Examensarbeit, 2010
95 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
2. Das Ende der Weimarer Republik: Bildungspolitische Probleme und nationalsozialistische Tendenzen
2.1 Die pädagogische Lage vor 1933
2.2 Auswirkungen der Weimarer Krise auf die Schule
2.3 Politische Bewusstseinshaltungen der Pädagogen
2.3.1 Widerstand versus manipulative Beeinflussung
3. Erziehungspolitik und Weltanschauung: Die Schule als machtpragmatisches Instrument
3.1 Hitlers „Mein Kampf“ als Grundlage der NS-Ideologie
3.1.1 Der nationalsozialistische Rassebegriff
3.1.2 Das Auslese-Prinzip
3.1.3 Das Führer-Gefolgschaftsprinzip
3.1.4 Vorstellung einer nationalsozialistischen Volksgemeinschaft
3.2 Hitlers nationalpolitische Erziehungsgrundsätze und -ziele
3.2.1 Umbruch traditioneller Erziehungswerte
3.2.1.1 „Körperliche Ertüchtigung“
3.2.1.2 Charaktererziehung
3.2.1.3 Wissensbildung
3.2.2 Umerziehung durch einen totalitären Erziehungsstaat
3.2.3 Die Schule im Positionsgefüge des nationalsozialistischen Erziehungssystems
4. Die erste Phase des nationalsozialistischen Erziehungs- und Bildungswesens in der Dynamik der Machtergreifung und Machtsicherung am Beispiel der Schule
4.1 Politische Maßnahmen und Erlasse zur äußeren Umgestaltung der Schule (1933-1936)
4.1.1 Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums
4.1.2 Prozess der Gleichschaltung durch den NSLB
4.1.3 Anpassungsbereitschaft der Lehrerschaft
4.1.4 Umbruch in der Lehrerbildung
4.1.5 Gesetz gegen Überfüllung deutscher Schulen und Hochschulen
4.2 Umsetzung der NS-Ideologie in Unterrichtsinhalten und -mitteln
4.2.1 Umgestaltung der Unterrichtsfächer
4.2.2 Funktion der Schulbücher im „Dritten Reich“
4.3 Emotionale Beeinflussung der Schüler- und Lehrerschaft
5. Unterrichtswirklichkeit und Grenzen der nationalsozialistischen Schulpolitik
5.1 Verhalten der Lehrerschaft im „Dritten Reich“
5.2 Grenzen der Schulpolitik unter dem NS-Regime
5.3 Auswirkungen der NS-Schulpolitik auf die Schüler
5.4 Zeugenaussagen über die Schulzeit im „Dritten Reich“
6. Fazit
Die Arbeit analysiert historisch-kritisch die Rolle von Erziehung und Bildung im „Dritten Reich“ und untersucht, inwiefern pädagogische Ansätze anfällig für totalitäre Ideologien wurden und wie die Schule als Instrument der NS-Politik umgestaltet wurde.
3.1.2 Das Auslese-Prinzip
Hitlers These von der Rassenreinheit und der Überlegenheit des Ariers gegenüber anderen sogenannten minderwertigen Völkern ist an das Auslesekriterium, welches die Elite aus der Masse herausfiltert, gekoppelt. Hierbei sind nicht nur rassische Merkmale des Phänotyps, sondern „allein die individuelle Stärke, die Fähigkeit sich durchzusetzen“ entscheidend. Dabei ist Hitlers Ansicht nach immer der „Stärkere“ auch der Höherwertige. Zunächst sollen nach dem Sozialdarwinismus die „rassischen Grundlagen“ des deutschen Volkes gesichert werden. Anschließend müsse die „Elite“, also der „nordische Rassekern“, von der „Masse“ ausgelesen und zur beherrschenden Macht in Staat und Volk ernannt werden.
Hitler benutzte das nationalsozialistische Eliteprinzip, um die Menschen aufzufordern, sich diesem Prinzip angemessen zu verhalten, um nicht zu einem Teil der unterwürfigen Masse zu werden. Die Unterschiede zwischen den beiden Gruppen beschreibt er in „Mein Kampf“ mit abwertenden Worten: „Dem „Elitegedanken“ entspricht einmal die Ablehnung jeglicher demokratischer Staatsform, andererseits aber eine zynische Verachtung der Mehrheit der Bevölkerung, der „Masse“. Diese wird als leicht beeinflussbar, wankelmütig, hysterisch u.a. charakterisiert.“ Die von Hitler herausgehobene „Elite“ hatte auch im Bereich der Erziehung besonderen Stellenwert. Im späteren Teil dieser Arbeit wird in diesem Kontext auf die nationalsozialistischen Eliteschulen und ihre Funktion näher eingegangen.
