Bachelorarbeit, 2012
89 Seiten, Note: 2,9
1. Einleitung
2. Türkische Migranten in der Bundesrepublik
2.1 Begrifflichkeit Migration
2.2 Anwerbungen türkischer Arbeitsmigranten
2.3 Nationalität
3. Lebensbedingungen, Migration, Bildungsvorstellung und Familienstruktur
3.1 Die Familienstruktur in der Türkei
3.1.1 Die Familienstruktur der Türken unter dem Einfluss der Lebensbedingungen in Deutschland
3.2 Sozialisation der ersten Generation
3.2.1 Folgen für die Sozialisation der türkischen Kinder
3.3 Einstellung zur Schul- und Berufsbildung türkischer Eltern in der Türkei
3.3.1 Einstellungen zur Schul- und Berufsausbildung der türkischen Eltern in der BRD
3.4 Folgen für die Kinder
4. Erklärungsansätze für die Bildungsbenachteiligung, schulische Leistung und Bildungserfolg der türkischen Migrantenkinder und Jugendlichen im deutschen Schul- und Bildungssystem
4.1 Theoretische Erklärungsansätze für die Bildungsbenachteiligung von Kindern und Jugendlichen mit türkischem Migrationshintergrund
4.2 Bildungsbenachteiligung türkischer Migrantenkinder und Jugendliche im nationalen Vergleich PISA
4.3 Bildungssituation türkische Kinder und Jugendliche in allgemeinbildenden Schulen
4.3.1 Bildungssituation türkischer Jugendlicher in Berufsbildenden Schulen
4.3.2 Berufsausbildung türkischer Jugendlicher
4.4 Sprache und Sprachkompetenz – „Deutsch als zweite Sprache systematisch fördern“
4.5 Erziehungsziele der in Deutschland lebenden Türken nach A. Toprak
4.5.1 Primäre Erziehungsziele
4.6 Wohnsituation, Wohnumfeld und Milieu der Migranten
4.6.1 Klasse, Schicht und Bildungsniveau der Eltern
4.7 Schlussfolgerung
5. Institutionelle Diskriminierung
5.1 Bildungsreformen der 70er Jahren – Die Nationalen Türken-Klassen
5.2 Vorschulische Bildungsbenachteiligung von türkischen Migrantenkindern: Einschulung und Grundschule
5.3 Der Übergang von der Primar- in die Sekundarstufe
5.4 Ethnische Differenzen in der Schule
5.5 Zusammenfassung
6. Fazit
Die Arbeit untersucht die Ursachen für die Benachteiligung türkischer Kinder und Jugendlicher im deutschen Schul- und Bildungssystem. Dabei wird analysiert, wie soziokulturelle, familiäre und ökonomische Faktoren sowie institutionelle Mechanismen den Bildungserfolg und die Schullaufbahn dieser Gruppe beeinflussen.
Sozialisation der ersten Generation
Der Hauptteil der ersten türkischen Arbeitsmigranten stammt aus ländlichen, nicht industrialisierten Gebieten der Türkei. Viele junge Männer aus den Dörfern und kleinen Städten Anatoliens, die im Zuge der Binnenmigration in den sogenannten Slums (Gecekondu) um Istanbul lebten, migrierten mit ihrer traditionellen Sozialisation in die Bundesrepublik Deutschland (vgl. Kraus 2003).
Bis zu Mustafa Kemals Machtübernahme war der Islam Staatsreligion der Türkei, stellt aber bis heute einen Orientierungsfaktor der türkischen Gesellschaft dar, vor allem im Hinblick auf das Verständnis von Ehe und Familie sowie der sich daraus ergebenden Pflichten (vgl. Zemlin 1981: 9). „Bereits hier wird deutlich, welchen Einfluss der Islam auf die Verhaltensnormen nimmt: Unterordnung, Gehorsam, Akzeptanz der Autorität sowie die Ergebenheit, das sich Einfügen in bestehende Strukturen kennzeichnen das Verhalten des gläubigen Moslems. Die Autoritätszugehörigkeit findet sich auch in der Familienstruktur wieder“ (ebd.: 9).
