Diplomarbeit, 2013
130 Seiten
1. Einleitung
1.1. Auswahl der untersuchten Werke
2. Inhalt
2.1. Der locus amoenus und andere Topoi
2.2. Konzepte der Toposforschung
2.3. Die soziale Umgebung als Auslöser individueller Entscheidungen?
2.3.1. Das Verhältnis kulturgeschichtlicher Forschung zur Literatur
2.4. Die räumliche Umgebung als Auslöser individueller Entscheidungen?
2.4.1. Gott – Mensch – Natur: Über das Verhältnis von Natur und Mensch im Mittelalter
2.5. Der Autor als Brücke zwischen außen- und innerliterarischer Wirklichkeit
3. Struktur und Aufbau des locus amoenus
3.1. Aufbau – Mirko- und Makrostruktur der Erzählung
3.2. Kippmoment
3.3. Gesellschaftliche Umbrüche und veränderte Selbstwahrnehmung
3.4. Der Einzelne in der mittelalterlichen Gesellschaft
3.5. Formulierung einer Theorie über die Funktionen des locus amoenus als Brennpunkt gesellschaftlicher Organisation
4. Hartmann von Aue – „Erec“
4.1. Der locus amoenus bei Hartmann
4.1.1. Verligen auf Karnant
4.2. Der Baumgarten – ein ander paradise
4.2.1 Das Zelt Mabonagrins – ein Ort im Ort
4.3. Der locus terribilis bei Hartmann
4.3.1. Kippmoment im „Erec“
4.4. Erec – ein Held der Selbstreflektion
4.4.1. Mabonagrin
4.4.2. Überlegungen zur Parallelisierung Mabonagrins mit dem jungen Erec
4.5. Zusammenfassung
4.6. Interpretation
4.6.1. Minne- und Gesellschaftskonzeption
4.6.2. Die Verbindung zum Hof
4.6.3. Perspektivenwechsel beim Blick auf den Baumgarten
5. Gottfried von Straßburg – „Tristan“
5.1. Der locus amoenus bei Gottfried – mehr Hof als Wildnis?
5.2. Die Minnegrotte
5.2.1. Autor-Werk-Publikum. Die Minnegrotte als Höhepunkt einer dramatisch-romantischen Handlung
5.3. Der locus terribilis bei Gottfried
5.3.1. Das Kippen des locus amoenus im „Tristan“
5.4. Perspektivenwechsel beim Blick auf die Minnegrotte
5.4.1. Akzent des Perspektivenwechsels: Dreiecksbeziehung Marke-Isolde-Tristan und deren moralische Verstrickungen
5.4.2. Über die dichotome Darstellung der Minneproblematik im „Tristan“
5.5. Zusammenfassung
5.5.1. Die Verbindung zum Hof
5.5.2. Der Minnetrank als auslösender Problemfaktor der „Tristanminne“
5.6. Interpretation
5.6.1. Eine Allegorie der „wahren“ Minne?
5.6.2. Generationenkonflikt
5.6.3. Ausgliederung aus der Gesellschaft
6. Weitere Beispiele: „Nibelungenlied“ und „Iwein“
6.1. Das „Nibelungenlied“
6.1.1. Der locus amoenus im „Nibelungenlied“
6.1.2. Kippmoment des „Nibelungenlieds“
6.1.3. Räumliche Trennungen und Exklusivitäten in der Sphäre des locus amoenus
6.1.4. Resümme über die Vergleichbarkeit des „Nibelungenliedes“ mit anderen Werken des kippenden locus amoenus
6.1.5. Interpretation
6.2. „Iwein“
6.2.1. Der locus amoenus im „Iwein“
6.2.2. Das Kippen des locus amoenus im „Iwein“ Hartmanns
6.2.3. Interpretation
7. Vergleich der Romane
7.1. Gemeinsamkeiten der locus amoenus-Darstellungen
7.1.1. Abgeschiedenheit des Naturortes I: Die Trennung vom Hof
7.1.2. Die multisensorische Kennzeichnung der Exklusivitätsaufhebung
7.1.3. Abgeschiedenheit des Naturortes II: Die Verbindung zum Hof
7.1.4. Aufbau des locus amoenus-Motivs: Räumliche Verschachtelung
7.1.5. Exkurs: Die Schuld der Frauen
7.2. Unterschiede der Darstellungen des locus amoenus
