Magisterarbeit, 2012
118 Seiten, Note: 1,35
Geschichte Europas - Neueste Geschichte, Europäische Einigung
Einleitung
1 Begriffliche Grundlagen: Bedeutung und Anwendbarkeit
1.1 Öffentlichkeit
1.2 Ritual und Symbol
2 Die Schaffung des High Court of Justice und der Prozess gegen Karl I.
2.1 Das Ende des zweiten Englischen Bürgerkrieges bis zu Pride's Purge
2.2 Die Vorbereitungen für den Prozess gegen Karl I.
2.3 Der Prozess gegen Karl I.
2.4 Die Urteils- und Strafmaßverkündung und die Hinrichtung Karls I.
2.5 Motivation und Absicht der Prozessteilnehmer
2.6 Rechtliche und ideologische Grundlagen
2.6.1 Königtum
2.6.2 Staat
2.6.3 Souveränität
2.6.4 Verrat
2.7 Der Prozess und Auffassungen von Staat, Königtum, Souveränität und Verrat: Ein Zwischenfazit
3 Der Prozess und die Öffentlichkeit
3.1 Die Kanäle: Zeitungen
3.2 Der Ort: Westminster Hall
3.3 Die Funktion von Öffentlichkeit: Legitimation
Schluss
Die Arbeit analysiert den Prozess gegen den englischen König Karl I. im Jahr 1649, wobei der Fokus auf dem öffentlichen Charakter des Verfahrens, den Legitimationsabsichten der Beteiligten sowie der Rolle von Symbolen und Ritualen liegt. Es wird untersucht, wie die Verantwortlichen im Parlament und der Armee die Öffentlichkeit nutzten, um ihre Ansprüche zu legitimieren, und inwiefern der Prozess eine wegweisende Bedeutung für das Verständnis von moderner Staatlichkeit und politischer Kommunikation in England besaß.
2.6.1 Königtum
Das in der Frühen Neuzeit in England spätestens seit der Herrschaft Elisabeths I. dominierende und in weiten Kreisen der Bevölkerung bekannte Bild des Königs war das von Kantorowicz in seiner bahnbrechenden Studie zu den zwei Körpern des Königs analysierte. Kantorowicz arbeitet heraus, wie die Theorie der zwei dem König zugeordneten Körper im Mittelalter Ursprünge und Vorläufer hatte: Einerseits der unsterbliche body politic, andererseits der sterbliche body natural. In seinem body politic war der König überall gleichzeitig zugegen, wohingegen sein body natural immer nur an einem Ort anzufinden war, eben dort, wo sich der König gerade physisch aufhielt.
Gewissermaßen war der body politic des Königs der Staat. Er ging beim Tod des Königs unmittelbar auf den legitimen Erben über beziehungsweise die neue natürliche Person des Königs erfüllte vom Moment des Todes seines Vorgängers an den body politic. Dafür war keine Zeremonie nötig und der Übergang geschah im Moment des Todes. Der body politic war zeitlos – gewissermaßen vereinte er alle vergangenen und zukünftigen Könige mit dem aktuell herrschenden König und dem gesamten Staat – und unsichtbar. Die beiden Körper umfassten sich gegenseitig und der eine enthielt auch den anderen. Dennoch war der body politic dem body natural gewissermaßen in Größe, Bedeutung und Macht bedeutend überlegen. Die Fortführung der Monarchie ohne Unterbrechung wurde durch den body politic sichergestellt.
Einleitung: Einführung in die Thematik des Prozesses gegen Karl I. und Erörterung der forschungsrelevanten Aspekte wie Öffentlichkeit, Theatralik und Legitimation im Kontext der englischen Bürgerkriege.
1 Begriffliche Grundlagen: Bedeutung und Anwendbarkeit: Theoretische Auseinandersetzung mit den Begriffen Öffentlichkeit, Ritual und Symbolik sowie deren historische Relevanz und methodische Anwendbarkeit für die Untersuchung des Prozesses.
