Magisterarbeit, 2003
92 Seiten, Note: 1,0
Einleitung
1. Zur Etymologie des Begriffs Geistige Behinderung
1.1 Definition des Begriffs Behinderung
1.2 Verbale Kennzeichnung Geistiger Behinderung
2. Zur Geschichte des Umgangs mit geistig Behinderten im europäischen Kulturkreis
2.1 Die Urzeit
2.2 Mesopotamien
2.3 Das Alte Ägypten
2.4 Griechische Antike
2.5 Römisches Reich
2.6 Frühes Christentum
2.7 Das Mittelalter
2.8 Renaissance
2.9 Aufklärung
2.10 Industrialisierung
2.11 20. Jahrhundert
3. Die Anderen und das Anderssein Über den Umgang mit geistig Behinderten in verschiedenen Religionen und Ethnien
3.1 Afrika
3.1.1 Beispiel Senegal
3.2 Amerika
3.2.1 Indianische Kulturen
3.3 Asien
3.3.1 Hinduismus am Beispiel Indien
3.3.2 Buddhismus
3.3.3 Buddhisten, Christen und Konfuzianer in Süd-Korea
3.3.4 Judentum
3.3.5 Islam – angesiedelt sowohl in Asien als auch in Nordafrika
3.4 Australien
3.4.1 Polynesische Kulturen am Beispiel Tonga
3.4.2 Polynesische Kulturen am Beispiel Samoa
3.5 Zusammenfassung
4. Zum Umgang mit Geistiger Behinderung heute Einstellungen und Verhalten gegenüber geistig Behinderten in der westlichen Kultur
5. Zur Situation geistig Behinderter in der Bundesrepublik Deutschland
5.1 Geistig behinderte Kinder
5.1.1 Der Elementarbereich
5.1.2 Während der Schulzeit
5.2 Geistig behinderte Jugendliche und Erwachsene
5.2.1 Zur Wohnsituation
5.2.2 Das Arbeitsleben
5.2.3 Freizeit im Leben geistig behinderter Menschen
6. Erfahrungen: Der Blick von Innen
6.1 Kreative Freizeitgestaltung
Produktives Reisen
Texte und Bilder
Fazit
Die vorliegende Arbeit untersucht die historische und gegenwärtige gesellschaftliche Position geistig behinderter Menschen. Das primäre Ziel ist die Analyse des Wandels von Interpretationsmustern und der Umgangsweisen über die Jahrhunderte hinweg, wobei ein besonderer Fokus auf der Kontrastierung von gesellschaftlicher Außensicht und der persönlichen Innensicht der Betroffenen liegt.
Die Urzeit
Aus der Zeit der Urgeschichte gibt es nur relativ wenige Zeugnisse über den Umgang mit geistig Behinderten. Ein Grund dafür ist die Tatsache, dass es sich ausschließlich um nonliterare Kulturen handelte. Die wenigen Knochenfunde lassen gelegentlich auf Behinderungen schließen. Aus der Art der Beisetzung und Grabbeigaben konnten Forscher den Stellenwert der Betroffenen in der sozialen Gemeinschaft ableiten. Aufgrund der zeitlichen Distanz und der nomadisierenden Lebensweise urzeitlicher Völker sind jedoch selbst die Grabstättenfunde selten. Die wenigen Skelettfunde, die vollständig und somit auswertbar waren, lassen allenfalls Vermutungen über den Umgang mit körperlich Behinderten zu.
Bis in die 1970er Jahre existierte die Annahme, dass behinderte Mitglieder der Urgemeinschaft aus der Horde ausgeschlossen wurden, weil sie sonst der umherziehenden Gruppe zur Last gefallen wären. Gegen diese These sprechen beispielsweise Ausgrabungsfunde aus der Tschechischen Republik. Schon 1936 wurde die künstlerische Abbildung eines Frauenkopfes gefunden, der eine auffällige Anomalie des Gesichtes zeigte. Zwölf Jahre später entdeckte man, nicht weit von der ersten Fundstelle entfernt, eine maskenartige Schnitzerei aus Mammutelfenbein, die ähnliche Merkmale aufwies. Im Jahr 1949 schließlich fand man die Grabstätte einer grazilen, etwa 40 jährigen Frau, deren Schädel sich durch eine asymmetrische Verformung auszeichnete. Besonders außergewöhnlich fanden die Forscher die pathologische Deformation der linken Gesichtshälfte, die sich an den gestalteten Abbildungen ebenfalls feststellen ließ. Aufgrund der besonders ehrenvollen Bestattung des weiblichen Leichnams und der wiederkehrenden künstlerischen Darstellung des entstellten Gesichtes gingen Forscher von einer exponierten Stellung dieser Frau in der Stammesgesellschaft aus. Man vermutete eine Beraterinnen- oder sogar Heilerinnen-Funktion.
