Bachelorarbeit, 2013
34 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
2. Gedächtnis und Geschichte
2.1. Das kollektive Gedächtnis
2.2. Kommunikatives und kulturelles Gedächtnis
2.3. Autobiografisches Gedächtnis
2.4. Formierung sozialer Gedächtnisse
2.5. Erinnerungsorte
3. Erinnerung an den Nationalsozialismus in Kärnten
3.1. Gefallene und Vermisste
3.2. Opfer des Nationalsozialismus
3.3. Ehemalige Konzentrationslager als Orte der Erinnerung
3.4. Erinnerung an Holocaust-Opfer
3.5. Im Gedenken an Euthanasie-Opfer
3.6. Erinnerungsorte für die Kärntner Slowenen
4. Projekte zur Erinnerung an die NS-Vergangenheit
4.1. Projekt der Handelsakademie Klagenfurt
4.2. Stolpersteine
4.3. Denkmal: Deportation
4.4. Das Denkmal der Erinnerung
4.5. Gedenken an NS-Justizopfer
4.6. Gedenkstätte beim ehemaligen KZ-Loibl Nord
5. Resümee
Die vorliegende Arbeit untersucht, inwieweit verschiedene Denkmäler und Gedenkstätten in Kärnten als Orte der Erinnerung fungieren und wie diese in das kollektive Gedächtnis der Kärntner Bevölkerung eingebettet sind. Ziel ist es, die Bedeutung dieser Gedenkorte für die heutige Gesellschaft kritisch zu hinterfragen und darzustellen, wie sich der Umgang mit der nationalsozialistischen Vergangenheit in Kärnten im Laufe der Zeit durch neue Projekte und gesellschaftliche Veränderungen gewandelt hat.
3.2. Opfer des Nationalsozialismus
Ein Denkmal, das sowohl an Soldaten und Vermisste, als auch an Opfer gemahnt, befindet sich rechts neben dem Haupteingang der Alpen-Adria-Universität. Dort wurde zum 50-jährigen Gedenken an den Anschluss ein Monument errichtet, das auf das Jahr 1938 hinweist: Ein bronzenes Paar wird von einem Marmorblock mit der auf dem Kopf stehenden Aufschrift „1938“ erdrückt. Es soll auf die Verfolgung und Vernichtung zahlreicher Opfergruppen während des Nationalsozialismus hinweisen (Danglmaier/Stromberger, 2009, S. 168). Das Denkmal hat jedoch keinen speziellen Bezug zu dem Ort, an dem es sich befindet und wird von den meisten Lehrenden und Studierenden nicht beachtet (Gstettner, 2012b, S. 111). Im Gegensatz zur Gedenkstätte am Ulrichsberg scheint dieses Denkmal, wie viele andere auch, unsichtbar zu sein für die Gesellschaft. Es ist somit ausgeschlossen vom kollektiven Gedächtnis der Kärntner.
Ein Denkmal, das mehr Aufmerksamkeit erhält als die Skulptur am Areal der Universität, ist das „Denkmal der Namen“ in Villach. Der Verein des Erinnerns bemühte sich seit 1994 darum, die NS-Vergangenheit in das Gedächtnis der Bürger zu rufen – Publikationen wurden herausgegeben und Veranstaltungen wurden organisiert. Als Ergebnis dessen wurde im Frühjahr 1999 vor dem Stadtmuseum ein Denkmal enthüllt, auf dem Namen und Lebensdaten von 64 Personen des Villacher Bezirks – Opfer der Nationalsozialisten – niedergeschrieben sind. Den Häftlingen in der Zeit des Nationalsozialismus wurden ihre Namen „weggenommen“ und durch Nummern ersetzt. Das „Denkmal der Namen“ soll die Identität und Würde dieser Opfer wiederherstellen und eine Möglichkeit des öffentlichen Gedenkens bieten.
1. Einleitung: Die Einleitung erläutert die Bedeutung der Gedächtnisarbeit und stellt die zentrale Forschungsfrage nach der Verankerung von NS-Gedenkorten im Gedächtnis der Kärntner Bevölkerung.
2. Gedächtnis und Geschichte: Dieses Kapitel liefert den theoretischen Rahmen, indem es Konzepte wie das kollektive Gedächtnis von Halbwachs, das kulturelle Gedächtnis der Assmanns und die Erinnerungsorte von Pierre Nora erläutert.
3. Erinnerung an den Nationalsozialismus in Kärnten: Hier werden beispielhaft verschiedene Denkmäler und Gedenkstätten – von soldatischen Ehrenmalen bis hin zu Orten für Holocaust- und Euthanasie-Opfer – in Kärnten analysiert.
4. Projekte zur Erinnerung an die NS-Vergangenheit: Das Kapitel stellt konkrete Initiativen und Projekte der letzten Jahre vor, die dazu beitragen, bisher marginalisierte Opfergruppen ins gesellschaftliche Bewusstsein zu rücken.
5. Resümee: Die Arbeit schließt mit einer Bilanz über den Wandel der Erinnerungskultur in Kärnten und betont die wachsende Bedeutung von Initiativen für die Verankerung im kollektiven Gedächtnis.
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Die Arbeit befasst sich mit der Aufarbeitung und Erinnerungskultur an den Nationalsozialismus im Bundesland Kärnten.
Im Zentrum stehen theoretische Konzepte des Gedächtnisses, die Analyse von Gedenkstätten für verschiedene Opfergruppen sowie moderne Projekte zur NS-Aufarbeitung.
Ziel ist es zu ergründen, wie Gedenkorte das soziale Gedächtnis prägen und ob sie tatsächlich als Orte der Erinnerung in der Kärntner Gesellschaft verankert sind.
Die Autorin stützt sich auf eine theoretische Auseinandersetzung mit kulturwissenschaftlichen Gedächtnistheorien und wendet diese auf eine empirische Bestandsaufnahme bestehender Gedenkstätten in Kärnten an.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung, eine detaillierte Bestandsaufnahme von Denkmälern für unterschiedliche Opfergruppen und die Vorstellung aktueller Erinnerungsprojekte.
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Erinnerungskultur, kollektives Gedächtnis, Gedenkstättenpädagogik und spezifische regionale historische Kontexte.
Das Gedächtnis ist laut Nora ein lebendiger, affektiver Prozess innerhalb sozialer Gruppen, während Geschichte die kritische, lückenhafte Rekonstruktion und Archivierung der Vergangenheit darstellt.
Der Ulrichsberg dient als Beispiel für eine Gedenkkultur, die lange von rechts-außen stehenden Gruppierungen dominiert wurde, was zu einer notwendigen gesellschaftlichen Distanzierung führte.
Sie wird als Symbol für die Koexistenz und das friedliche Zusammenleben zweier Volksgruppen in Kärnten und als Mahnmal für die Opfer des Nationalsozialismus thematisiert.
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