Überhorst schildert die widersprüchliche Aufgabe der auserwählten „Elite“ sehr trefflich. „Für die Elite gab es eine zwar sehr einprägsame, aber inhumane Ideologie: Auslese rassisch hochwertiger und zugleich intelligenter Menschen, die einerseits bereit waren, das „gute Blut“, das heißt die Ausbreitung der „nordisch-deutschen Rasse“ mit allen Mitteln zu fördern, andererseits das „schlechte Blut“, als dessen Träger das internationale Judentum angesehen wurde, zu vernichten.“
Zugleich wird anhand dieses in „Mein Kampf“ formulierten „rassischen Dualismus“ das nationalsozialistische Menschenbild ersichtlich, welches alles andere als humanitär, sondern eine Untergrabung der menschlichen Würde ist.
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet den Forschungsstand zur Pädagogik im Nationalsozialismus und stellt die zentrale Problemfrage, warum die Pädagogik anfällig für totalitäre Erziehungsdogmen wurde.
2. Das Ende der Weimarer Republik: Bildungspolitische Probleme und nationalsozialistische Tendenzen: Dieses Kapitel thematisiert die Krisenjahre der Weimarer Republik, die die Schule belasteten und durch die Reformpädagogik sowie konkurrierende völkische Erziehungsmodelle ein schwieriges Umfeld schufen.
3. Erziehungspolitik und Weltanschauung: Die Schule als machtpragmatisches Instrument: Hier wird Hitlers „Mein Kampf“ als Grundlage analysiert, wobei Konzepte wie Rasse, Elitebildung und das Führerprinzip als Instrumente der Machtpragmatik und ideologischen Vorbereitung dargelegt werden.
4. Die erste Phase des nationalsozialistischen Erziehungs- und Bildungswesens in der Dynamik der Machtergreifung und Machtsicherung am Beispiel der Schule: Es werden die konkreten Maßnahmen der Gleichschaltung und Zentralisierung untersucht, wie etwa die Berufung auf Gesetze zur Berufsbeamtenschaft und die ideologische Umgestaltung der Lehrinhalte.
5. Unterrichtswirklichkeit und Grenzen der nationalsozialistischen Schulpolitik: Dieses Kapitel analysiert die Praxis der Indoktrination, das Verhalten der Lehrerschaft und die Grenzen des Regimes, die sich unter anderem durch kriegsbedingte Anforderungen zeigten.
6. Fazit: Das Fazit fasst den radikalen Richtungswechsel der Erziehung zusammen und warnt vor der Gefahr der Manipulation durch autoritäre Regime, wobei die Notwendigkeit einer lebenslangen kritischen Selbstreflexion betont wird.
Nationalsozialismus, Schule, NS-Schulpolitik, Erziehung, Indoktrination, Führerprinzip, Volksgemeinschaft, Rassenlehre, Gleichschaltung, Lehrerschaft, Machtergreifung, Reformpädagogik, Ideologie, Propaganda, Totalitarismus.
Die Hausarbeit untersucht die Umgestaltung des deutschen Schulwesens im Nationalsozialismus und analysiert, wie pädagogische Strukturen für die ideologischen Ziele der NSDAP instrumentalisiert wurden.
Die Schwerpunkte liegen auf der nationalsozialistischen Weltanschauung, der praktischen Umsetzung dieser Ideologie in Schule und Lehrerschaft sowie der Rolle der Lehrkräfte im Spannungsfeld zwischen Anpassung und Widerstand.
Das Ziel ist es, die Ursachen für die Anfälligkeit der Pädagogik gegenüber totalitären Dogmen zu verstehen und zu zeigen, wie Schüler und Lehrer in einem totalitären Erziehungsstaat manipuliert wurden.
Es handelt sich um eine historisch-kritische Analyse auf Basis von Fachliteratur, zeitgenössischen Programmschriften wie „Mein Kampf“ und Auswertungen zu Schulpolitik und Lehrerverhalten.
Der Hauptteil analysiert Hitlers ideologische Vorgaben, die institutionelle Gleichschaltung, Maßnahmen der Lehrerausbildung und die emotionale Formierung von Schülern durch Symbole und Rituale.
Wichtige Begriffe sind etwa: Gleichschaltung, Rassenlehre, Führer-Gefolgschaftsprinzip, Indoktrination, Volksgemeinschaft und Funktionsminderung der Schule.
Die Lehrerschaft reagierte überwiegend mit Anpassung und "Vorauseilendem Gehorsam", wobei ideologische Schnittmengen, Karrierestreben und die Sorge vor Repressalien zu einer massiven Unterstützung des Systems führten.
Die HJ agierte als Konkurrenzinstanz zur Schule, die durch den Anspruch auf die außerschulische Sozialisation den Einfluss der Lehrkräfte und die traditionelle schulische Bildungsrolle sukzessive schwächte.
Das traditionelle Bildungsziel der Allgemeinbildung trat zugunsten von Ideologievermittlung, Rassenkunde und der physischen Ertüchtigung zurück; Wissen wurde pragmatisch auf die Ziele des NS-Staates reduziert.
Die Arbeit schließt, dass der heutige politische Unterricht Erziehung als lebenslangen Prozess der kritischen Selbstreflexion begreifen muss, um die Wiederholung autoritärer Strukturen zu verhindern.
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