Diplomarbeit, 2013
130 Seiten, Note: 1,3
1. Einleitung
2. Der Keynesianismus und die Etablierung des modernen Sozialstaates
2.1. Das Ende des Wachstums - das Erstarken des Neoliberalismus
3. Exkurs: Die neoliberale Ideologie
3.1. Der Markt hat System
3.2. Das neoliberale Gesellschafts- und Menschenbild
3.3. Das neoliberale Staatsverständnis
3.4. Wohlfahrtsstaat und Neoliberalismus
3.5. Fazit und Auswirkungen
4. Die neoliberale Globalisierung
4.1. Die ökonomische Globalisierung
4.2. Zwei Makrotrends der Globalisierung
4.3. Kontrollverluste
5. Die Arbeitswelt im globalisierten Kapitalismus
5.1. Die Neuorganisation der Arbeitsverhältnisse
5.2. Normalerwerbsbiografie und atypische Beschäftigungsverhältnisse
5.3. Der Kontroll- und Machtmechanismus in Produktions- und Arbeitsverhältnissen des neuen Kapitalismus
6. Sozialpolitik und die sozialen Sicherungssysteme
6.1. Sozialpolitik im Schatten der Globalisierung
6.2. Die Agenda 2010
6.2.1. Die Sozialgesetzgebung der Agenda 2010
6.2.2. Die Hartz I - IV Gesetzgebung
6.3. Fazit
7. Der Geist des neoliberalen Kapitalismus
7.1. Die gesellschaftliche Dominanz ökonomischer Normen
7.2. Einstellungsmuster im neuen Kapitalismus
7.2.1. Deutsche Zustände - Aspekte der Gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit
7.2.2. Die Mitte - Studien: Die Erosion der Mitte
8. Schlussbetrachtung
Die vorliegende Arbeit untersucht die desintegrativen Mechanismen des neuen Kapitalismus, die durch die Dominanz ökonomischer Normen auf gesellschaftliche Prozesse und das Individuum wirken. Im Zentrum steht die Forschungsfrage, wie ökonomische Globalisierungsprozesse und neoliberale Paradigmen die Organisation der Arbeitswelt sowie soziale Sicherungssysteme verändern und welche Auswirkungen dies auf die gesellschaftliche Integration sowie auf kollektive und individuelle Einstellungsmuster hat.
3.1. Der Markt hat System
Nach Friedrich Hayeks erkenntnistheoretischer Annahme sind Märkte nicht von Menschen erschaffen bzw. erdacht, sondern ein Selektionsergebnis der Evolution. Denn nach Hayeks Ansicht ist die menschliche Vernunft nicht in der Lage, komplexe Ökonomien zu erschaffen und zu gestalten, da die menschliche Vernunft beschränkt und das menschliche Wissen mangelhaft ist. „Die ganze Vorstellung, daß der Mensch bereits mit einem Verstand ausgestattet ist, der fähig ist, sich eine Zivilisation auszudenken, und sich daran gemacht hat, diese zu schaffen, ist grundlegend falsch.“ Zivilisation sei demnach nur begrenzt bzw. nicht das Resultat bewußten menschlichen Handelns, Wissens oder menschlicher Innovation, sondern dadurch entstanden, dass „(...) die Einzelnen die Erfolgreichen nachahmen und dass sie von Zeichen und Symbolen geleitet werden, wie den Preisen, die für ihre Erzeugnisse geboten werden, (..) kurz, aus der Verwendung der Ergebnisse der Erfahrungen anderer.“ Demnach haben sich komplexe Systeme wie Sprache, Recht oder eben Märkte nach einer „spontanen Ordnung“ herausgebildet, die zwar aus menschlichem Handeln hervorgeht, jedoch keinem Entwurf, Plan oder System folgt, sondern ganz im Gegenteil auf eine unbewußte Aneignung von Erfahrungen beruht: „Gewohnheiten, moralischen Grundsätzen, Gebräuchen, Sprache etc. (...) sind gewissermaßen überlieferte Traditionen, die sich in einem langwierigen evolutionären Entwicklungsprozess über Generationen als Resultat von Erfolg und Misserfolg herausgebildet haben.“ Gesellschaften und Systeme entstehen demnach „aus der Tätigkeit der Individuen ohne ihrer Absicht“. So begreift Hayek Gesellschaft dann auch als eine Summe von Individuen, deren Handlungen zwar wechselseitig aufeinander abgestimmt sind, jedoch die zentrale Gestaltungskraft der „spontanen Ordnung“ zuschreibt: „(J)e komplexer eine Ordnung ist, die wir anstreben, desto mehr sind wir für ihre Herstellung aus spontanen Kräfte angewiesen (...).“
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die zunehmende Schere zwischen Arm und Reich in Deutschland und stellt die Forschungsfrage nach den Auswirkungen neoliberaler Mechanismen auf das soziale Gefüge und die Demokratie.