Es ist allgemein bekannt, dass die Sozialisation der türkischen Familien auf einer strengen geschlechtspezifischen Rollenverteilung basiert. „In den Rollen, die die einzelnen Mitglieder einer türkischen Familie im Haushalt spielen, spiegeln sich die Grundzüge einer Familienverfassung, die in ihrem Ursprung auf ein Zusammenwirken von asiatisch-nomadischen Familienstrukturen der im wesentlichen von P. Stirling beschriebenen Verwandtschaftssysteme und der im Koran festgelegten Superiorität der Männer zurückgehen“ ( Berg 1978: 208). Diese Rollenverteilung beinhaltet, dass das Männliche privilegiert ist (der älteste Mann in der Familie nimmt den höchsten Platz ein). Die strikte Trennung der Geschlechter (die bereits im Kindesalter stattfindet) schreibt daher charakteristisch männliche und typisch weiblich eingeordnete Aufgabenverteilungen vor. Der Mann ist das Oberhaupt der Familie und ist in erster Linie für die Ernährung (Produktion) der Familie zuständig. Zuzüglich genießt er die höchste Autorität (vgl. Toprak 2004: 58-59), „(...) erfüllt Führungsfunktionen und fällt die über die Familie oder Sippe relevanten Entscheidungen. Diese lebenslange Dominanz wird auch von erwachsenen und verheirateten Söhnen nicht angetastet. Nach dem Tod des Familienoberhauptes geht dessen Funktion und Rolle an den ältesten Sohn, bei Haushaltsteilungen auf die Söhne über, wobei die Hierarchie innerhalb der Söhne nach deren Lebensalter streng geordnet bleibt“ (Berg 1978: 211).
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Problematik der Bildungsbenachteiligung türkischer Migrantenkinder ein und stellt die zentrale Forschungsfrage sowie das methodische Vorgehen dar.
2. Türkische Migranten in der Bundesrepublik: Dieses Kapitel erläutert die Hintergründe der Migration und die historischen Motive für die Anwerbung türkischer Arbeitsmigranten.
3. Lebensbedingungen, Migration, Bildungsvorstellung und Familienstruktur: Hier werden der Einfluss der familiären Sozialisation, traditionelle Erziehungsziele und die damit verbundenen Erwartungen an den Bildungserfolg untersucht.
4. Erklärungsansätze für die Bildungsbenachteiligung, schulische Leistung und Bildungserfolg der türkischen Migrantenkinder und Jugendlichen im deutschen Schul- und Bildungssystem: Das Kapitel analysiert empirische Daten wie PISA, bildungstheoretische Erklärungen und die spezifische Situation in allgemeinbildenden sowie berufsbildenden Schulen.
5. Institutionelle Diskriminierung: Dieser Teil betrachtet die Rolle des deutschen Schulsystems selbst, einschließlich historischer Bildungsreformen und selektiver Übergangsentscheidungen.
6. Fazit: Das Fazit fasst die wesentlichen Ergebnisse zusammen und betont die Notwendigkeit von Modellen zur Förderung der Chancengleichheit.
Bildungsbenachteiligung, türkische Migrantenkinder, Sozialisation, Familienstruktur, PISA-Studie, institutionelle Diskriminierung, Sprachkompetenz, Schullaufbahn, Migrationshintergrund, Erziehungsziele, Chancengleichheit, Schulerfolg, Arbeitsmigration, Bildungsungleichheit, Sekundarstufe.
Die Arbeit analysiert die Ursachen für den vergleichsweise geringen Bildungserfolg von Kindern und Jugendlichen mit türkischem Migrationshintergrund im deutschen Schulsystem.
Zu den Schwerpunkten zählen die familiären Sozialisationsbedingungen, der Einfluss von Sprache, sozioökonomische Faktoren sowie die Rolle des deutschen Bildungssystems bei der Selektion von Schülern.
Das primäre Ziel ist es, aufzuzeigen, warum türkischstämmige Kinder überdurchschnittlich häufig benachteiligt werden und wie sich familiäre Erwartungen und institutionelle Diskriminierung dabei gegenseitig beeinflussen.
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse, bei der empirische Studien (wie PISA), erziehungswissenschaftliche Theorien und soziologische Erkenntnisse zur Bildungsbenachteiligung ausgewertet werden.
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Familienstrukturen, eine detaillierte Analyse der schulischen Situation und Leistungsdaten sowie eine kritische Auseinandersetzung mit der institutionellen Diskriminierung durch das deutsche Bildungssystem.
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Bildungsbenachteiligung, institutionelle Diskriminierung, Migrationshintergrund, Sozialisation und Chancengleichheit beschreiben.
Weil die familiäre Sozialisation und die dort vermittelten traditionellen Werte oder Erziehungsstile einen maßgeblichen, wenn auch komplexen Einfluss auf die schulische Motivation und den Erfolg der Kinder ausüben.
Sprache wird als zentraler Indikator für den Schulerfolg identifiziert. Das Fehlen einer systematischen Förderung von Deutsch als Zweitsprache führt zu erheblichen Nachteilen beim Übergang in weiterführende Schulen.
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