Bachelorarbeit, 2013
66 Seiten, Note: 2,0
1 Einleitung
2 Die Mensch-Tier-Beziehung
2.1 Die Domestikation der Tiere
2.1.1 Verlauf des Domestikationsprozesses
2.1.2 Domestizierte Tiere vor Beginn des Ackerbaus
2.1.3 Domestizierte Tiere mit Beginn des Ackerbaus
2.2 Die Entwicklung im soziokulturellen Kontext
2.3 Konzepte der Mensch-Tier-Beziehung
2.3.1 Die Biophilie – als Basis für die Mensch-Tier-Beziehung
2.3.2 Die Du-Evidenz
2.3.3 Verhaltensaspekte innerhalb der Mensch-Tier-Beziehung
2.4 Schlussfolgerung
3 Tiergestützte Interventionen
3.1 Begriffserklärungen TGI
3.1.1 Pet Therapy (PT)
3.1.2 Pet-Facilitated Therapy (PFT)
3.1.3 Animal-Assisted Activity (AAA) – Tiergestützte Aktivität (TGA)
3.1.4 Animal-Assisted Therapy (AAT) - Tiergestützte Therapie (TGT)
3.1.5 Tiergestützte Pädagogik (TGP) im deutschsprachigen Raum
3.1.6 Schlussfolgerung
3.2 Wirkungsbereiche TGP
3.2.1 Die Herleitung der Wirkungsbereiche
3.2.2 Kognitives Lernen - Kopf
3.2.3 Emotionales Lernen - Herz
3.2.4 Motorisches Lernen - Hand
3.2.5 Soziales Lernen
3.2.6 Schlussfolgerung
3.3 Die Geschichte der TGI
3.3.1 Die Entstehung TGI
3.3.2 Der Erfolg Levinsons
3.3.3 Die Psychologisierung der Pädagogik
3.3.4 Beginn der wissenschaftlichen Forschung
3.4 Entwicklung in Deutschland
4 Die Probleme der TGI in Deutschland
4.1 Das Problem der Begrifflichkeiten
4.2 Die Professionalisierung tiergestützter Berufe
4.3 Forschungsdefizite
4.3.1 Mangelhafte Studiendesigns
4.3.2 Die Illoyalität der Forscher
5 Fazit
Die Arbeit untersucht die theoretischen Grundlagen, die geschichtliche Entwicklung sowie den aktuellen Status quo der tiergestützten Pädagogik im deutschsprachigen Raum. Ein besonderer Schwerpunkt liegt dabei auf der Analyse der Abgrenzung zu tiergestützten Therapien sowie der kritischen Auseinandersetzung mit bestehenden Forschungsdefiziten und strukturellen Problemen in der Disziplin.
3.3.2 Der Erfolg Levinsons
Der amerikanische Kinderpsychologe Boris Levinson gilt bis heute als der „Vater“ der tiergestützten Therapie. Er erkannte die positive Wirkung von Tieren eher zufällig in einer Therapiestunde mit einem achtjährigen, kontaktgestörten Jungen, bei dem über mehrere Jahre die konventionelle Therapie scheiterte. In Greiffenhagens Werk Tiere in der Therapie wird die erste Therapiestunde mit dem Hund „Jingles“ wie folgt beschrieben:
Wie der glückliche Zufall es wollte kamen die verstörten Eltern mit ihrem Kind eine Stunde zu früh zum Termin. Ich saß vertieft in meiner Arbeit am Schreibtisch. Mein Hund lag zu meinen Füßen wie immer, wenn keine Patienten da waren. Ich empfing die Familie sofort und vergaß meinen Hund. Der lief ohne zu zögern auf das Kind zu, begrüßte es stürmisch und leckte ihm das Gesicht. Zu meiner Überraschung zeigte das Kind keine Angst, sondern kuschelte sich eng an den Hund und streichelte ihn. Die Eltern versuchten die beiden zu trennen, aber ich gab ihnen ein Zeichen, das Kind in Ruhe zu lassen. Nach einiger Zeit fragte das Kind ob der Hund mit allen Kindern spielen dürfte, die zu mir kamen. Als ich ja sagte, meinte der Junge, dann wolle er auch wiederkommen und mit dem Hund spielen.“
Durch den Hund gelang es Levinson wie über eine Kontaktbrücke mit dem Kind zu kommunizieren. „Der Hund fungierte offenbar als Eisbrecher, der die Feindseligkeit und Reserviertheit der Kinder aufbrach.“ Durch den Zutritt, den Jingles Levinson verschaffte, konnte dieser mit einer konventionellen Therapie unter Anwesenheit des Hundes fortfahren und die psychische Verfassung des Jungen verbesserte sich schon bald. Von diesem Zeitpunkt an setzte Levinson Jingles auch bei seinen anderen Patienten ein.