2. Der Keynesianismus und die Etablierung des modernen Sozialstaates: Dieses Kapitel erläutert die Entstehung des Sozialstaates in der Nachkriegszeit als Instrument der sozialen Einbindung im Rahmen des keynesianisch-fordistischen Modells.
3. Exkurs: Die neoliberale Ideologie: Hier werden die theoretischen Grundlagen des Neoliberalismus, insbesondere die Ideen von Hayek, Friedman und Becker, sowie deren Menschenbild und Staatsverständnis analysiert.
4. Die neoliberale Globalisierung: Das Kapitel untersucht die Globalisierung als Prozess der Marktausweitung, der nationale Handlungsspielräume einschränkt und zu Entgrenzungs- sowie Fragmentierungstendenzen führt.
5. Die Arbeitswelt im globalisierten Kapitalismus: Diese Ausführungen befassen sich mit der Reorganisation von Arbeit, der Zunahme atypischer Beschäftigungsverhältnisse und der Etablierung neuer Machtmechanismen in Unternehmen.
6. Sozialpolitik und die sozialen Sicherungssysteme: Das Kapitel analysiert den Umbau des Sozialstaates hin zum aktivierenden Staat, mit einem besonderen Fokus auf die Agenda 2010 und die Hartz-Gesetze.
7. Der Geist des neoliberalen Kapitalismus: Hier werden die gesellschaftlichen Folgen der Dominanz ökonomischer Normen sowie spezifische Studien zu Einstellungsmustern und zur Erosion der gesellschaftlichen Mitte diskutiert.
8. Schlussbetrachtung: Die Schlussbetrachtung fasst die Transformationen zusammen und reflektiert die Gefahren für die soziale Integration und die demokratische Stabilität in Deutschland.
Neoliberalismus, Sozialstaat, Globalisierung, Agenda 2010, Hartz-Gesetze, Arbeitswelt, Prekarisierung, Flexibilisierung, soziale Sicherungssysteme, Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit, Marktorientierung, Standortkonkurrenz, Desintegration, Machtmechanismen, Ökonomisierung.
Die Arbeit analysiert die Mechanismen des Neoliberalismus und deren Auswirkungen auf die gesellschaftliche Struktur, die Arbeitswelt und das Sozialstaatssystem in Deutschland.
Die Schwerpunkte liegen auf der Transformation vom keynesianisch geprägten Sozialstaat hin zu einem aktivierenden, neoliberalen Modell sowie der ökonomischen Durchdringung sämtlicher gesellschaftlicher Bereiche.
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie neoliberale Paradigmen als ökonomisches Dispositiv wirken und welche desintegrativen Folgen dies für das Individuum und die soziale Kohäsion hat.
Die Arbeit basiert primär auf einer Literaturanalyse, ergänzt durch eine umfassende Internetrecherche zur aktuellen wirtschafts- und sozialpolitischen Lage.
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung des Neoliberalismus, die Analyse der Globalisierung, die Veränderungen in der Arbeitswelt (z.B. Flexibilisierung) und die Auswirkungen sozialpolitischer Reformen wie der Agenda 2010.
Zentrale Begriffe sind Neoliberalismus, Sozialstaat, Prekarisierung, ökonomische Globalisierung, Arbeitswelt und gesellschaftliche Desintegration.
Die Mitte-Studien dienen dazu, empirisch zu belegen, wie ökonomischer Druck und soziale Unsicherheit zu einer Zunahme von autoritären und ausgrenzenden Einstellungen in der Bevölkerung führen.
Hartz IV wird als einer der einschneidendsten Paradigmenwechsel bewertet, der den Sozialstaat von einem Sicherungsinstrument in ein Kontroll- und Disziplinierungsinstrument transformiert hat.
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