2 Die Schaffung des High Court of Justice und der Prozess gegen Karl I.: Detaillierte chronologische Rekonstruktion der Ereignisse vom Ende des zweiten Bürgerkrieges bis zur Hinrichtung Karls I., ergänzt durch eine Analyse der rechtlichen und ideologischen Grundlagen des Verfahrens.
3 Der Prozess und die Öffentlichkeit: Untersuchung der konkreten Rolle der Öffentlichkeit im Prozess, unterteilt in die Analyse der Informationskanäle (Zeitungen), des Ortes (Westminster Hall) und der legitimatorischen Funktion von Öffentlichkeit.
Schluss: Fazit zur gescheiterten Legitimationsstrategie der Akteure und Zusammenfassung der Bedeutung des Prozesses als „politisches Theater“ für die Entwicklung Englands.
Karl I., Englischer Bürgerkrieg, High Court of Justice, Öffentlichkeit, Legitimation, Souveränität, Ritualforschung, Symbolik, Verfassungsgeschichte, Monarchie, parlamentarische Suprematie, Politische Kommunikation, Verrat, Parlament, Cromwell
Die Arbeit analysiert den historischen Prozess gegen den englischen König Karl I. (1649) und untersucht, wie die Prozessführenden das Instrument der Öffentlichkeit und symbolische Handlungen einsetzten, um ihre Machtübernahme ideologisch zu legitimieren.
Zentrale Themen sind die frühneuzeitliche Ritual- und Symbolforschung, die Entwicklung des Souveränitätsbegriffs, der Wandel der Staatsauffassung sowie die Rolle der frühen Presse als politisches Kommunikationsmedium.
Ziel ist es, das Zusammenspiel von Öffentlichkeit und Legitimation zu ergründen und aufzuzeigen, wie der Prozess als Katalysator für ein neues Verständnis von Staatlichkeit fungierte.
Die Arbeit basiert auf einer quellenorientierten historischen Analyse unter Einbeziehung politikwissenschaftlicher Theorien, insbesondere zur Struktur von Öffentlichkeit und zur Legitimation politischer Herrschaft.
Der Hauptteil gliedert sich in eine chronologische Aufarbeitung der Ereignisse zur Schaffung des Gerichtshofes, eine tiefgehende Auseinandersetzung mit zeitgenössischen Staatsideologien (Königtum, Verrat) und eine Analyse der Medien und Orte, die für die öffentliche Wahrnehmung des Prozesses entscheidend waren.
Die Arbeit zeichnet sich durch die Verbindung von klassischer Verfassungsgeschichte mit kulturwissenschaftlichen Ansätzen aus, indem sie den Prozess nicht nur rechtlich, sondern auch als symbolisch-rituelles Ereignis begreift.
Westminster Hall war ein „ceremonial centre“ und der traditionelle Ort des englischen Rechts. Die Wahl dieses Ortes sollte dem Verfahren eine Aura der Rechtmäßigkeit und Kontinuität verleihen, die dem (umstrittenen) Prozess in den Augen der Bevölkerung fehlte.
Karl I. verweigerte die Anerkennung des Gerichts, indem er dessen legale Basis anfocht und sich auf seine gottgegebene Autorität berief. Damit verweigerte er die „Legitimationsleistung“, die sich die Richter erhofft hatten.
Der GRIN Verlag hat sich seit 1998 auf die Veröffentlichung akademischer eBooks und Bücher spezialisiert. Der GRIN Verlag steht damit als erstes Unternehmen für User Generated Quality Content. Die Verlagsseiten GRIN.com, Hausarbeiten.de und Diplomarbeiten24 bieten für Hochschullehrer, Absolventen und Studenten die ideale Plattform, wissenschaftliche Texte wie Hausarbeiten, Referate, Bachelorarbeiten, Masterarbeiten, Diplomarbeiten, Dissertationen und wissenschaftliche Aufsätze einem breiten Publikum zu präsentieren.
Kostenfreie Veröffentlichung: Hausarbeit, Bachelorarbeit, Diplomarbeit, Dissertation, Masterarbeit, Interpretation oder Referat jetzt veröffentlichen!