7.2.1. Inszenierungen des locus amoenus mit klassischem Inventar
7.2.2. Minneorte und Kampfplätze – is love a battlefield?
8. Interpretation des locus amoenus als Schlüsselszene der mittelalterlichen Gesellschaft
8.1. Kulturtheoretische Ansätze
8.1.1. Neuverteilung des Mächteverhältnisses Kirche / Welt
8.1.2. Beeinflussung der Literatur um 1200 durch gesellschaftliche Verhältnisse
8.1.3. Die Rolle einer institutionell vermittelten Religion
8.2. Raum und Zeit im mittelalterlichen Erzählen
8.3. Der Mensch - ein Individuum ?
8.3.1. Perspektivenwechsel: Innen- und Außenperspektive als Erkenntnisgrundlagen gesellschaftlicher Verpflichtung
8.3.2. Die höfische Gemeinschaft als richtende Instanz
8.3.3. Exkurs: Minne als individueller Weg: Triebbeherrschung als Bedingung gemeinschaftlichen Lebens
8.3.4. Reintegrierung Ausgeschlossener in die Gemeinschaft
9. Resümme über die untersuchten Funktionen des locus amoenus
9.1. Formal-strukturelles Element
9.2. Inhaltlich-abtrennendes Element
9.3. Überlegungen zur literaturgeschichtlichen Einreihung
9.3.1. Literarische Motive
9.3.2. Jüngste Forschung
9.3.3. Menschlicher Geist als Interpretationswerkzeug
9.4. Zusammenfassung
10. Literaturiste
10.1. Primärliteratur
10.2. Sekundärliteratur
10.2.1. Hochschulschriften
10.2.2. Monographien
10.2.3. Sammelbände
10.2.4. Aufsätze
10.3. Digitalisierte und digitale Sekundärliteratur
Die Arbeit untersucht das literarische Motiv des „kippenden“ locus amoenus in ausgewählten hochmittelalterlichen Epen wie Hartmanns „Erec“, Gottfrieds „Tristan“, dem „Nibelungenlied“ und Hartmanns „Iwein“. Dabei wird analysiert, wie der idyllische Naturort, der traditionell als Schauplatz höfischer Minne dient, in einen Ort des Schreckens (locus terribilis) umschlägt und welche soziokulturellen Umbrüche, insbesondere die beginnende Individualisierung des Menschen und das veränderte Verhältnis zur höfischen Gesellschaft, diesen Prozess in der Literatur um 1200 reflektieren.
4.1. Der locus amoenus bei Hartmann
Der locus amoenus – ein lieblicher Ort; ein Ort für die Liebe. Im „Erec“ bildet die Baumgartenszene den klassisch literarischen Topos in antikisierender Komposition. Doch inhaltlich bleibt das Motiv nicht erhalten; es kippt und verkehrt sich auf der Ebene der Figurenhandlung in sein Gegenteil. Die Personen verhalten und fühlen sich an diesem locus amoenus also nicht der literarischen Tradition entsprechend. Dennoch bleibt die Gestaltungform aller literarischer Requisiten des Topos erhalten. So entsteht ein Bruch zwischen Rahmen und Handlung; was aussieht wie ein locus amoenus, ist nicht deswegen auch inhaltlich ein solcher. Der „Erec“ ist ein ebensolches Beispiel: der Baumgarten erfüllt die äußeren Kriterien eines locus amoenus, jedoch die inneren nicht.
1. Einleitung: Die Arbeit führt in die Fragestellung des kippenden locus amoenus ein und umreißt die methodische Herangehensweise an die Analyse der ausgewählten Werke.
2. Inhalt: Dieses Kapitel definiert den locus amoenus als literarischen Topos und stellt ihn dem locus terribilis gegenüber, wobei der gesellschaftliche Wandel als Einflussfaktor beleuchtet wird.