1. Zur Etymologie des Begriffs Geistige Behinderung: Dieses Kapitel untersucht den historischen Wandel der Bezeichnungen für geistige Behinderung und die damit verbundenen moralischen Diskursen.
2. Zur Geschichte des Umgangs mit geistig Behinderten im europäischen Kulturkreis: Hier wird der historische Umgang von der Urzeit bis zum 20. Jahrhundert beleuchtet, geprägt durch Ambivalenzen zwischen Fürsorge und Ausgrenzung.
3. Die Anderen und das Anderssein Über den Umgang mit geistig Behinderten in verschiedenen Religionen und Ethnien: Das Kapitel vergleicht Modelle des Umgangs in archaischen Kulturen und Weltreligionen außerhalb der christlich geprägten westlichen Welt.
4. Zum Umgang mit Geistiger Behinderung heute Einstellungen und Verhalten gegenüber geistig Behinderten in der westlichen Kultur: Es werden gesellschaftstheoretische Definitionen und Kategorisierungsmuster für den heutigen Umgang in westlichen Kulturen vorgestellt.
5. Zur Situation geistig Behinderter in der Bundesrepublik Deutschland: Dieses Kapitel analysiert die konkreten Lebensbedingungen geistig behinderter Kinder und Erwachsener hinsichtlich Wohnen, Arbeit und Freizeit.
6. Erfahrungen: Der Blick von Innen: Der abschließende Teil stellt die Innensicht der Betroffenen durch Interviews und ihre eigenen künstlerischen sowie literarischen Arbeiten in den Mittelpunkt.
Geistige Behinderung, Normalisierung, Integration, Soziologie, Inklusion, Kulturgeschichte, Behindertenpädagogik, Lebenswelt, soziale Identität, Stigmatisierung, Exklusion, Behindertenhilfe, Teilhabe, menschliches Miteinander, Innensicht
Die Arbeit thematisiert den gesellschaftlichen Umgang mit Menschen mit geistiger Behinderung durch die Geschichte und in verschiedenen Kulturen, um ein tieferes Verständnis für die heutige Situation zu schaffen.
Im Zentrum stehen die historische Entwicklung von Bezeichnungen, die soziologische Perspektive auf Normalisierung, der Vergleich mit nicht-westlichen Kulturen sowie die tatsächliche Lebenssituation in Deutschland.
Das Ziel ist es, den Blick von außen (Wissenschaft/Gesellschaft) in Beziehung zum Erleben der betroffenen Menschen zu setzen und Ansätze für eine bessere Normalisierung aufzuzeigen.
Die Arbeit basiert auf einer interdisziplinären Literaturanalyse sowie der Auswertung von Interviews und persönlichen Berichten, um verschiedene Perspektiven und Erfahrungen abzubilden.
Der Hauptteil gliedert sich in historische Analysen, den interkulturellen Vergleich, soziologische Definitionen von Behinderung sowie die konkrete Darstellung von Wohn-, Arbeits- und Freizeitsituationen in Deutschland.
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Normalisierung, Integration, Stigmatisierung, Lebenswelt und soziale Teilhabe geprägt.
Sie dient als konkretes Praxisbeispiel für die künstlerische Selbstverwirklichung und zeigt, wie Menschen mit Behinderung aktiv an der Gesellschaft teilnehmen und ihre eigene Innensicht vermitteln können.
Sie wird als ein zentrales Beispiel aus der mittelalterlichen Medizin angeführt, um zu verdeutlichen, wie man versuchte, psychische Zustände und geistige Behinderung durch physiologische Ungleichgewichte zu erklären.
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