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in das Thema der tiergestützten Pädagogik ein und erläutert die Forschungsfrage sowie die Zielsetzung der Arbeit unter Einbeziehung reformpädagogischer Ansätze.
2 Die Mensch-Tier-Beziehung: In diesem Kapitel werden die historischen Ursprünge der Domestikation sowie theoretische Konzepte (Biophilie, Du-Evidenz) erläutert, die die Grundlage für die Mensch-Tier-Beziehung bilden.
3 Tiergestützte Interventionen: Dieses Kapitel definiert und differenziert die vielfältigen Begrifflichkeiten tiergestützter Maßnahmen, beschreibt deren historische Entwicklung und beleuchtet die vier Wirkungsbereiche tiergestützter Pädagogik.
4 Die Probleme der TGI in Deutschland: Das Kapitel analysiert die strukturellen Defizite, wie die mangelnde Standardisierung der Begrifflichkeiten, die unzureichende Professionalisierung der Berufsfelder und die Forschungsdefizite in der aktuellen Studienlandschaft.
5 Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und formuliert Forderungen zur zukünftigen Professionalisierung sowie zur wissenschaftlichen Qualitätssicherung innerhalb der tiergestützten pädagogischen Arbeit.
Tiergestützte Pädagogik, TGI, Mensch-Tier-Beziehung, Domestikation, Biophilie-Hypothese, Du-Evidenz, Anthropomorphismus, tiergestützte Therapie, Wirkungsbereiche, Professionalisierung, Forschungsdefizite, Doppelblindstudie, Qualitätssicherung, Förderplan, Evidenz
Die Arbeit befasst sich mit der Entstehung und der aktuellen Situation der tiergestützten pädagogischen Interventionen im Spannungsfeld zwischen therapeutischen und pädagogischen Ansätzen.
Die zentralen Felder sind die historische Entwicklung der Mensch-Tier-Beziehung, die Definition und Differenzierung von Interventionsbegriffen sowie die kritische Analyse der aktuellen Probleme im deutschsprachigen Raum.
Das Ziel der Arbeit ist es, die Gründe für das oft kritisierte Nischendasein der tiergestützten Pädagogik zu identifizieren und Möglichkeiten für eine stärkere Professionalisierung und wissenschaftliche Etablierung aufzuzeigen.
Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die auf einer umfassenden Literaturanalyse und dem Vergleich internationaler Forschungsansätze basiert, um eine fundierte Basis für zukünftige Entwicklungen zu schaffen.
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretischen Grundlagen (Kapitel 2), die Definitionen und Wirkungsbereiche der Interventionen (Kapitel 3) und eine detaillierte Auseinandersetzung mit den strukturellen sowie wissenschaftlichen Problemen (Kapitel 4).
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Tiergestützte Pädagogik, Mensch-Tier-Beziehung, Forschungsdefizite und Professionalisierung geprägt.
Die Autorin argumentiert, dass die aktuell vorherrschende begriffliche Unbestimmtheit die Seriosität der Disziplin schwächt und eine klare Differenzierung notwendig ist, um fachspezifische Qualitätsstandards zu etablieren.
Der Begriff beschreibt den spontanen, aus der Praxis entstandenen Charakter der tiergestützten Ansätze, was jedoch zu einer enormen Heterogenität der Strukturen geführt hat und die wissenschaftliche Standardisierung erschwert.
Sie fordert den Abschied von rein deskriptiven Einzelfallberichten hin zu repräsentativen Wirksamkeitsstudien, vorzugsweise durch interdisziplinäre Expertenteams, um wissenschaftliche Evidenz zu erlangen.
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