3. Struktur und Aufbau des locus amoenus: Hier werden die formalen Kennzeichen und die Funktion des Motivs als räumliche Struktur innerhalb der erzählerischen Makro- und Mikroebene erörtert.
4. Hartmann von Aue – „Erec“: Das Kapitel analysiert die Baumgartenszene als Höhepunkt der Untersuchung, in der die Exklusivität des Ortes durch das verligen und den anschließenden Kampf neu bewertet wird.
5. Gottfried von Straßburg – „Tristan“: Die Untersuchung der Minnegrotte zeigt, wie Tristan und Isolde den Raum für ihre Minnekonzeption nutzen und wie dieser durch den Jäger und Marke seine Exklusivität verliert.
6. Weitere Beispiele: „Nibelungenlied“ und „Iwein“: Diese Werke dienen als Vergleichsbeispiele, in denen der locus amoenus primär als Kampfschauplatz fungiert und eine Abkehr von der höfischen Idylle markiert.
7. Vergleich der Romane: Die Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der Darstellung des kippenden locus amoenus werden zusammenfassend analysiert, insbesondere im Hinblick auf Abgeschiedenheit und Verbindung zum Hof.
8. Interpretation des locus amoenus als Schlüsselszene der mittelalterlichen Gesellschaft: Das Kapitel bettet die motivischen Ergebnisse in den kulturtheoretischen Rahmen der Zeit um 1200 ein, wobei Individualisierung und die höfische Gemeinschaft zentral stehen.
9. Resümme über die untersuchten Funktionen des locus amoenus: Die Arbeit resümiert die gewonnenen Erkenntnisse und stellt ein prozessuales Modell der Handlungsentwicklung vor, das durch das Kippen des Motivs ausgelöst wird.
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Die Diplomarbeit untersucht das literarische Motiv des „kippenden“ locus amoenus in hochmittelalterlichen Romanen und analysiert, wie die Umschlagpunkte von einer idyllischen Naturidylle zu einem Ort des Schreckens (locus terribilis) gesellschaftliche Brüche widerspiegeln.
Zentrale Themen sind die Literatur- und Toposforschung des Mittelalters, der Wandel gesellschaftlicher Normen, die Entwicklung des Individuums in der höfischen Gesellschaft sowie die Verknüpfung von Raum, Zeit und erzählerischer Struktur.
Das Ziel ist es, Interpretationsansätze für das Kippen des locus amoenus zu finden, um zu zeigen, dass dieses Motiv als Ausdruck einer hintergründigen Umstrukturierung gesellschaftlicher Werte und einer beginnenden Individualisierung verstanden werden kann.
Die Arbeit kombiniert eine literaturwissenschaftliche Analyse der Topoi mit kulturhistorischen Ansätzen, um die poetischen Schauplätze in einen außerliterarischen Kontext zur Realgeschichte des 12. und 13. Jahrhunderts zu setzen.
Der Hauptteil widmet sich der detaillierten Untersuchung von Hartmanns „Erec“, Gottfrieds „Tristan“ sowie dem „Nibelungenlied“ und „Iwein“, wobei die spezifischen Szenen an den entsprechenden Orten im Hinblick auf Aufbau, Kippmoment und gesellschaftliche Relevanz analysiert werden.
Die wichtigsten Schlagworte sind locus amoenus, Individualisierung, höfische Gesellschaft, Minne und die spezifischen literarischen Werke, die als Untersuchungsgrundlage dienen.
Der Baumgarten bildet im „Erec“ einen exklusiven Rückzugsort, der zwar alle klassischen Merkmale eines idyllischen Ortes aufweist, durch die Handlungen des Ritters Mabonagrin jedoch als Ort des Kampfes und der moralischen Prüfung für den Protagonisten Erec umgedeutet wird.
Der Minnetrank fungiert in der Arbeit als Motiv, das das Verhalten von Tristan und Isolde als schicksalhaft begründet und gleichzeitig ihre Unfähigkeit zur normgerechten gesellschaftlichen Anpassung unterstreicht, was den Konflikt zwischen individueller Minne und höfischer Ordnung verdeutlicht.
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