauma, die rechtlichen Rahmenbedingungen der Vollzeitpflege sowie eine detaillierte Auseinandersetzung mit der Bindungsentwicklung und den Integrationsprozessen in Pflegefamilien.
Die Arbeit lässt sich am besten mit Begriffen wie Pflegekinder, Bindungstheorie, Traumatisierung, Ersatzfamilie und Jugendhilfe zusammenfassen.
Die Kontakte zur Herkunftsfamilie werden kritisch diskutiert; einerseits können sie für das Kind wichtig sein, andererseits können sie den Bindungsaufbau zur Pflegefamilie erschweren und Loyaliätskonflikte auslösen.
Es ist ein Konzept, bei dem die Pflegefamilie als exklusive Erziehungsinstanz fungiert, um dem Kind einen geschützten Raum für die Aufarbeitung früherer Verletzungen zu bieten, was in manchen Fällen eine klare Abgrenzung zur Herkunftsfamilie erfordert.
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